Kardinal Scola über „Sacramentum caritatis“ und die Zentralität der liturgischen Handlung im Leben der Kirche

Vorstellung des Nachsynodalen Apostolischen Schreibens des Papstes über die Eucharistie im Vatikan

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ROM, 13. März 2007 (ZENIT.org).- Es sei kein Zufall, dass Papst Benedikt XVI. unter den vielen vorhandenen Namen für die Eucharistie gerade Sacramentum caritatis als Titel für sein neues Schreiben gewählt habe, einen Begriff, der von Thomas von Aquin komme, stellte Kardinal Angelo Scola, Patriarch von Venedig, am Dienstagvormittag im Vatikan fest. Er bezog sich auf das Nachsynodale Apostolische Schreiben des Papstes über die Eucharistie, dessen Inhalte er im Rahmen einer Pressekonferenz systematisch vortrug.



In „Sacramentum caritatis“ („Sakrament der Liebe“) leuchte die Tiefe des Lehre der Enzyklika Deus caritas est auf. Dadurch, dass Benedikt XVI. in diesen zwei Jahren seines Pontifikats den Akzent auf die Wahrheit der Liebe gesetzt habe, komme klar zum Ausdruck, dass wir es mit einem der Kernthemen zu tun haben, die für die Zukunft von Kirche und Menschheit entscheidend seien.

Kardinal Scola wies darauf hin, dass der Papst das Gesagte in der Einführung seines neuen Schreibens selbst zum Ausdruck bringe, wenn er schreibt: „Unter diesem Gesichtspunkt möchte ich das vorliegende Schreiben mit meiner ersten Enzyklika ‚Deus caritas est‘ in Zusammenhang bringen, in der ich wiederholt über das Sakrament der Eucharistie gesprochen habe, um seine Beziehung zur christlichen Gottes- und Nächstenliebe zu verdeutlichen: ‚Der fleischgewordene Gott zieht uns alle an sich. Von da versteht es sich, daß Agape nun auch eine Bezeichnung der Eucharistie wird: In ihr kommt dieAgape Gottes leibhaft zu uns, um in uns und durch uns weiterzuwirken‘.“

Die eucharistische Liebe Christi hört noch Worten des Kardinals nicht auf, Staunen hervorzurufen. Dieses „eucharistische Staunen“, von dem Papst Johannes Paul II. mit wirksamer Intensität gesprochen habe, werde von Benedikt XVI. erneut als der „Königsweg hin zur Erfahrung der Liebe“ vorgeschlagen; als Weg, der allen Menschen unserer Zeit zugänglich sei.

Die Arbeit der letzten Ordentlichen Bischofssynode (Oktober 2005) hätten gerade im vorliegenden Schreiben reife Früchte gezeitigt. Innerhalb der päpstlichen Lehramtes bildeten die nachsynodalen Schreiben ein „spezifisches Genus Litterarum“, fuhr Kardinal Scola fort: „In ihm nimmt der Papst das auf, was während des Wegs der Synode mitgeteilt, besprochen und approbiert worden ist, und bestätigt und vertieft es.“ So könne man im Text von „Sacramentum caritatis“ implizit und explizit die verschiedenen Dokumente von neuem vernehmen, die die Arbeiten der Synode begleitet hatten. Die frei vorgetragenen Beiträge, die auf ausdrücklichen Wunsch des Papstes in der Synodenaula gehalten worden waren, seien deutlich zu erkennen.

Das nachsynodale Apostolische Schreiben über die Eucharistie besitzt nach Worten des Kardinals das Ziel, den Weg für weitere vertiefende Erwägungen zu öffnen. Das Dokument beabsichtige, „einige grundlegende Richtlinien zu formulieren, die darauf ausgerichtet sind, in der Kirche neuen eucharistischen Impuls und Eifer zu erwecken“ (Sacramentum caritatis, 5). Als wertvollen Beitrag hebe Benedikt XVI. die von den Synodenvätern angeregte Veröffentlichung eines „Kompendiums zur Eucharistie“ hervor (ebd., 92).

Kardinal Scola sieht im nachsynodalen Schreiben einen „Akt“ der Rezeption der Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils. Die Lektüre des umfangreichen Werkes werde durch seine gegliederte und einheitliche Struktur erleichtert. Diese basiert auf drei Aspekten des Eucharistie: dem Aspekt des eucharistischen Geheimnisses, der liturgischen Handlung und des neuen geistlichen Dienstes (vgl. Sacramentum caritatis, 5).

Jeder dieser drei Teile des Schreibens vertiefe eine der drei Dimensionen der Eucharistie. Dadurch werde jede Gegensätzlichkeit zwischen Lehre, liturgischer Praxis und christlichem Leben überwunden.

Eine wesentliche Errungenschaft der Arbeiten der Weltbischofssynode hat nach Worten des Patriarchen von Venedig gerade darin bestanden, einige Dualismen zu überwinden: zum Beispiel den zwischen eucharistischem Glauben und Ritus, dem Feiern und der Anbetung, zwischen Lehre und Pastoral. Dies geschehe insbesondere durch die „erneuernde Bekräftigung der Zentralität der liturgischen Handlung im Leben der Kirche“. Sie bilde, so der Kardinal, das Herz des gesamten Textes.

Gerade zu Beginn des zweiten Teils des Schreibens („Eucharistie, ein Geheimnis, das man feiert“) erinnere Benedikt XVI. an das klassische Axiom „Lex orandi – lex credendi“. Diesbezüglich schreibt er: „Man muss die Eucharistie als authentisch gefeiertes Glaubensgeheimnis erleben, in dem klaren Bewusstsein, dass ‚der intellectus fidei immer ursprünglich in Beziehung steht zur liturgischen Handlung der Kirche‘. In diesem Bereich kann die theologische Reflexion niemals von der sakramentalen Ordnung absehen, die von Christus selbst eingesetzt ist“ (ebd., 34).

Die Lehre des Papstes zeige klar, dass die liturgische Handlung, die im zu feiernden Geheimnis besteht, die spezifische Handlung darstelle, die die Ausformung des christlichen Lebens (das zu lebende Geheimnis, das ein neuer Dienst ist) durch den Glauben (das zu glaubende Geheimnis) ermöglicht.

Im liturgischen Ritus, der der Ort schlechthin der „traditio“ (der Überlieferung) ist, nehme der Christ das Geschenk Christi an („receptio“), um durch die Kraft des Glaubens und der sakramentalen Erneuerung Glied seines Leibes zu werden, der die Kirche ist.

In diesem Licht nahm Kardinal Scola eine zweite Neuheit wahr, die von größter Bedeutung sei. Es handle sich um eine Lehre, die auf eine weitere Vertiefung der Liturgiereform und eine Erneuerung der Praxis des Feierns in den christlichen Gemeinschaften im Auge habe.

Kardinal Scola hob die Bedeutung der „ars celebrandi“, der Kunst des Feierns, für eine immer weiter reichende „actuosa participatio“, das heißt die aktive, volle und fruchtbringende Teilnahme, hervor. Besonders neu erscheine in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass der Papst darauf beharre, dass die „actuosa participatio“ von der „ars celebrandi“ abhängig sei.

Benedikt XVI. schreibt diesbezüglich: „Die ‚ars celebrandi‘ ist die beste Bedingung für die ‚actuosa participatio‘. Die ‚ars celebrandi‘ entspringt aus dem treuen Gehorsam gegenüber den liturgischen Normen in ihrer Vollständigkeit, denn gerade diese Art zu zelebrieren ist es, die seit zweitausend Jahren das Glaubensleben aller Gläubigen sicherstellt, die dazu berufen sind, die Zelebration als Gottesvolk, als königliches Priestertum, als heiliger Stamm zu erleben (vgl. 1 Petr 2,4-5.9)“ (ebd., 38).

Die Lehre Benedikts XVI. über die untrennbare Einheit zwischen bekanntem Glauben, liturgischer Handlung und neuem Dienst ist nach Kardinal Scola somit eine Fortentwicklung der Konstitution Sacrosanctum concilium des Zweiten Vatikanischen Konzils über die heilige Eucharistie, in der die Konzilsväter betonen: „Jede liturgische Feier als Werk Christi, des Priesters, und seines Leibes, der die Kirche ist, ist in vorzüglichem Sinn heilige Handlung, deren Wirksamkeit kein anderes Tun der Kirche an Rang und Maß erreicht“ (7).

Der Patriarch von Venedig betonte, dass die Lehre Benedikts XVI. ein „Rezeptionsparadigma der Konzilstexte“ darstelle: „Wir stehen vor jener ‚Hermeneutik der Kontinuität‘, die der Heilige Vater ausdrücklich als notwendigen Schlüssel für das Verständnis und die Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils angemahnt hat.“

Was diesen Punkt angeht, so bezieht sich Benedikt XVI. in seinem neuen Schreiben tatsächlich ausdrücklich auf seine Ansprache an die Römische Kurie vom 22. Dezember 2005, denn er schreibt: „Ich verweise hier auf die Notwendigkeit einer Hermeneutik der Kontinuität auch in Bezug auf die rechte Deutung der liturgischen Entwicklung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil“ (Sacramentum caritatis, 3, Anmerkung 6).