Kardinal Newman, „Lehrer der post-konziliaren Kirche“?

Oxford-Professor Ian Ker bekräftigt die Bedeutung des britischen Theologen

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ROM, 15. JULI 2009 (ZENIT.org).- Der britische Theologieprofessor und Newman-Spezialist Ian Ker, der in Oxford unterrichtet, hat in einem Artikel für „The Catholic Herald“ die Bedeutung des Dieners Gottes John Henry Newman für die Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil erläutert.


 
Am 3. Juli unterzeichnete Papst Benedikt XVI. das Dekret, in dem bestätigt wird, dass durch die Fürsprache Newmans ein Wunder geschehen sei: Ein amerikanischer Diakon war auf wunderbare Weise von seiner ihn lähmenden Wirbelsäulenerkrankung geheilt worden. Nun fehlt nur mehr der Termin für die Seligsprechung von Kardinal Newman (ZENIT berichtete).

Oxford-Professor Ker bekräftigt in seinem Artikel die Feststellung Benedikts XVI., dass die Seligsprechung Kardinal Newmans „von großer Bedeutung für die Kirche“ sei. Newman wurde oft als „Vater des Zweiten Vatikanischen Konzils“ bezeichnet, da er die Schlüsselthemen des Konzils vorweggenommen habe. „Wenn Newman ein bahnbrechender und radikaler Theologe war“, so Ker, „dann nur deshalb, weil er ein zutiefst historischer Theologe war. Wo Newman in seiner Theologie das Konzil vorwegnahm, war er darauf bedacht, nicht zu übertreiben und nicht seine Balance zu verlieren. Zum Beispiel war Newman ein Verfechter der bedeutenden Rolle, die die Laien in Kirche und Welt spielen, aber er stellte den Laienstand nie einer klerikalen Kirche gegenüber.“

Aufgrund seines Studium der griechischen Kirchenväter habe Newman die Kirche als in erster Linie sakramentale Gemeinschaft verstanden, als organische Gemeinschaft, „wie es dann das Zweite Vatikanum in seiner Kirchenkonstitution ausdrückte.“

Ker erklärt zudem, dass der Kardinal von seinem historischen Verständnis heraus erkannt habe, dass Konzile sich oft in widersprüchlichen Aussagen bewegten, um sich gegenseitig zu ergänzen. So sei es notwendig geworden, dass die Definition der päpstlichen Unfehlbarkeit des I. Vatikanums durch eine viel weitere Lehre über die Kirche ergänzt werde, wie das beim II. Vatikanum geschehen sei. Newman hätte das vorhergesehen.

„Ebenso braucht auch das Zweite Vatikanische Konzil Ergänzungen und Modifizierungen“, fährt der Newman-Spezialist fort. „So wurde ein Thema, das das Zweite Vatikanum vernachlässigt hatte, zu einem Hauptthema für Papst Johannes Paul II.: die Evangelisation.“

Der britische Gelehrte ist davon überzeugt, dass aufgrund des Verständnisses und der Verbreitung dieser Punkte der Kirchengeschichte Newman nicht nur als „Vater des Zweiten Vatikanischen Konzils“, sondern auch als „Lehrer der post-konziliaren Kirche“ angesehen werden wird.