Kardinal Piacenza zum Advent 2011

Maria als Vorbild der Wachsamkeit

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ROM, 28. November 2011 (ZENIT.org). – Mauro Kardinal Piacenza, der Präfekt der Kongregation für den Klerus, sendet zum Advent 2011 folgende Botschaft an die Priester:

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Verehrte und liebe Priester,

in dieser besonderen Zeit der Gnade will uns Maria, die Ikone und das Urbild der Kirche, zur Wachsamkeit, die in ihrem unbefleckten Herzen stets gegeben ist, anleiten. In der Tat war die selige Jungfrau Maria stets wachsam im Gebet. Wachsam empfing sie die Botschaft, die die Geschichte der Menschheit verändert hat. Wachsam behütete und betrachtete sie mehr und vor allen anderen den Höchsten, der sich zu ihrem Sohn machte. Wachsam und erfüllt von zärtlichem und dankbarem Staunen gebar sie das wahre Licht, und mit dem heiligen Josef machte sie sich zur Jüngerin dessen, der von ihr geboren, der von den Hirten und Waisen angebetet, der vom greisen Simeon und der Prophetin Anna mit Jubel aufgenommen, der von den Gelehrten im Tempel gefürchtet, der von den Jüngern geliebt und begleitet und der von seinem Volk bekämpft und verurteilt wurde. In der Wachsamkeit ihres mütterlichen Herzens folgte sie Jesus Christus bis an den Stamm des Kreuzes, wo sie uns mit durchbohrtem Herzen und schmerzlich leidend als ihre neuen Söhne angenommen hat. Weiterhin wachsam erwartete sie mit Gewissheit die Auferstehung und wurde sie in den Himmel aufgenommen.

Liebe Freunde, Christus wacht unaufhörlich über Seine Kirche und über jeden von uns! Die Mutter Jesu wacht über uns! Und die Wachsamkeit, zu der sie uns ruft, ist jene aufmerksame Wahrnehmung der Wirklichkeit, die von zwei Grundlinien geprägt ist: vom Gedächtnis der Ereignisse unseres Lebens in der Begegnung mit Christus und im großen Geheimnis, seine Priester zu sein, und von der Öffnung zur „Kategorie der Möglichkeit“.

Die Jungfrau Maria „erinnerte sich“ in der Tat, d.h. sie betrachtete immer wieder in ihrem Herzen, was Gott in ihr bewirkt hatte, und in der Gewissheit dieses Geschehens bewältigte sie die Aufgabe, Mutter des Allerhöchsten zu sein. So war das unbefleckte Herz der seligen Jungfrau beständig bereit und offen für das „Mögliche“, d.h. für die Verwirklichung des zärtlichen Willens Gottes in alltäglichen sowie in unvorhergesehenen Ereignissen. Auch heute bewahrt uns die selige Jungfrau vom Himmel her in der lebendigen Erinnerung an Christus und sie öffnet uns beständig für die Möglichkeit der göttlichen Barmherzigkeit.

Erbitten wir von Ihr, liebe Mitbrüder und Freunde, ein Herz, das fähig ist, die Ankunft Christi in unserem Leben erneut zu spüren, das fähig ist, die Art und Weise zu betrachten, in der der Sohn Gottes am Tag unserer Weihe unser ganzes Leben in radikaler und definitiver Weise geprägt hat, indem er es in Sein priesterliches Herz eingetaucht hat, und wie Er uns täglich erneuert in der Feier der Eucharistie, der Verwandlung unseres Lebens in die Ankunft Christi für die Menschheit.

Erbitten wir schließlich ein aufmerksames Herz, um die Zeichen der Ankunft Christi im Leben eines jeden Menschen und besonders unter den uns anvertrauten Jugendlichen zu erkennen: die Zeichen jener ganz besonderen Ankunft, die die Berufung zum Priestertum ist.

Die Selige Jungfrau Maria, Mutter der Priester und Königin der Apostel, möge allen, die sie demütig bitten, diese priesterliche Vaterschaft erlangen, die allein fähig ist, die Jungendlichen auf dem freudigen und begeisternden Weg der Nachfolge zu „begleiten“.

Durch das Ja der Jungfrau Maria sind wir ermutigt zur Kohärenz mit dem Ja unserer Weihe; durch den Besuch bei der heiligen Elisabeth sind wir ermutigt zur Vertrautheit mit Gott, um seine Anwesenheit den Nächsten zu erschließen und sie in einen freudigen Dienst, der weder zeitlich noch räumlich begrenzt ist,  umzusetzen; im Tun der seligsten Mutter, die Jesus als Kind in Windeln wickelte und ihn anbetete, lernen wir in unaussprechlicher Liebe mit der heiligsten Eucharistie umzugehen; durch das Bewahren eines jeden Ereignisses im eigenen Herzen, lernen wir von Maria die Sammlung auf das einzig Notwendige.

In dieser Gesinnung verspreche ich allen geliebten Priestern in der Welt ein besonderes Gedenken bei der Feier der Heiligen Mysterien, und ich bitte einen jeden um die Unterstützung im  Gebet für das Amt, das mir anvertraut worden ist, indem wir vor der Krippe erflehen, jeden Tag das werden zu können, das wir sind!