Kardinal Pell im Interview mit italienischer Tageszeitung

"Ich habe keinen Zauberstab, aber Hartnäckigkeit"

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 315 klicks

Der Präfekt des vatikanischen Wirtschaftssekretariats, Kardinal George Pell, sagte der italienischen Tageszeitung „Corriere della sera“ in einem Interview, sein Ziel sei es, das zu verwirklichen, was die Kardinäle im letzten Jahr vor dem Konklave gefordert hätten. Papst Franziskus hatten den Australier Pell im Februar an die Spitze eines neu geschaffenen Wirtschaftssekretariats berufen, das auf dem Weg zu einer Art vatikanisches Finanz- und Wirtschaftsministerium ist.

Pell sagte, man wolle einen Schlussstrich unter die Skandale der vergangenen Jahrzehnte ziehen und nach vorne schauen. Er habe keinen Zauberstab, dafür aber Hartnäckigkeit. Pell verneinte die Frage, ob er an einer „Ent-Italianisierung“ der Finanzorganismen des Heiligen Stuhls arbeite. Grundsätzlich gelte, dass diese Strukturen „der Weltkirche dienen und nicht dem Bistum Rom“. Bezüglich der Italiener im Vatikan sagte er, schon bald werde auch ein italienisches Mitglied in den Aufsichtsrat des IOR ernannt werden. Im Übrigen, so der Kardinal weiter, gebe es „an der Kurie viele, sehr gute Italiener“.

Überdies wolle er, die Rolle von Laien in seiner Verwaltung stärken, so Pell weiter. Pell sagte, die Kirche sei ein Volk, es gebe nicht nur Priester. Zu seinen Zeilen gehöre neben mehr Transparenz und Professionalität, Nicht-Klerikern mehr Verantwortung zu übertragen. Dies werde auch von den meisten anderen Kurienkardinälen gewünscht. Ebenfalls auf dieser Linie ist der neue Direktor der Vatikanbank IOR, Jean-Baptiste de Franssu, der am Donnerstag mehr Führungsposten in der Vatikanverwaltung für Laien empfohlen hatte, da es den dort tätigen Priestern und Bischöfen oft an Expertenwissen gefehlt habe, was wiederum der Entwicklung der vatikanischen Finanzen geschadet habe.