Kardinal Schönborn zur Entwicklungshilfe und zu Fragen der Schulpolitik

Frühjahrs-Vollversammlung der österreichischen Bischofskonferenz (6.-10.März)

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WIEN, 11. März 2005 (ZENIT.org).- "Die Verkündigung des Evangeliums und das Eintreten für Gerechtigkeit und Frieden gehören untrennbar zusammen", hat der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn, Vorsitzender der österreichischen Bischofskonferenz, diesen Freitag erklärt, als er die Ergebnisse der Frühjahrs-Vollversammlung der österreichischen Bischofskonferenz (6. bis 10. März) in Wien zusammenfasste.



Ein Themenschwerpunkt der Arbeiten der österreichischen Bischöfe im oberösterreichischen Stift Lambach ist unter anderem die Entwicklungszusammenarbeit gewesen. Kardinal Schönborn erklärte diesbezüglich, dass die Koordinierungsstelle der Bischofskonferenz für solche Fragen derzeit rund 3500 Projekte in 120 Ländern der Welt betreue, mit einem jährlichen Budget von mehr als 80 Millionen Euro. Doch angesichts der erschütternden Zahlen über Unterernährung und Hungertod in der ganzen Welt sei das viel zu wenig. Deshalb unterstützen die österreichischen Bischöfe die Millenniums-Entwicklungsziele der UNO und die "0,7-Prozent-Kampagne", die im Oktober 2003 von 40 NGOs gestartet wurde, um die selbst auferlegten Verpflichtungen der internationalen Staatengemeinschaft immer neu einzufordern. Kardinal Schönborn sagte in diesem Zusammenhang, dass die Bischöfe für einen Schuldenerlass für arme Länder sowie für internationale Handelsabkommen eintreten, in denen die Situation und die Möglichkeiten der unterentwickelten Länder tatsächlich zum Tragen kämen.

Eine "dringende Bitte an die Regierung und an die Parlamentsparteien" richtete der Kardinal, als er die Absicht der österreichischen Bundesregierung, die für die Beschlussfassung von Schulgesetzen notwendige Zweidrittelmehrheit ersatzlos abzuschaffen, ansprach: Sie sei nicht im Sinne der österreichischen Bischofskonferenz. Wesentliche Eckpunkte des österreichischen Schulwesens – "der Zielparagraph des Schulorganisationsgesetzes, unter Umständen in modernisierter Form, und die Grundanliegen der anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften, nämlich konfessioneller Religionsunterricht als Pflichtgegenstand und der Bestand des konfessionellen Schulwesens" – müssten in den Verfassungsrang erhoben werden. So sei sichergestellt, das zumindest "die Grundpfeiler des österreichischen Schulsystems nicht durch die jeweilige Parlamentsmehrheit schnell geändert werden könnten", sagte Kardinal Schönborn.

"Die geistige, soziale und spirituelle Dimension des menschlichen Seins muss hier deutlicher zum Ausdruck kommen und festgehalten werden", forderte er im Namen der österreichischen Bischofskonferenz. "Wer im Zusammenhang von Bildung bloß von Förderung des Wirtschaftswachstums, vom Rohstoff Humankapital und von Humanressourcen spricht, wie es leider die letzten europäischen Dokumente tun, greift zu kurz."