Kardinal Schönborn: „Leben in Würde bis zuletzt"

25 Jahre Mobiles Caritas Hospiz

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WIEN, 9. April 2009 (ZENIT.org).- Kardinal Christoph Schönborn hat heute, am Gründonnerstag, die bereits 2004 von Kardinal Franz König formulierte Forderung an die Politik bekräftigt, das Verbot der Tötung auf Verlangen auch in der Bundesverfassung festzuschreiben:

„Menschen sollen an der Hand eines anderen Menschen sterben können, nicht durch die Hand eines anderen", betonte der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz im Rahmen einer Pressekonferenz anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Caritas-Einrichtung Mobiles Hospiz in der Wiener Innenstadt. Der Kardinal verwies auf den Sinn jeder Hospizarbeit: „Leben in Würde bis zuletzt", und blickte dankbar auf den breiten Konsens, der in der politischen Landschaft Österreichs in dieser Frage gefunden worden sei. Das Schlagwort „Ja zu Hospiz, Nein zu Euthanasie" bringe dieses Einverständnis gut zum Ausdruck. Auch dank der Trauerbegleitung, die ebenfalls ein Spezialgebiet der Caritas ist, werde Gottes Liebe in menschlichen Krisensituationen „ganz konkret sichtbar und erlebbar".

Mit Worten seines Vorgängers Kardinal König, dessen 5. Todestag am 13. März begangen wurde, bekräftigte Schönborn: „Sterbehilfe soll in Österreich künftig auch verfassungsmäßig untersagt werden - als Wegweiser und Bekenntnis zu einer Kultur des Lebens und als Signal für Europa, also über die Grenzen unseres Landes hinaus" (vgl. Brief von Kardinal König an alle Mitglieder des Präsidiums und des Ausschusses 4 [Grundrechte] des Österreich-Konvents, 16. Januar 2004).

Der Wiener Caritas-Direktor Michael Landau appellierte anschließend an die österreichische Bundesregierung, die im Regierungsabkommen vereinbarten Punkte zur Hospizarbeit rasch umzusetzen. Der Zugang zur Hospizversorgung sollte genauso selbstverständlich sein wie der Zugang zur Intensivmedizin, und zwar für ausnahmslos alle Menschen, so Landau. Konkret forderte der Caritasdirektor mehr stationäre Hospizbetten (der Bedarf liegt österreichweit bei rund 165 Betten, tatsächlich vorhanden sind aber nur 45), mehr Tageshospize (gegenwärtig gibt es eines in Salzburg und eines in Wien), einen Ausbau der mobilen Palliativteams, die rund um die Uhr einsatzbereit sind, und die Förderung der ehrenamtlichen Mitarbeitern, die Schulung und Begleitung benötigten.

„Es ist nicht egal, wie du stirbst", erklärte Landau. „Zu einer Kultur des Lebens gehört auch eine Kultur des Sterbens, eine Kultur der Solidarität mit den Sterbenden."

Österreichweit betreut und begleitet die Caritas mit rund 900 haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern rund 3.900 Patienten in der letzten Lebensphase. Die verschiedenen Dienste des kirchlichen Hilfswerks, das sich aus Zuwendungen seitens der öffentlichen Hand, aus Eigenleistungen, Spenden und dem Kirchenbeitrag finanziert, leisten nach Worten Landaus rund 11.000 hauptamtliche und 24.000 ehrenamtliche Mitarbeiter.

Von Dominik Hartig