Kardinal Poupard: Den Glauben Kultur werden lassen

Päpstlicher Rat für die Kultur feiert sein 25-jähriges Bestehen

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ROM, 19. Juni 2007 (ZENIT.org).- Die heutige Kultur zeichne sich durch Säkularisierung und Materialismus aus; die Ortskirchen sollten diese Tatsache jedoch als eine Gelegenheit zur Evangelisierung sehen, erklärte Kardinal Paul Poupard, Präsident des Päpstlichen Rates für die Kultur, am Mittwoch während der Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag der Gründung des genannten Dekasteriums durch Papst Johannes Paul II.



Der Vorgänger von Benedikt XVI. schrieb zur Errichtung des Päpstlichen Rates am 20. Mai 1982: „Seit Beginn meines Pontifikats bin ich der Auffassung, dass der Dialog der Kirche mit den Kulturen von heute ein bedeutendes Betätigungsfeld ist, wo das Schicksal der Welt in diesem letzten Abschnitt des 20. Jahrhunderts bestimmt wird... Dank der Kultur lebt die Menschheit ein vollkommen menschliches Leben.“

Kardinal Poupard betonte, dass die „historische Bedeutung“ dieser Worte in den letzten 25 Jahren deutlich hervorgetreten sei – genauso wie die „tiefgründige Intuition, die sie inspirierte, ihre prophetische Natur und ihre intrinsische Stärke, die sicherlich alle zum epochalen Wandel, vor allem den der 80er-Jahre beigetragen haben und am Fall der Berliner Mauer veranschaulicht werden können“.

Der Kurienkardinal beleuchtete den gegenseitigen Einfluss von Glaube und Kultur wiederum mit den Worten Papst Johannes Paul II.: „Die Verbindung zwischen Kultur und Glaube ist nicht nur für die Kultur, sondern auch für den Glauben notwendig. Ein Glaube, der nicht Kultur wird, ist ein Glaube, der nicht vollständig angenommen, nicht vollständig geschätzt und nicht treu gelebt wird.“

Der 76-jährige Kardinal führte mehrere Errungenschaften auf diesem Gebiet an, verwies jedoch auch darauf, dass es noch viele Hindernisse auf dem Weg zu einem tiefen „inneren und äußeren, persönlichen und gemeinschaftlichen Wandel“ gäbe.

„Das Leben der Kirche – und von daher der Glaubensweg der Gläubigen – kann nicht außerhalb oder in den Hinterhöfen des täglichen Lebens und der Kultur eines Volkes und einer Nation gelebt werden. Die Dynamik der Fleischwerdung Christi fordert uns auf, unseren Glauben so zu leben und auszudrücken, dass wir vollends Teil der Kultur und der Wirklichkeit werden, die uns umgibt, um so das Evangelium des Lebens, der Liebe und der Hoffnung zu verkünden.“

Die Aufgabe der Kirche sah Kardinal Poupard darin, den Glauben Kultur werden zu lassen. Nur dann könne der Glaube „das Ethos der Völker erleuchten und tiefgreifend inspirieren, indem er ihnen jenen Geist und jene wesentlichen Werte zur Verfügung stellt, ohne die jegliche Realität und jegliche Institution Gefahr läuft, unmenschlich zu werden und daher sinnlos.“