Kardinal Re: „Die Eucharistie ist ein Aufruf zur Offenheit gegenüber anderen“

Ansprache bei der Eröffnung des Eucharistischen Kongresses in Ancona

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ROM, Dienstag, 6.9.2011 (ZENIT.org). - „Für die heutige Gesellschaft, die von so viel Egoismus, von ungezügelten Spekulationen, Spannungen, Konflikten und Gewalt gekennzeichnet ist, ruft die Eucharistie zur Offenheit gegenüber den anderen auf, um zu wissen, wie man liebt und wie man vergibt."

Dies äußerte Kardinal Giovanni Battista Re, der Sondergesandte von Papst Benedikt XVI., am Sonntagmorgen bei der Eröffnung des XXV. Nationalen Eucharistischen Kongresses auf dem Gelände der Fincantieri in Ancona.

Der Kardinal fuhr fort: „Die Eucharistie ist eine Einladung zur Solidarität und zum Engagement für die Armen, für die Leidenden, für die Jugend, für die Kleinen und für die an den Rand Gedrängten. Sie ist ein Licht, um das Antlitz Christi in den Gesichtern der Brüder zu erkennen. Christus in der heiligen Eucharistie zu erkennen, bedeutet wirklich für uns, ihn in den Brüdern zu sehen und unsere Herzen für jede Form von Armut zu öffnen.“

 „Die Eucharistie ist ein Licht auch für den Dienst am Gemeinwohl und für den Beitrag, den Christen zum gesellschaftlichen und politischen Lebens geben müssen. Mehr denn je braucht es heute einen Flügelschlag, der eine wirkliche Erneuerung der Ehrlichkeit, moralischer Rechtschaffenheit, Gerechtigkeit und Solidarität bringt.“

Daher solle der eucharistische Kongress in Ancona „eine Gelegenheit werden, um in Christus die Kraft zu finden, die das Leben und die Gesellschaft ändert.“ Die Eucharistie sei tatsächlich „der große Motor des christlichen Lebens: Sie ermutigt, den christlichen Schatz in der Gesellschaft zu erneuern und zu einem ‚guten Leben des Evangeliums' zu erziehen. Sie ist der Ausgangspunkt für die geforderte Neuevangelisierung, fähig, durch die Botschaft des Evangeliums den Lebensstil, sowie die Kultur, die uns umgibt, und das ganze Leben zu ändern.“

Am Montag feierte der Kardinal eine Heilige Messe in der Kathedrale von San Settimo a Jesu und meditierte über das wundersame Ereignis der Brotvermehrung, von dem das Evangelium berichtet und wobei er daran erinnerte, dass Jesus, um dieses Wunder tun zu können, das Brot und die Fische eines Jungen genommen habe.

So erklärte er, „dass das Wunder geschah, weil jemand das Wenige, das er hatte, zur Verfügung gestellt hat. Das Wunder war möglich, weil etwas geteilt und aus Solidarität gegeben wurde.“

„Die paar Brote und Fische waren kleine Dinge angesichts einer großen Menge, die hungrig war, aber sie symbolisieren brüderliche Liebe und Solidarität. Heute wird das Wort Solidarität oft wie ein Sinnbild gebraucht, es ist ein viel zitiertes Wort, das leider wenig in die Praxis umgesetzt wird. Die Probleme der Armut, der Unterentwicklung, des Hungers in der Welt werden nie gelöst werden, wenn es nicht wirklich den Sinn für Solidarität gibt.“

„Auch die gegenwärtige Wirtschafts-und Finanzkrise erfordert einen größeren Geist der Solidarität, dem es gelingt, Individualismus, Gier und hemmungslose Spekulation durch die Konzentration auf den Menschen und die Konzentration auf das Wohl aller zu überwinden", hob er hervor.

Gleichzeitig jedoch erkläre der Bericht des Evangeliums, „dass der Hunger der Menge, die Jesus umgibt, auch Zeichen und Symbol für einen anderen Hunger ist, der in den menschlichen Herzen existiert. Jeder Mann und jede Frau haben Hunger, nicht nur nach Brot, sondern auch nach Wahrheit, Gerechtigkeit, Freiheit, Liebe und Solidarität“

„Das Herz des Menschen ist oft unruhig und gequält vom Wunsch und der Sehnsucht nach diesen  Werten, für die Christus Verkünder und Garant ist. Im menschlichen Herzen gibt es eine Lücke, die nur Gott füllen kann. In vielen Menschen ist eine beunruhigende Leere der Überzeugungen und der Werte. Es ist ein spiritueller Hunger, der oft unerkannt bleibt.“

Daher gebe es „auch in unserer beschäftigten und abgelenkten Welt nicht wenige Personen, die vielleicht unbewusst Gott suchen, weil sie das Bedürfnis nach mehr haben als nur nach materiellen Gütern, die sie besitzen und den Erfolg, den sie in ihrem Beruf erreicht haben.“

Dieser eucharistische Kongress wolle daran erinnern, dass es neben dem Brot, das zum Leben notwendig ist,  ein weiteres Brot gibt, das das menschliche Herz braucht, ein Brot, das vom Himmel kommt, ein Brot, das Christus selbst ist, der sich uns schenkt.“

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals]