Kardinal Meisner zum Moscheebau: „In Fairness miteinander arbeiten“

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KÖLN, 21. Juni 2007 (ZENIT.org).- Vor dem Hintergrund der öffentlichen Debatte um den geplanten Kölner Moscheebau hat Erzbischof Joachim Kardinal Meisner an das Prinzip der Religionsfreiheit erinnert. Danach könne jeder in Deutschland seine Religion ausüben, sofern die jeweilige Religion selbst und jeder einzelne ihrer Vertreter die Verfassungswirklichkeit respektiere. Dies sagte der Kölner Erzbischof am Mittwochmorgen in einem Interview des Deutschlandfunks. Sein Ziel sei „eine wirklich gute Nachbarschaft“ der Religionsgemeinschaften.



Wie das Erzbistum Köln berichtete, mahnte Kardinal Meisner, die Bedenken gegen den geplanten Bau ernst zu nehmen. Die Frage, die ihn bewege, laute, warum Kölner Mitbürgerinnen und Mitbürger gegen den Bau der Moschee seien. „Könnte die Ablehnung nicht daran liegen, dass zum Beispiel Muslime, die bei uns hier in Köln, wo Religionsfreiheit herrscht, Christen werden, sich durch Glaubensgenossen in ihrem Leben bedroht fühlen? Oder könnte es weiter daran liegen, dass es von muslimischer Seite in Deutschland, in Köln keine oder kaum Proteste gibt, wenn etwa Christen in vorwiegend muslimischen Ländern, auch in der Türkei, verfolgt oder getötet werden? Das fragen wir natürlich auch. Oder warum tritt die DITIB, die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, die eine große Moschee in Köln bauen will, nicht hilfreich zugunsten der Christen bei ihren Glaubensbrüdern in der Türkei ein, denen permanent der Bau von kleinen Kirchen in der Türkei verboten wird? Wie soll denn dieses Schweigen gedeutet werden?“

Kardinal Meisner verwies darauf, dass im Islam versucht werde, das staatliche Leben dem religiösen Gesetz (Scharia) zu unterwerfen. Das sei zwar „aus traditioneller islamischer Sicht“ verständlich, sagte er und führte aus: „Wir müssen unsere muslimischen Mitbürger jedoch als Bürger darauf hinweisen, dass heute in unseren Gesellschaften die einzelnen religiösen und ideologischen Gruppen sich anders darzustellen und anders zu verhalten haben, wollen wir in Gerechtigkeit und Harmonie in unserem demokratischen Staatsgebilde nach Art der Bundesrepublik Deutschland und ihrer Verfassung leben. Das ist ein Prozess.“

Von den Muslimen erwarte er dabei Transparenz und Offenheit ähnlich wie bei christlichen Gemeinden im Land: „Unsere Gottesdienste sind alle öffentlich, und bei uns hat jeder Zutritt und Einblick. Das muss auch hier so sein in einer solchen Gesellschaft wie der unserigen, wo eine hohe Zahl von Einwohnern Tür an Tür leben.“ Es gehe ihm „um eine wirklich gute Nachbarschaft. Daher müssen wir darum bitten und darauf bestehen, dass die Muslime unserer Verfassungswirklichkeit entsprechend ihr Leben gestalten.“

Eine schlichte „Kontra-Haltung“ gegen die Muslime und deren religiöse Bedürfnisse lehnte Kardinal Meisner ab: „Wir müssen in Fairness miteinander arbeiten.“