Kardinal Schönborn: Christen und Muslime müssen gemeinsames Zeugnis geben

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WIEN, 17. November 2005 (ZENIT.org).- Anlässlich der internationalen Konferenz \"Islam in einer pluralistischen Welt\", die von Montag bis Mittwoch in der Wiener Hofburg stattgefunden hat, betonte Christoph Kardinal Schönborn, Erzbischof von Wien und Vorsitzender der österreichischen Bischofskonferenz, es sei \"müßig\", im interreligiösen Dialog die Forderung aufzustellen, auf Mission müsse verzichtet werden. Ein solcher Verzicht wäre die Selbstaufgabe von Christentum und Islam.



In seinem Vortrag zur Frage der Mission als zentralem Thema im interreligiösen Dialog erklärte der Kardinal am Mittwoch, dass es notwenig sei, zuallererst einmal zu verstehen, was \"Mission in einer pluralistischen Gesellschaft\" eigentlich heiße. Christen und Muslime müssten nämlich gemeinsam für Gerechtigkeit eintreten, wenn sie nicht den Atheismus fördern wollten.

Einerseits dürfe man dem Missionsauftrag \"nicht untreu werden, andererseits aber seine Kompatibilität mit den Anforderungen einer pluralistischen und demokratischen Gesellschaft\" nicht in Zweifel ziehen, sagte der Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz. \"Was ist im Sinne Jesu, was ist im Sinne des Korans \'Mission\'? Wie steht sie zur Gewissens- und Religionsfreiheit? Wie stellt sie sich auf die Herausforderungen einer pluralistischen Welt ein?\" All diese Fragen gehörten eingehend untersucht. \"Man muss einen klärenden Dialog über die Frage führen, was Mission heute eigentlich bedeutet\", und dabei müsste auch das Thema \"Proselytismus\", die \"Abwerbung\" von Gläubigen, zu Sprache kommen.

Im interreligiösen Dialog müssten die \"gegenseitigen Sorgen offen auf den Tisch gelegt werden, Gefahren der Intoleranz oder der Verletzung der Religionsfreiheit offen benannt und zum Gegenstand gemeinsamer Korrekturbemühungen gemacht werden\". Vor allem aber müssten die Gemeinsamkeiten der Missionsaufträge von Christentum und Islam gesucht und praktiziert werden, denn Gott habe allen durch die Offenbarung und die Stimme des Gewissens \"die heilige Pflicht gegeben, überall für die Gerechtigkeit einzutreten, Not zu lindern, Armut zu bekämpfen, Bildung zu fördern, die Tugend des Zusammenlebens zu stärken und so zu einer humaneren Welt beizutragen\". Jeder müsse darüber Rechenschaft geben, \"ob wir den vielen Menschen, die nicht an Gott glauben können, ein glaubwürdiges Zeugnis gegeben oder ob wir durch unsere Konflikte den Atheismus verstärkt haben.\"