Kardinal Sterzinsky fordert Verbot von Sterbehilfe-Organisationen

Breite Front gegen Liberalisierung der deutschen Gesetzgebung

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BERLIN, 13. November 2007 (ZENIT.org).- Angesichts der Bemühungen einer Lobby zur Förderung von aktiver Sterbehilfe, wie sie der Schweizer Verein für Sterbehilfe „Dignitas“ praktiziert, bildet sich in Deutschland eine immer breitere Front, die das Sterben als Teil des menschlichen Lebens begreift.



„Wenn es rechtlich möglich ist, sollte man einen solchen Verein verbieten“, erklärte kürzlich der Berliner Erzbischof Kardinal Sterzinsky im Hinblick auf „Dignitas“. Die Forderung des Berliner Oberhirten deckt sich mit den Forderungen vieler anderer Befürworter der derzeit in Deutschland gültigen Gesetzgebung.

Kardinal Sterzinsky enthüllte am Samstag im öffentlichen Rundfunk die geplanten Machenschaften der schweizerischen Vereinigung: „Die Sterbehilfe-Organisation ‚Dignitas‘ sucht im Großraum Berlin nach einem Freiwilligen, der sterben will. Und sie sichert denen rechtlichen Beistand zu, die dem Todeskandidaten helfen, sich umzubringen.“

Der Verein wolle nach Worten des Kardinals „in einem juristischen Präzedenzfall aktiver Sterbehilfe einen Freispruch für alle erreichen, die aktive Sterbehilfe geleistet haben“. Und das heiße: „Suizidbegleitung soll künftig straffrei sein.“

Bereits im September dieses Jahres war es in Hamburg zu einem öffentlichen Eklat gekommen, als sich der Schweizer Rechtsanwalt Ludwig A.Minelli vom Verein „Dignitas“ in einem öffentlichen Vortrag für „Sterbehilfe als Grundrecht“ ausgesprochen hatte. Motor einer entsprechenden neuen Gesetzesvorlage ist Roger Kusch, Ex-Justizsenator der Hansestadt und Vorsitzende der Partei „Rechte Mitte Heimat Hamburg“. Seinem Vorstoß, ein eigenes Hamburger Gesetz für Sterbehilfe zu schaffen, brachte der Senat aber verfassungsrechtliche Bedenken entgegen. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus.

Kardinal Sterzinsky erklärte, dass „Dignitas“ nun darauf vertraue, „dass Richter in unserer Region beim Thema Freitod ‚aufgeschlossener‘ seien als im südlichen Raum“. Und er fuhr fort: „Im Klartext: Hier ist man nicht besonders religiös, und da das Menschenbild bekanntermaßen aus dem Gottesbild folgt, könnte es klappen, denn: Wo Gott nicht mehr als der Herr über Leben und Tod verstanden und der Mensch nicht mehr als Ebenbild Gottes gesehen wird, kann man den Menschen auf Wunsch einschläfern.“

Der Tod zweier Deutscher, die in der vergangenen Woche mit Beihilfe von „Dignitas“ in der Schweiz starben, hat unter den deutschen Politikern eine heftige Diskussion über die Sterbehilfe entfacht. CDU-Justizminister planen eine Gesetzesvorlage, um solchen Organisationen das Töten in Deutschland zu verbieten. Auch die niedersächsische Justizministerin Elisabeth Heister-Neumann gehört dazu. In Hannover betreibt „Dignitas“ seit zwei Jahren seine Deutschland-Filiale. „Solche Reisebüros zum Tod dürfen nicht geduldet werden“, sagte die Ministerin.

„Die Befürworter der aktiven Sterbehilfe setzen auf einen schnellen Tod“, erklärte Kardinal Sterzinsky im Radio. Damit würden sie aber die Tür zuschlagen, die das Sterben als eine Phase des Lebens begreifen lasse. „Und das ist ein Trauerspiel. Denn der Wunsch unheilbar Kranker ist nicht zu sterben, sondern nicht zu leiden. Sie fürchten sich vor Schmerzen und davor, allein zu sein in den letzten Lebensphasen.“

Weil der Berliner Kardinal sich darin von Seelsorgern aus Krankenhäusern und Seniorenheimen bestätigt sieht, fordert er „eine starke Palliativmedizin“. Sie helfe der Gesellschaft, „sterbende Menschen schmerzfrei und würdevoll in den Tod zu begleiten“, was „in vertrauter Umgebung“ geschehen müsse – „mit Menschen am Sterbebett, die sich ihnen liebevoll und professionell zuwenden.“

Die Deutsche Hospiz-Stiftung forderte die Politiker in der vergangenen Woche erneut dazu auf, die gewerbliche Vermittlung von Hilfe beim Suizid zu verbieten. „Dignitas“ sei „von einem Wahn besessen“, so die Verantwortlichen.

„Der Verein ‚Dignitas‘ versucht, gesellschaftlichen Druck aufzubauen, um seine Ziele zu erreichen“, erläutere Kardinal Sterzisnky. „Sterbenskranke sollen sich dafür verantwortlich fühlen, andern nicht zur Last zu fallen und nicht unnötig zu leiden. Das ist unangebracht. Sterbehilfe-Organisationen wie ‚Dignitas‘ stoßen die Tür zur aktiven Sterbehilfe auf und profitieren davon. Wenn es rechtlich möglich ist, sollte man einen solchen Verein verbieten.“