Kardinal Schönborn zur Hrdlicka-Ausstellung im Wiener Dom- und Diözesanmuseum

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WIEN, 10. April 2008 (ZENIT.org).- Der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn nahm in einer gestern, Mittwoch, veröffentlichten Erklärung zur Diskussion rund um die Hrdlicka-Ausstellung im Wiener Dommuseum Stellung.

Er wies darauf hin, dass der Künstler in einigen seiner Werke "die unbedingte Schwelle der Ehrfurcht vor dem Heiligen nicht beachte". Zudem begrüßte er, dass sich Hrdlicka, obwohl er bekennender Kommunist und Atheist ist, sich so intensiv mit biblischen Themen befasse.

Die Erklärung liegt auch auf Italienisch und Englisch vor.

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Das Dom- und Diözesanmuseum der Erzdiözese Wien hat in der Eigenverantwortung seines Direktors Dr. Bernhard Böhler dem österreichischen Künstler Alfred Hrdlicka zu dessen 80. Geburtstag eine Ausstellung gewidmet. Hrdlicka ist einer der bedeutendsten lebenden Künstler Österreichs. Wie kaum ein anderer Künstler hat er sich mit dem leidenden und geschundenen Menschen befasst und zur "Compassion" mit der "Passion" eingeladen. Dieses Mitleiden drückt er in seinem Werk in erschütternder Weise aus. Am bekanntesten sind in dieser Hinsicht sein "Plötzenseer Totentanz" (Berlin) und sein großes Holocaust-Denkmal vor der Albertina in Wien. Deshalb habe ich auch einer Ausstellung im Dommuseum zugestimmt, ohne im einzelnen die auszustellenden Werke zu kennen.

Hrdlicka hat sich zeitlebens intensiv mit biblischen Themen befasst, besonders mit dem Leiden Christi. Er sagt von sich, er sei Kommunist und Atheist. Er hat dennoch ein brennendes Interesse an der Bibel, und er hat nach eigenem Bekunden Sehnsucht nach dem Glauben.

Die Ausstellung bedeutet nicht, dass das Dommuseum sich mit allen Werken Hrdlickas identifiziert. In einzelnen seiner Werke beachtet er die unbedingte Schwelle der Ehrfurcht vor dem Heiligen nicht. Unter seinen Werken sind auch solche, die vom Standpunkt des gläubigen Christen klar abzulehnen sind. Selbstverständlich hätte ich der Präsentation von Werken, die blasphemisch oder pornografisch sind, nicht zugestimmt. Ich bedauere es daher ausdrücklich, dass ein Bild dieser Art - ohne mein Wissen - in der Ausstellung zu sehen war. Dieses Menschen in ihrem Glauben verletzende Bild wurde auf meine Veranlassung hin am 20. März entfernt.

Trotzdem halte ich daran fest, dass es zu begrüßen ist, dass Künstler, die unseren Glauben nicht teilen, oder auf dem Weg zum Glauben sind, sich so intensiv mit biblischen Themen befassen.

[Von der Erzdiözese Wien veröffentlichtes Original]