Kardinal Schönborn über ein großes Zeichen der Barmherzigkeit Gottes

Von Marie Czernin

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Groß war am Sonntagabend der Andrang der Menschen in Wiener Stephansdom, die Papst Johannes Paul ihre letzte Ehre bekunden wollten. Der Dom war bis ganz hinten gesteckt voll, als am Weißensonntag ein Trauergottesdienst für Papst Johannes Paul II. stattfand, den Kardinal Christoph Schönborn zelebrierte. Auch hohe Vertreter der orthodoxen Gemeinden Wiens waren genauso gekommen wie viele Politiker, darunter der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer und dessen Frau, Altpräsident Kurt Waldheim und Bundeskanzler Wolfgang Schüssel.



Kardinal Schönborn bemerkte am Anfang seiner Predigt, dass es etwas komisch anmute, wenn die liturgischen Gewänder an diesem Weißen Sonntag nicht weiß – im Sinne der Auferstehung – seien, sondern im Zeichen der Trauer schwarz. Und dennoch leuchte "die Herrlichkeit der Auferstehung durch diese Gewänder symbolisch hindurch". Der Tod des Papstes habe eine weltweite Trauer ausgelöst über alle Grenzen der Nationen und Konfessionen hinweg, aber unter den Menschen habe sich auch eine große Dankbarkeit breitgemacht.

"Er war groß im Leben – einer der ganz großen, wie die Welt es kaum sieht –, und er war groß im Sterben", erklärte Schönborn in seiner Predigt und fügte hinzu: "Wer an der Person des Papstes rührt, rührt an das Geheimnis der Kraft Gottes."

Der Papst sei seinen Weg im Glauben bis zum Ende gegangen, im Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes. Kardinal Schönborn erklärte auch, es sei ein "großes Zeichen der Barmherzigkeit Gottes", dass Gott den Papst am Vorabend des Festes der Göttlichen Barmherzigkeit zu sich gerufen habe, an einem Festtag, der diesem Papst so sehr am Herzen gelegen sei. Er erinnerte daran, wie der Papst im Heiligen Jahr 2000 die Selige Schwester Faustina Kowalska, der Gott seine Botschaft der Barmherzigkeit offenbart hatte, heilig gesprochen und aus diesem Anlass das Fest der Barmherzigkeit eingeführt habe. Durch die Heiligsprechung von Schwester Faustina habe der Papst die Botschaft der Barmherzigkeit Gottes den Menschen des dritten Jahrtausends nahe bringen wollen.

Jetzt, wo der Papst an diesem bedeutsamen Tag gestorben ist, habe Gott für einen Moment den "Schleier des Glaubens" aufgehoben und sei "sichtbar und greifbar geworden". In diesem Moment sei die "Quelle der Kraft freigesetzt" worden, aus der der Papst während seines Pontifikats geschöpft habe: Als der Papst am Samstag um 21.37 Uhr starb, war die erste Vesper des Weißen Sonntags schon vorbei und das Fest der Göttlichen Barmherzigkeit hatte bereits begonnen. "Deutlicher kann Gott zu uns nicht sprechen", meinte Schönborn und erklärte worin die Bedeutung der Botschaft bestehe, die Gott durch die polnische Nonne der Welt mitteilen wollte: "Jesus, ich vertraue auf Dich." Dieser Satz stehe auf dem Bild, das den barmherzigen Jesus darstelle, und diese Botschaft der Barmherzigkeit sei auch das "Bild des Pontifikats" von Papst Johannes Paul II. gewesen.

Am Ende seiner Predigt erinnerte Kardinal Schönborn an die Worte des Papstes während seines letzten Besuches in seinem Heimatland Polen, als er am 17. August 2002 in Krakau-Łagiewniki das Heiligtum der göttlichen Barmherzigkeit einweihte und seinen polnischen Landsleuten und den Pilgern zurief: "Seid Zeugen der Barmherzigkeit!" Und er habe damals prophezeit: "Im Erbarmen Gottes wird die Welt Frieden und der Mensch Glückseligkeit finden."