Kardinal Müller ruft amerikanische Ordensfrauen zu mehr Glaubenstreue auf

Theologisches Konzept der Bewussten Evolution zu verurteilen

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 450 klicks

Wie gestern bekannt wurde, hat der Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, Kardinal Gerhard Müller, in aller Deutlichkeit das theologische Konzept der Lehre des amerikanischen Verbandes „Conscious Evolution“ („Bewusste Evolution“) verurteilt und die Ordensfrauen zu mehr Glaubenstreue aufgerufen. Damit rechtfertigte er bereits getroffene Maßnahmen gegen ihre Vereinigung, wie ihre seit 2012 andauernde Beobachtung durch die Glaubenskongregation. Am 30. April hatte Müller die Präsidentinnen der „Leadership Conference of Women Religious“ (LCWR) empfangen, sie zu mehr Glaubenstreue aufgerufen und sich von Seite der Ordensfrauen „bedeutendere Zeichen der Kollaboration“ gewünscht.

Nach eigenen Angaben vertreten die im LCWR zusammengeschlossenen Ordensoberinnen 80 Prozent der Ordensfrauen in den USA und haben 1.400 Mitglieder. Die „Conscious Evolution“ ist eine Lehre in den USA, die laut ihrer Gründerin, der Theologin Barbara Marx Hubbard, davon ausgeht, dass der Mensch an einem Punkt in der Geschichte seiner Entwicklung angekommen sei, an dem er selber seine Schicksale in die Hände nehmen und bewusst die Zukunft entscheiden und „mit-schöpfen“ könne. Der Mensch habe nun die Fähigkeiten erreicht, die in der Vergangenheit den Göttern zugeschrieben wurden und man habe nun die Werkzeuge, sich selbst zu verwandeln und sich über das rein Menschliche hinaus zu gestalten.

Bei dem Treffen am 30. April würdigte Müller ihre Fortschritte bei der Reform des Verbandes der Ordensoberinnen; äußerte aber auch, er sei sich bewusst, dass es seitens der Schwestern immer Widerstände gegeben habe, so dass die Glaubenskongregation zu dem Schluss gekommen sei, dass die bisherigen Anschuldigungen gerechtfertigt seien, wie bezüglich ihrer Position in Fragen wie Homosexualität, Frauenweihe, Abtreibung und Verhütung, die vom katholischen Lehramt abweiche. Der Heilige Stuhl hatte die Untersuchung des kirchlich anerkannten Verbandes noch unter Benedikt XVI. im Jahr 2012 angeordnet, die vom Erzbischof von Seattle, James Peter Sartain geleitet wird.

Die Ordensfrauen würden jedoch an Sartain vorbei Entscheidungen treffen, Maßnahmen, die als eine offene Provokation gegen den Heiligen Stuhl wahrgenommen werden würden, so Müller vor den Oberinnen. Die Glaubenskongregation erwarte eine aktive Rolle Sartains bei allen künftigen Entscheidungen und mehr Kollaboration.

Die Kritik Kardinal Müllers bezieht sich insbesondere auf das theologische Konzept des Verbandes, das auf die Theologin Barbara Marx Hubbard zurückgeht und dem der Ordensfrauenverband immer mehr Aufmerksamkeit widme. Müller erläuterte, dass die Thesen Hubbards der Christlichen Offenbarung widersprechen, und stellte sich die Frage, ob den Ordensfrauen der Unterschied zwischen der Lehre Hubbards und der christlichen Glaubenswahrheit noch bewusst sei. Die Sorge der Glaubenskongregation bestehe darin, dass eine Bewegung jenseits der Kirche und des christlichen Glaubens entstanden sei. Kardinal Müller entschuldigte sich mehrmals für seine Direktheit, die er jedoch für notwendig halte, um die Wichtigkeit der Situation zu verdeutlichen.

Kardinal Müller sagte, die „futuristischen Ideen“ des Verbandes würden an die Gnostik erinnern. An der Attraktivität solcher Theorien äußerte er deutliche Zweifel.