Kardinal Schönborn über Reformen und den Papst

Interview mit Rheinischer Post

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 404 klicks

Die Düsseldorfer Zeitung „Rheinische Post“ hat in ihrer gestrigen Ausgabe ein Interview mit dem Erzbischof von Wien, Kardinal Christoph Schönborn veröffentlicht, in dem er sich davon überzeugt zeigte, dass die Reformbewegungen des Papstes weiter voranschreiten werden. Der Papst habe das „überragende Ziel“, das Evangelium an die erste Stelle zu setzen, sein Programm könne an der Wahl seines Namenspatrons, dem heiligen Franziskus abgelesen werden. Nach Schönborn müsse die Kirche jesuanischer werden und zu ihren Wurzeln zurückkehren.

Der Kardinal ist davon überzeugt, dass es nicht in der Absicht des Papstes stehe, die Themen der westlichen Gesellschaft wie Zölibat, Sakramente für geschiedene Wiederverheiratete und Sexualmoral zu bearbeiten, da er aus einer Welt komme, die mit ganz anderen Problemen zu kämpfen habe. Sein Thema sei „Kirche der Armen für die Armen“ und nicht das Zölibat oder Frauen in der Kirche. Die Wahl eines Papstes aus Südamerika sei ein Zeichen der Kardinäle für alle gewesen, dass man den Horizont erweitern müsse. Schönborn sieht dennoch die Zeit für „Zeichen und Wunder“ gekommen, es gebe keine Diskussionsverbote. Die Kirche in Europa bewege sich in einem „viel zu großen Gewand“, auch in wirtschaftlicher Hinsicht, es sei die Zeit für Veränderungen gekommen. Der Kirche komme dabei die Aufgabe zu, daran zu erinnern, „dass es noch Zeit ist, umzukehren“. In Papst Franziskus sieht Schönborn mehr einen Propheten als einen Revolutionär; jemanden, der immer authentisch bleiben werde.

Abschließend antwortete Schönborn auf die Frage, was er von der Aussage des ehemaligen Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche, Schneider, halte, der gesagt hatte, er begleite seine schwer erkrankte Frau auch auf dem Weg zur Sterbehilfe, wenn sie es wünsche. Der Kardinal betonte, es dürfe zum „absoluten Nein zur aktiven Sterbehilfe keine Debatte geben“, die Kirche werde dem nie zustimmen. Schönborn zitierte seinen Vorgänger Kardinal König mit den Worten: „Der Mensch soll an der Hand, aber nicht durch die Hand eines Menschen sterben.“