Kardinal O’Brien fordert Aufhebung der Grundordnung zur britischen Thronfolge

Kritik am britischen Premierminister Gordon Brown

| 726 klicks

EDINBURGH, 4. Juli 2007 (ZENIT.org).- Kardinal Keith Michael Patrick O'Brien, Erzbischof von St. Andrews und Edinburgh (Schottland), hat den britischen Premierminister Gordon Brown kritisiert, weil dieser im Zuge der angekündigten Verfassungsänderungen nicht die Aufhebung des so genannten „Act of Settlement“ in Betracht zieht.



Mit dem „Act of Settlement“ („Grundordnung“) schuf das englische Parlament 1701 die neue Grundlage der Thronfolge im Königreich England: Es wurde festgeschrieben, dass für den Fall des Todes der kinderlosen Königin Anne, der letzten Protestantin im Haus Stuart, das Recht der Thronfolge auf die protestantischen Nachkommen der Sophie von der Pfalz, Tochter der Elisabeth Stuart und somit die nächste lebende protestantische Verwandte des Königshauses (und damit an das Haus Hannover) übergehen sollte. Weiterhin sollten auch alle jene ihrer Nachkommen ihr Anrecht auf den englischen Thron verlieren, die einen katholischen Partner heirateten. Durch dieses Gesetz wurden sämtliche Katholiken aus der englischen beziehungsweise später britischen Thronfolge ausgeschlossen.

Kardinal O’Brien betonte gestern, Dienstag: „Ich bin über die Äußerungen Gordon Browns sehr enttäuscht. Ich bleibe weiterhin sehr besorgt angesichts der Tatsache, dass der ‚Act of Settlement‘ weiter existieren wird, und ich glaube, dass er ein staatlich gefördertes Sektierertum darstellt.“

Erfreut zeigte sich der Kardinal jedoch über die Bemerkungen des neuen schottischen Ministerpräsidenten (First Minister) Alex Salmond. Der Vorsitzender der Scottish National Party (SNP), der sein neues Amt seit Mai dieses Jahres ausübt, hatte sich für eine Außerkraftsetzung des „Act of Settlement“ ausgesprochen.

Kardinal O’Brien hatte Gordon Brown bereits im April 2006 einen Brief zukommen lassen, um darauf hinzuweisen, dass die im „Act of Settlement“ enthaltenen Bedingungen „anachronistisch“ seien und dass es sich bei diesem Verfassungsgesetz um ein „herausragendes Beispiel von Bigotterie und Sektierertum im Vereinigten Königreich“ handle. „Ich drängte ihn, diese Sichtweise in Betracht zu ziehen, erhielt aber keine Antwort.”