Kardinal Schönborn protestiert gegen öffentliche Ehrung einer Abtreibungsklinik

Persönlicher Brief an Bügermeister Michael Häupl

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WIEN, 27. August 2009 (ZENIT.org/PEK).- Der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn hat gegen die Jubiläumsfeier für die Abtreibungsklinik „pro:woman-Ambulatorium“ protestiert, die der Wiener Bürgermeister Michael Häupl am 3. September im Wiener Rathaus geben will. In einem persönlichen Brief an Häupl betont Schönborn, dass Abtreibung keine Lösung sei. Das geltende österreichische Gesetz sage sehr deutlich, dass Abtreibung Unrecht ist: „Es geht um die Tötung menschlichen Lebens. Das ist keine Bagatelle.“

Zugleich erinnert Kardinal Schönborn an die Worte von Papst Benedikt XVI. am 7. September 2007 in der Wiener Hofburg: „Ich verschließe nicht die Augen vor den Problemen und Konflikten vieler Frauen und bin mir dessen bewusst, dass die Glaubwürdigkeit unserer Rede über das Menschenrecht auf Leben auch davon abhängt, was die Kirche selbst zur Hilfe für betroffene Frauen tut.“ In der Erzdiözese Wien werde bereits seit 1973 durch den Diözesanen Hilfsfonds für Schwangere in Not dieses Wort des Papstes in die Praxis des Alltags übersetzt, bemerkt der Kardinal. „In den 36 Jahren seit der Gründung des Hilfsfonds konnte tausenden Frauen geholfen werden – materiell und seelisch –, tausende Kinder wurden geboren, weil es diesen Fonds gibt."

Papst Benedikt hatte bei der angesprochenen Rede vor den Spitzen der österreichischen Regierung und Diplomaten aus aller Welt unter anderem bekräftigt: „In Europa ist zuerst der Begriff der Menschenrechte formuliert worden... Das grundlegende Menschenrecht, die Voraussetzung für alle anderen Rechte, ist das Recht auf das Leben selbst. Das gilt für das Leben von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende. Abtreibung kann demgemäß kein Menschenrecht sein – sie ist das Gegenteil davon. Sie ist eine tiefe soziale Wunde, wie unser verstorbener Mitbruder Kardinal Franz König zu betonen nicht müde wurde“ (vgl. Ansprache des Papstes in der Wiener Hofburg).

Die geplante Festfeier im Rathaus zeigt nach Worten von Kardinal Schönborn, dass es „offenbar keinen Konsens im Hinblick auf den Schutz des menschlichen Lebens von der Empfängnis an gibt". Deshalb fordert er Häupl dazu auf, sich an einem „Runden Tisch“ zusammenzusetzen, „um über die Verwirklichung jener ‚flankierenden Maßnahmen' zur Fristenregelung zu reden, die Bundeskanzler Bruno Kreisky 1974 (!) zusagt hat".

Kreisky habe 1974 auch gesagt, dass nur „sehr arme oder sehr ungebildete Gesellschaften" Abtreibung als Mittel der Geburtenkontrolle einsetzen. Österreich sei „weder arm noch ungebildet, Gott sei Dank", kommentiert Schönborn. „Eine reiche Gesellschaft wie die österreichische, eine blühende Stadt wie Wien muss Rahmenbedingungen schaffen können, damit Frauen sich nicht gedrängt fühlen, eine Abtreibung in Betracht zu ziehen."

Dass mit dem 30-jährigen Bestehen von „pro:woman" offensichtlich auch das zehnjährige Bestehen der österreichischen Sektion von „Marie Stopes International" begangen werden soll, sei für ihn unverständlich, so Kardinal Schönborn. Denn Marie Stopes (1880-1958) sei auch eine entschlossene Vorkämpferin des „eugenischen" Denkens gewesen, die für die Sterilisierung von „Erbkranken" eingetreten sei.

Am Ende des Briefes bekundet Kardinal Schönborn sein Vertrauen auf die Sensibilität des Wiener Bürgermeisters „für ein zentrales Problem unserer Gesellschaft wie das ‚Recht auf Leben'" und unterstreicht seine Gesprächsbereitschaft. Er hoffe, dass es nicht zu der geplanten Veranstaltung im Rathaus komme.

[E-Mail-Adresse des Wiener Bürgermeisters Michael Häupl: michael.haeupl@wien.gv.at]