Kardinal Schönborn: „Lenken Sie unseren Blick neu auf Christus!“

Begrüßung des Papstes auf dem Wiener Platz Am Hof

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WIEN, 7. September 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Worte, mit denen der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn den Heiligen Vater auf dem Wiener Platz Am Hof, der ersten Station Benedikts XVI. in Österreich, willkommen geheißen hat.



„Heiliger Vater, stärken Sie ihre Brüder und Schwestern in Österreich! Die Kirche in unserem Land ist durch notvolle und schmerzliche Zeiten gegangen. Wir waren und sind in Gefahr, mutlos zu werden, zu resignieren oder gar die Hoffnung zu verlieren. Stärken Sie unseren Glauben, Heiliger Vater!“

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Heiliger Vater! Mit großer Freude begrüßen wir Sie hier auf dem „Platz am Hof“, an dieser ersten Station Ihres Pilgerweges nach Mariazell, hier vor der alten Mariensäule, der Immaculata. Seit dem 8. Dezember, seit neun Monaten, bereiten sich viele in Österreich im Gebet darauf vor, mit Ihnen, Heiliger Vater, geistlich den Weg der Pilgerschaft zu gehen, und unser Leben besser als Pilgerweg des Glaubens zu verstehen.

Heiliger Vater, neben den vielen, die über Rundfunk und Fernsehen mit Ihnen hier sind, haben Jugendliche aus Wien und den benachbarten Bundesländern den Weg hierher gefunden und schon Stunden ausgeharrt, um Sie zu begrüßen. Hier sind auch viele Menschen aus den anderssprachigen Gemeinden. Allein in Wien leben 200.000 Katholiken aus anderen Ländern. Viele von ihnen sind heute gekommen, um den Heiligen Vater zu begrüßen. Sie sind „Weltkirche in Wien“! Priester, Ordensleute, Laien – viele sind zu diesem Fest des Glaubens gekommen. Sie alle heißen Sie von ganzem Herzen willkommen.

Heilige Vater, wir freuen uns über Ihren Besuch. Wir wissen, wie sehr Sie unser Land und seine Menschen lieben. Wir freuen uns, dass der Nachfolger des Apostels Petrus bei uns ist. Christus hat zu ihm Wort gesagt: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16,18). Dieses Wort Jesu gilt. Christus selbst baut seine Kirche, auch heute. Sie ist nicht bloß Menschenwerk, obwohl so viel Menschliches an ihr ist, an Großem und auch an Schwachem. Deshalb lebt die Kirche, weil Christus sie trägt und stets durch seinen Geist erneuert.

In Ihnen, Heiliger Vater, ist diese Zusage Jesu Gegenwart. „Du bist Petrus“! „Auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen!“ Petrus wie seine Nachfolger waren und sind Menschen mit ihrer Größe und ihren Bedrängnissen. Aber Christus ist treu. Auch heute baut er seine Kirche auf Petrus, den Fels! Jesus hat Petrus den Auftrag gegeben: „Stärke deine Brüder!“ (Lk 22,32).

Heiliger Vater, stärken Sie ihre Brüder und Schwestern in Österreich! Die Kirche in unserem Land ist durch notvolle und schmerzliche Zeiten gegangen. Wir waren und sind in Gefahr, mutlos zu werden, zu resignieren oder gar die Hoffnung zu verlieren. Stärken Sie unseren Glauben, Heiliger Vater! Lenken Sie unseren Blick neu auf Christus! Denn Er ist unsere Zuversicht und unsere Hoffnung!

Auf Christus schauen, heißt auch auf unsere Wurzeln schauen. Petrus war Jude. Die Apostel waren Juden. Maria ist Jüdin, und Jesus, ihr Sohn, unser Herr, ist durch sie Jude. Nie dürfen wir diesen Wurzelstamm vergessen, der uns trägt (vgl. Röm 11,18), und es gehört zur Tragik dieser Stadt, dass gerade hier diese Wurzel verleugnet wurde, vergessen, bis hin zum Gottlosen Willen, das Volk zu vernichten, dem Gottes erste Liebe gilt. Heiliger Vater, am nahen Judenplatz werden Sie in stillem Verweilen der Opfer dieser Verblendung gedenken. Wir begleiten Sie dabei mit innerer Anteilnahme.

Danke, Heiliger Vater, dass Sie zu uns gekommen sind. Danke, dass Sie die Mühe der Pilgerschaft, der Pilgerreise auf sich genommen haben. Danke, Heiliger Vater, dass Sie als Ziel Ihrer einzigen Auslandsreise in Europa in diesem Jahr dieses kleine Land im Herzen Europas gewählt haben. Wir können unseren Dank am Besten dadurch erstatten, dass wir alle hier und an den Geräten des Fernsehens und Radios versprechen, alle Ihre vielen und großen Sorgen und Anliegen im Gebet mitzutragen und sie als Pilger mit Ihnen zur Gnadenmutter von Mariazell mitzunehmen!

Heiliger Vater, ein herzliches „Grüß Gott“ in Österreich und in der Wienerstadt!

[Wörtliche Abschrift der Ansprache]