Kardinal Poupard: Die Welt braucht das gemeinsame Zeugnis von Christen und Muslimen

Botschaft an die Muslime zum Ende des Fastenmonats Ramadan

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ROM, 20. Oktober 2006 (ZENIT.org).- Die diesjährige Botschaft des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog an die Muslime zum Ende des Ramadans, die aufgrund der jüngsten Ereignisse mit Spannung erwartet und am heutigen Freitagvormittag erstmals im Rahmen einer großen Pressekonferenz im Vatikan vorgestellt wurde, ist ein dringlicher Appell an Christen und Muslime zu enger, freundschaftlicher Zusammenarbeit. Gemeinsam sollen sie zur Lösung der großen gesellschaftlichen Probleme unserer Tage beitragen.



Ausgehend vom Grundgedanken, dass Gottes- und Nächstenliebe untrennbar zusammengehören, ruft Kardinal Paul Poupard, Präsident des genannten Rates, vor dem Hintergrund der großen weltweiten Bedrohungen – Ungerechtigkeit, Armut, Spannungen und Konflikte, Gewalt und Terrorismus – dazu auf, die „Glaubwürdigkeit der Religionen und die Glaubwürdigkeit ihrer Hirten und aller Gläubigen“ nicht aufs Spiel zu setzen. Denn würden Christen und Muslime ihrer Rolle als Gläubige nicht gerecht, „werden viele Menschen den Nutzen von Religion und die Integrität der Männer und Frauen, die sich vor Gott verneigen, in Zweifel ziehen“.

Gläubige Menschen hätten als erste die Verpflichtung, ihren ganz besonderen Beitrag zur Lösung der komplexen Probleme der heutigen Zeit zu leisten, bekräftigte der Kurienkardinal, der im selben Atemzug daran erinnerte, dass dies aus der Kraft der Gottesliebe heraus geschehe. Bezug nehmend auf Deus caritas est, fuhr Kardinal Poupard fort: „Damit die Liebe glaubwürdig ist, muss sie wirken. Sie muss allen zur Hilfe kommen, zuallererst den Bedürftigsten. Wahre Liebe muss allen Bedürfnissen des täglichen Lebens dienen; sie muss auch gerechte und friedliche Lösungen für die schwierigen Probleme finden, die unsere Welt plagen.“ All diese Dinge seien „mutig und entschlossen“ anzugehen.

„Dort, wo es uns möglich ist, gemeinsam zu handeln, dort lasst uns nicht getrennt arbeiten. Die Welt – und auch wir! – braucht Christen und Muslime, die sich gegenseitig respektieren, einander schätzen und Zeugnis von ihrer gegenseitigen Liebe und Zusammenarbeit geben – zur Ehre Gottes und zum Wohl der ganzen Menschheit.“