Kardinal Pell sieht Ende der Ära der Skandale

Reformpläne lassen hoffen

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 172 klicks

Wie der Präfekt des neuen vatikanischen Wirtschaftssekretariats, der frühere Erzbischof von Sydney Kardinal George Pell, gegenüber Radio Vatikan sagte, sei die gestrige Pressekonferenz über die Reformpläne des Vatikans nur der Anfang gewesen. Er sagte:

„Wir werden uns darum bemühen, regelmäßig zu erklären, was wir tun! In meiner Zeit als Bischof habe ich herausgefunden: Je akkurater die Informationen sind, die man gibt, desto weniger Raum bleibt für Phantasie und Spekulation. Sobald wir also substantielle Fortschritte zu vermelden haben, werden wir das öffentlich tun. Für unsere Mitarbeiter gibt es außerdem ein monatliches News-Bulletin, und vielleicht können wir darin auch ein Forum anbieten, wo Mitarbeiter Fragen stellen können und eine Antwort bekommen.“

Insbesondere bezüglich des vatikanischen Wirtschafts- und Finanzbereichs nimmt Pell deutlich Abstand zu der bisherigen Praxis und will neue Wege gehen.

„Wir zielen auf eine substantielle Transparenz: Es wird Jahresberichte geben, mit einem auswärtigen Untersuchungsverfahren. Wir hoffen, noch vor Jahresende - auf jeden Fall ziemlich bald - einen Generalrevisor zu haben, einen Buchprüfer mit Sondervollmachten. Er soll unabhängig sein und in der Lage, jederzeit überall hinzugehen.“

Pell fuhr fort, man strebe an, eine Investmentpolitik nach ethischen Kriterien zu haben. Man wolle auf lange Sicht ein Modell im Finanzmanagement werden, anstatt eine Quelle immer neuer Skandale. Pell unterstrich, er habe über das Mandat des Papstes für seine Arbeit hinaus wichtige Rückendeckung aus dem Kardinalskollegium. Diesbezüglich sagte er:

 „Im Vorkonklave vor der Wahl des Heiligen Vaters haben viele Kardinäle sehr klar Reformen verlangt. Papst Franziskus hat das akzeptiert und Kommissionen eingerichtet, die sich über einen neuen Zuschnitt von Verwaltung und Finanzstrukturen des Vatikans Gedanken gemacht haben. Von diesen Vorarbeiten haben wir sehr profitiert. Die Einrichtung des vatikanischen Wirtschaftsrates und des vatikanischen Wirtschaftssekretariats sind eine wichtige Neuerung für den Heiligen Stuhl, und zwar aus zwei Gründen: Der Rat ist kein Beratungsorgan des Sekretariats, sondern das Sekretariat legt umgekehrt dem Rat gegenüber Rechenschaft ab. Es ist also der Rat, der die grundlegenden Entscheidungen trifft und dem Heiligen Vater gegenüber Empfehlungen ausspricht. Das gehört zu einem System der „checks and balances“, der Gewaltenteilung. Die zweite Neuerung, die mir auch theologisch sehr angemessen erscheint, ist die enge Zusammenarbeit von Laien-Fachleuten und Klerikern. Das ist auf jeden Fall eine Art Innovation!“