Kardinal Meisner: Die Osterbeichte, radikalste Öffnung für das Licht Christi

Interview mit dem Erzbischof von Köln

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KÖLN, 3. März 2007 (ZENIT.org).- Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat für ZENIT die tiefe Bedeutung der 40-tägigen Vorbereitungszeit auf Ostern zusammengefasst. Darüber hinaus ermutigte er zu einer guten Osterbeichte sowie zum täglichen Morgen- und Abendgebet. Das abendliche Schlafengehen sei nämlich „ein irdisches Zeichen für unseren Tod, der todsicher auf uns zukommt“, und das Aufstehen am Morgen ein „Realsymbol für die Auferstehung von den Toten“.



ZENIT: Was will uns die Fastenzeit sagen, warum ist sie so wichtig?

-- Kardinal Meisner: Die Fastenzeit oder vorösterliche Bußzeit, wie wir sie heute auch zu nennen pflegen, will den Menschen aus der Zerstreuung in die Konzentration sammeln: Was ist primär in meinem Leben und was muss darum sekundär sein?

Für einen Christen ist deshalb eventuell eine Kurskorrektur nötig, damit Gott absolute Priorität in seinem Dasein bekommt und alles andere, einschließlich sein eigenes Ich, sekundär wird. Dann überfordert er sich nicht selbst, und sein Leben wird groß, weit und wahrhaftig.

ZENIT: Wie begeht man die Fastenzeit im Sinne Christi?

-- Kardinal Meisner: Die Fastenzeit im Sinne Jesu zu begehen, bedeutet zunächst, dabei kein düsteres Gesicht zu machen, dann aber das eigene Leben soweit wie möglich dem Lichte Christi zu öffnen, damit unser Dasein bis in die dunkelsten Ecken unseres Lebens von seinem Licht erhellt, durchleuchtet und geheilt werden kann. Das geschieht am radikalsten in einer guten Osterbeichte.

ZENIT: Wie kann es gelingen, die Auferstehung und das ewige Leben nicht mehr in der Alltäglichkeit des Lebens zu vergessen?

-- Kardinal Meisner: Man muss sich bemühen, die normalen Lebensabläufe, die auf diese Großereignisse hindeuten, bewusst zu rekapitulieren. So ist das abendliche Schlafengehen ein irdisches Zeichen für unseren Tod, der todsicher auf uns zukommt. Darum sollte jeder vor dem Schlafengehen sein Herz so bereiten, dass er im Tod zum ewigen Leben einschlafen könnte. Und das Aufstehen am Morgen ist ein Realsymbol für die Auferstehung von den Toten. Darum sollte uns jeder Morgen – trotz Weckerklingeln und Müdigkeit – froh und tapfer Ja zum Willen Gottes und zum Tagewerk sagen lassen.