Kardinal Schönborn erklärt, worüber der Ratzinger-Schülerkreis diskutieren wird

Ökumene als Hauptthema, mit besonderem Augenmerk auf Beziehungen zu Lutheranern und Anglikanern

| 1049 klicks

VATIKANSTADT, 31. August 2012 (ZENIT.org). - An diesem Wochenende nimmt das alljährliche Treffen des „Ratzinger-Schülerkreises“ seinen Lauf, das zum ersten Mal vor über dreißig Jahren stattfand, als der Heilige Vater noch Dozent an der Universität Regensburg war.

Einer der Teilnehmer ist der Erzbischof von Wien, Kardinal Christoph Schönborn, der für Radio Vatikan über das Treffen sprach. Das Leitmotiv des diesjährigen Treffens sei die Ökumene, so Kardinal Schönborn.

Ein besonderes Augenmerk werde dabei den Beziehungen zwischen Katholiken, Lutheranern und Anglikanern gewidmet sein. Als Leitfaden solle das im Jahr 2009 veröffentlichte Buch „Die Früchte ernten. Grundlagen christlichen Glaubens im ökumenischen Dialog“ von Kardinal Walter Kasper, emeritierter Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, dienen.

Kardinal Schönborn kündigte an, der evangelische emeritierte Bischof Ulrich Wilckens, ein namhafter Exeget, werde die Entwicklung der ökumenischen Beziehungen zwischen Katholiken und Lutheranern besprechen, während der neuernannte Bischof von Genf, Lausanne und Freiburg, Charles Morereau, das Thema der Beziehungen zur anglikanischen Kirche erläutern werde.

Kardinal Koch, amtierender Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, werde ebenfalls anwesend sein. Die Tatsache, dass der Heilige Vater für das diesjährige Treffen des „Ratzinger-Schülerkreises“ das Thema Ökumene gewählt habe, zeige, so Kardinal Schönborn, wie sehr ihm diese Sache am Herzen liege.

„Wir erwarten einen Dialog im Zeichen der Aufrichtigkeit und der Nächstenliebe: in Aufrichtigkeit, denn man darf das Drama der Teilung der Christen in Europa und in der Welt nicht auf oberflächliche Weise wegdiskutieren. Aber auch das große Thema der Reform der Kirche, das dem Heiligen Vater sehr wichtig ist, darf nicht zu kurz kommen“, sagte Kardinal Schönborn in seinem Interview für Radio Vatikan.

„Unser Papst ist ein Mensch, der sehr analytisch denkt; worauf es ihm in einer Debatte ankommt ist der Gegenstand des Dialogs und die Suche nach der Wahrheit“, erklärte Kardinal Schönborn. „Ich denke, dieses Klima der Suche nach der Wahrheit - nach der historischen, philosophischen und theologischen Wahrheit - war auch früher schon da und ist unverändert geblieben. Aber heute kommt noch ein gesteigerter Wille zur Freundschaft dazu.“

[Übersetzung des englischen Originals von Alexander Wagensommer]