Kardinal Scola: Das Weihepriestertum ist ein Geschenk

Verheiratete Priester lösen das Problem des Priestermangels nicht

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ROM, 4. Oktober 2005 (ZENIT.org).- Bei der ersten Sitzung der Bischofssynode betonte Kardinal Angelo Scola, Erzbischof von Venedig, am Montag, dass das Problem des Priestermangels nicht gelöst wäre, wenn man verheiratete Männer zu Priestern weihte.



Der 63-jährige Kardinal, der bis zum 27. Oktober das Amt des Generalrelators der Bischofssynode innehat, erklärte in seinem "Bericht vor der Besprechung", dass der Wunsch nach einer Priesterweihe für Verheiratete "oft mit der Anerkennung der Gültigkeit der uralten Verpflichtung zum priesterlichen Zölibat einhergeht". Diese Bestimmung sollte aber nach Ansicht jener Menschen, die für die Weihe von Verheirateten eintreten, die Kirche nicht davon abhalten, "mit einer ausreichenden Anzahl von geweihten Amtspersonen ausgestattet zu sein, wenn der Mangel an Kandidaten für das zölibatere Priestertum einmal extrem große Ausmaße annimmt."

Kardinal Scola fand es überflüssig, die "tiefen theologischen Gründe" aufzuzählen, "die die lateinische Kirche dazu geführt hat, die Übertragung des Amtspriestertums mit dem Charisma des Zölibats zu verknüpfen". Stattdessen stellte er folgende Frage: "Hat eine solche Wahl und Praxis nicht selbst dann Gültigkeit, wenn so extreme Fälle, wie sie oben angeführt sind, tatsächlich eintreten?" Und er verwies in diesem Zusammenhang auf die Tatsache, dass es in einigen Ländern abgeschiedene christliche Gemeinden gebe, die nur die Sonntagsmesse feierten, sowie auf manche Gegenden in den Philippinen, wo Priester lebten, die jeden Sonntag bis zu neun Heilige Messen feierten.

"Weil das Weihepriestertum zutiefst mit der Eucharistie verbunden ist, nimmt es teil an ihrem wesenhaften Gabencharakter und kann nicht Gegenstand eines Rechts werden. Weil es Geschenk ist, möchte das Weihepriestertum immer wieder neu erbeten werden", so Kardinal Scola.

Es sei äußerst schwierig, die "optimale Anzahl von Priestern" zu ermitteln, wenn man sich bewusst werde, dass es dabei nicht um ein "'Geschäft' geht, dass mit einer bestimmten Zahl von Teammanagern ausgestattet werden muss." Angesichts der Dringlichkeit der "Rettung der Seelen" ("salus animarum") erinnerte der Kardinal die einzelnen Teilkirchen an die große Verantwortung, die sie diesbezüglich gegenüber der Weltkirche und somit auch gegenüber allen anderen Teilkirchen besitzen.

"Aus diesem Grund werden die auf dieser Synodalversammlung vorgebrachten Vorschläge zur Identifizierung jener Kriterien, anhand derer man eine angemessene Verteilung des Klerus in der Welt vornehmen kann, sehr nützlich sein."