Kardinal Schönborn: Den Suchenden das „Antlitz des barmherzigen Vaters“ zeigen

Maria-Namen-Feier in der Wiener Stadthalle

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WIEN, 18. September 2007 (ZENIT.org).- Die große Herausforderung für die Kirche heute und in Zukunft besteht nach Worten des Wiener Erzbischofs Christoph Kardinal Schönborn vor allem darin, auf jene Menschen zuzugehen, für die Kirche und Glauben „schlicht ein Fremdwort sind“.



Bei der diesjährigen Maria-Namen-Feier, die am Sonntag in der Wiener Stadthalle begangen wurde, ermutigte der Kardinal und Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz rund 9.000 Gläubige deshalb, für die suchenden Menschen offen zu sein. Das sei insbesondere nach dem Besuch des Heiligen Vaters ein Gebot der Stunde.

Wie die Pressestelle der Erzdiözese Wien berichtete, wies Kardinal Schönborn darauf hin, dass viele Menschen, die der Kirche fern stehen, nachdenklich geworden seien. Diese „neue Nachdenklichkeit“ gelte es zu unterstützen. Es sei die Aufgabe der Gläubigen, den Suchenden entgegen zu gehen.

„Sind unsere Pfarren Orte des Willkommens?“, fragte der Wiener Erzbischof. „Oder ist es in Pfarre und Pfarrcafe zwar gemütlich, aber abgeschlossen?“ Gerade die Christen müssten sich bemühen, die innere Not der Nichtglaubenden zu sehen und sich entsprechend verhalten.

Kardinal Schönborn bekräftigte seinen Appell zur Offenheit mit dem Hinweis darauf, dass der Gründer des „Rosenkranz-Sühnekreuzzugs“, Pater Petrus Pavlicek, auf den die Maria-Namen-Feier zurückgeht, seine Gebetsaktion heute mit Sicherheit in den Dienst des „missionarischen Aufbruchs“ stellen würde. Denn es gehe darum, den Menschen, die vielleicht eine diffuse Sehnsucht im Herzen tragen, das „Antlitz des barmherzigen Vaters zu zeigen“.

Kardinal Schönborn überbrachte den Teilnehmern der Maria-Namen-Feier die Grüße des Papstes. Er hatte Benedikt XVI. beim Treffen des „Schüler-Kreises“ des Papstes in Castel Gandolfo über die Maria-Namen-Feier und den „Rosenkranz-Sühnekreuzzug“ berichtet, der in diesem Jahr sein 60jähriges Bestehen feiert. „Benedikt XVI. war glücklich, dass er mit den Österreichern beten und pilgern und ihnen ein Wort der Ermutigung sagen konnte“, erklärte der Wiener Erzbischof in der Stadthalle.

Zu Beginn der Feier hatte der deutsche Journalist Peter Seewald im Gespräch mit P. Benno Mikocki über seinen Glaubensweg berichtet. Der Autor von zahlreichen Büchern, darunter das Interview-Buch mit Kardinal Joseph Ratzinger „Salz der Erde“, stammt aus Passau und erlebte eine katholische Kindheit, wurde dann aber auf der Suche nach einer „gerechteren und liebevolleren Gesellschaft“ Kommunist. In der Begegnung mit Kardinal Ratzinger entdeckte er den christlichen Glauben wieder. In dieser Begegnung habe er erfahren, dass es möglich ist, „auf die Fragen der Gegenwart aus der Tradition der Kirche gültige Antworten zu geben“, so Seewald. Heute sei er überzeugt, dass die Kirche als einzige Institution „fest in der Brandung“ stehe; sie vertrete die notwendigen Grundwerte. Das Christentum sei immer wieder „neu und herausfordernd“