Kardinal Renato Raffaele Martino: „Niemand kann sich der Arbeit für den Frieden entziehen“

Abschluss des Studienseminars: “Entwaffung, Entwicklung und Frieden. Perspektiven einer vollständigen Abrüstung”

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ROM, 16. Apri 2008 (ZENIT.org).- „Niemand kann sich der Arbeit für den Frieden entziehen“, erklärten die Teilnehmer des Seminars „Entwaffnung, Entwicklung und Frieden. Perspektiven für eine vollständige Abrüstung“, das vom Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden im Vatikan einberufen worden war.

Die beteiligten Politikwissenschaftler, Theologen, Juristen und Mitglieder von Nichtregierungsorganisationen beschäftigten sich dabei „mit neuen Problemen, die eine enge und fruchtbare Zusammenarbeit unbedingt erforderlich machen“, bekräftigte Kardinal Renato Raffaele Martino, Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, bei der Vorstellung des Schlussdokuments des Kongresses, der sich unter anderem mit wirtschaftlichen und juristischen Fragen wie dem internationalen Waffenhandel und der Überlagerung von ziviler und militärischer Wirtschaft beschäftigt hatte.

Jeder Mensch sei dazu berufen, „überall als Friedenstifter tätig zu sein“, schrieb Papst Benedikt XVI. in seiner Botschaft im Vorfeld des Kongresses. Er betont in dem Schreiben die so genannte „neue humanitäre Einstellung“, die die Menschen dazu führen sollte, einen wahrhaft nachhaltigen Frieden zu sichern.

Es sei notwendig, verschiedene Ansätze durchaus zu tolerieren, bekräftigte Kardinal Renato Raffaele Martino. Allerdings müsse man sich darüber klar sein, „das die gemeinsame Überzeugung der Menschenwürde immer verteidigt werden muss“.

„Das Erscheinungsbild von Konflikten im Allgemeinen und von Krieg im Besonderen ändert sich fortlaufend", stellte der Kardinal fest. „Sie entwickeln sich stärker horizontal als vertikal, sind weiter verbreitet und konzentrieren sich nicht auf einen Punkt, sind stärker zersplittert und kein Block, sie kommen täglich auf, statt die Ausnahme zu sein, sind eher näher als weit entfernt, mehr immateriell und sogar virtuell als fassbar".

Der Ausgangspunkt für eine Analyse von ethischen und religiösen Implikationen für Abrüstung, Entwicklung und Frieden sei auch ein Aufruf an „Staaten und internationalen Organisationen, ihre Verpflichtung zur einheitlichen und ganzheitlichen Entwicklung der Menschheit zu erneuern“, betonte Kardinal Raffaelle Martino. Das fördere „das friedliche und geordnete Zusammenleben der Menschheitsfamilie".

Und er fügte hinzu: „Gerade in der Unsicherheit, die durch die Globalisierung und Phänomene wie Terrorismus auf globaler Ebene entstanden ist, haben Staaten wieder ein finsteres Wettrüsten aufgenommen. Sie scheinen das Vertrauen in den Dialog, in multilaterale Beziehungen und internationale Zusammenarbeit im Bereich der Abrüstung auf allen Ebenen verloren zu haben", beklagte Kardinal Martino. Angesichts der verschiedenen Herausforderungen „sind wir alle aufgerufen, in unserem eigenen Umfeld und an unsrem Platz in der Gesellschaft, zur Zusammenarbeit und Solidarität zwischen den Menschen und zum Frieden in der Welt beizutragen".

Der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden bekräftigte, „dass die großen Religionen zur Rolle berufen sind, immer eine Botschaft der Hoffnung, ein Wort der Weisheit und Umsicht für jeden Menschen zu haben, vor allem für jene, die auf unterschiedliche Art und Weise für das Schicksal von anderen Menschen und die Verwirklichung des Gemeinwohles verantwortlich sind".

Die Religionen, so der Kardinal, „sind ein Werkzeug der Einheit unter den Menschen und der Einheit der Menschen mit Gott. Sie sind aufgerufen, die eine Kultur des Friedens zu fördern."

Die Christen sollten „vor allem zu Architekten des Friedens werden". Friede entstehe nämlich „durch persönliche Verantwortung für Gerechtigkeit mit Blick auf das Wohl der anderen“.