Kardinal Policarpo: Weihe von Frauen ist nicht möglich

Frühere Erklärungen haben „Verwirrung ausgelöst “

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LISSABON, Freitag, 7. Juli 2011 (ZENIT.org). - José Kardinal Policarpo, Patriarch von Lissabon (Portugal), hat in einem Brief klargestellt, dass er bezüglich der Frauenpriesterweihe „in Übereinstimmung mit dem Papst“ sei.

Der Patriarch wollte damit der Polemik entgegentreten, die von seinen Äußerungen bei einem Interview  in der letzten Ausgabe der portugiesischen Zeitschrift (Ordem dos Advogados) ausgelöst worden waren.

In dem Interview hatte der Kardinalzur Frage der Priesterweihe für Frauen geäußert, dass es seiner Meinung nach „kein grundsätzliches theologisches Hindernis gibt“, selbst wenn „es keinen Papst gibt, der die Macht hat, dies zu tun. Es würde zu Spannungen führen und wird nur eintreten, wenn Gott es will dass und wenn es in seine Pläne passt“.

In seiner Erklärung erkennt  Kardinal Policarpo an, dass er selber „die Frage“ nie „systematisch behandelt hat“:

„Durch die Reaktionen auf dieses Interview sah ich mich gezwungen, das Thema mit größerer Aufmerksamkeit zu betrachten, und ich habe geprüft, ob ich, besonders durch ungenügende Beachtung der letzten Erklärungen des Magisterium zu diesem Thema, Anlass für diese Reaktionen gegeben habe“.

Darum habe er es für seine Pflicht gehalten, gegenüber den Gläubigen seine Position zu klären: „Es wäre für mich schmerzhaft, wenn meine Worte Verwirrungen bei unserem Gehorsam gegenüber der Kirche und den Worten des Heiligen Vaters ausgelöst hätten. Ich glaube, Euch gezeigt zu haben, dass ich in der Ausübung meines Amtes mit dem Heiligen Vater in vollkommener Einheit stehe“.

Der Patriarch unterstrich außerdem die „gegenseitige Ergänzung von Mann und der Frau in der Heilsgeschichte“, die „in der Offenbarung Christi und Mariens zur Vollkommenheit gelangt“.

Verwurzelt im Neuen Testament sei das christliche Priestertum von Anfang an nur Männern anvertraut worden.

„Die Tatsache, dass es unter diesen Nachfolgern und Mitarbeitern keine Frauen gegeben hat, bedeutet nicht eine Abwertung der Frau, sondern die Suche nach jener gegenseitigen Ergänzung zwischen dem Männlichen und Weiblichen, die in der Beziehung von Christus zu Maria vollkommen dargestellt ist“.

In den ersten Zeiten der Kirche, so der Kardinal, „ist die Harmonie zwischen dem apostolischen Priestertum, das den Männern übertragen wurde, und der Würde der Frau in der Kirche offensichtlich“.

Für  Kardinal Policarpo ist einer der Gründe, die zur Forderung nach dem Frauenpriestertum führen, „das verlorene Bewusstsein über die priesterliche Würde aller Glieder der Kirche, also die Reduzierung des priesterlichen Ausdrucks auf das geweihte Priestertum“.

Ein weiterer Grund sei „das Verständnis des priesterlichen Ministerium als ein Recht und eine Macht, ohne zu beachten, dass niemand, ob Mann oder Frau, hier ein vermeidliches 'Recht' in Anspruch nehmen kann, denn es handelt sich darum, einen Ruf der Kirche zu diesem Dienst anzunehmen, der auch die vollkommene Hingabe des eigenen Lebens verlangt.“

Zu Beginn, als dieses Thema aufgeworfen worden sei, „wurde nicht ausgeschlossen, dass es sich um eine offene Frage handeln könnte, in der Achtung vor dem Wirken des Heiligen Geistes, auf der Suche nach dem Ausdruck des Mysteriums der Kirche in neuen Realitäten“.

Auf jeden Fall interpretiere das jüngste Magisterium der Päpste diese ununterbrochene Tradition, nur Männer zu weihen, „nicht nur als eine Praxis, die sich unter Einwirkung des Heiligen Geistes ändern kann, sondern als einen Ausdruck des Mysteriums der Kirche selber, das wir im Glauben annehmen müssen.“

„Wir sind darum eingeladen“, so seine abschließenden Worte, „die Lehre des Heiligen Vaters mit der Demut unseres Glaubens anzunehmen und fortzufahren, uns in die Beziehung des geweihten Priestertums mit der dem allgemeinen Priestertum des ganzen Volkes Gottes zu vertiefen und die weibliche Art des Erbauens der Kirche zu entdecken, mit der entscheidenden Rolle der Mission unserer Schwestern, der Frauen“.

[Übersetzung aus dem Italienischen von Josef Stolz]