Kardinal Schönborn plädiert auf Wiener Apostelkonzil für: Fünfaches Ja!

Evangelisierung ist möglich: Statt sich von Problemen lähmen zu lassen, gilt es auf die Glaubenserfahrung des anderen zu hören

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WIEN, 23. Oktober 2009 (ZENIT.org).- Das Ja zum Menschen und zum heutigen Kontext für die Mission der Gemeinden kann zusammen mit einem intensiven Hören auf die Glaubenserfahrung des anderen "zu einer so starken Gemeinsamkeit kommen wie damals in Jerusalem", mit diesen bewegenden Worten eröffnete Kardinal Schönborn gestern in Wiendas missionarische Erneuerungsprojekt „Apostelgeschichte 2010“ der Erzdiözese.

Wir veröffentlichen in unserer Rubrik Dokumente seine Ansprache bei der ersten Diözesanversammlung, die gestern begann und bis Samstag dauern wird. Rund 1.200 Personen aus 500 Pfarreien werden im Wiener Stephansdom und in seiner unmittelbaren Umgebung zusammenkommen und sich darüber austauschen, wie man in der heutigen Zeit ungehindert und freimütig das Evangelium verkünden kann (vgl. Apg 28,31)(Zenit berichtete).

Mit den Augen Jesu sehen zu lernen, sei der "Kern der Mission", sagte der Erzbischof von Wien. Auch für ihn persönlich sei dies zur Kernfrage seines Lebens geworden. Aus dieser Frage sei in seiner Erfahrung ein "fünffaches Ja Gottes" zur Gegenwart geworden, betonte Kardinal Schönborn, der seine Ansprache unter den programmatischen Titel "Eine neue Epoche des Christentums" stellte. Es gehe darum, Ja zu sagen "zum Heute, in dem wir leben. Gott liebt diese Zeit, die Menschen heute". "Lassen wir die Nostalgie", appellierte der Wiener Erzbischof an Priester und Laienchristen: "Wir leben nicht in den kirchenboomenden fünfziger Jahren, in den konzilsbegeisterten sechziger Jahren, in den stürmischen Jahren nach 1968. Wir leben heute".

Eindringlich appellierte der Wiener Erzbischof an Priester und Laienchristen, im Sinn des Zweiten Vatikanischen Konzils Ja zu sagen zur "gemeinsamen Berufung als getaufte und gefirmte Christen". Für den gemeinsamen Auftrag sei der erste Satz des Konzilsdekrets "Lumen Gentium" besonders wichtig: "Christus ist das Licht der Völker. Darum ist es der dringende Wunsch dieser Synode, alle Menschen durch seine Herrlichkeit zu erleuchten, die auf dem Antlitz der Kirche widerscheint". Jeder Christ, jede Christin sei ein Antlitz der Kirche, auf dem Christus leuchtet. Der Sendungsauftrag aller getauften Christen sei daher zuerst ein persönlicher. Mission gehe nur "face to face", von Angesicht zu Angesicht. So solle auch die Diözesanversammlung verstanden werden: nicht zuerst Papiere produzieren, sondern einander "face to face" begegnen. Alle Strukturfragen, "die uns zu Recht bewegen", würden von diesem Punkt ausgehen, betonte Kardinal Schönborn: "Wie können wir 'nahe bei den Menschen' bleiben bzw. ihnen wieder näherkommen".