Kardinal Sterzinsky: Mensch-Tier-Embryonen, ein eklatanter Tabubruch

Ansprache in „Radio Berlin“

| 1011 klicks

BERLIN, 21. Juni 2008 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die der Berliner Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky heute, Samstag, im RBB-Hörfunk gehalten hat. Der Kardinal kam diesmal auf die Forschung mit Mensch-Tier-Embryonen zu sprechen.

***

Es begann 1996 mit der Geburt des Klonschafs Dolly. Inzwischen sind die Forscher längst weiter. Anfang dieses Jahres haben britische Wissenschaftler erstmals Embryonen aus menschlichem und aus tierischem Zellmaterial geschaffen. Menschliches Erbgut aus einer Hautzelle wurde in die Eizelle einer Kuh eingefügt. Für dieses Experiment hatten die Wissenschaftler noch eine Sondergenehmigung beantragen müssen. Die brauchen sie nun nicht mehr. Das britische Parlament hat die Schaffung von Mensch-Tier-Embryonen zu Forschungszwecken inzwischen generell erlaubt.

Die Empörung darüber ist groß. Auch in Deutschland. Von der Politik über die Kirche bis hin zur Bundesärztekammer heißt es: Die Bildung solcher Misch-Embryonen ist „unethisch“, ja „pervers“. Vom britischen Parlament wurde eine Lizenz zum Experimentieren mit Embryonen erteilt, das heißt: Ungestraft kann nun im Labor „Prometheus“ gespielt werden. Mit einem solchen Freibrief ist der Respekt vor dem Wunder und der Würde des menschlichen Lebens endgültig dahin. Er wurde der Vernutzung von Embryonen als Versuchsobjekten geopfert. Die Aktivisten der embryonalen Stammzellforschung scheinen wild entschlossen, dem „Schöpfer ins Handwerk pfuschen“ zu wollen. Dafür riskieren sie auch einen Tabubruch.

Nach einer Umfrage lehnen zwei Drittel der Briten die Schaffung von Mensch-Tier-Embryonen ab. Das hat vermutlich nicht allein religiöse und ethische Gründe. Die Idee einer Vermischung von Mensch und Tier stößt uns intuitiv ab. Solche Mischwesen, Chimären genannt, gehören in das Reich der Mythologie, in eine Fantasiegeschichte wie „Die Chroniken von Narnia“, aber sie behagen uns nicht. Zur rational fundierten Kritik gesellt sich also ein Empfinden: Da wächst im Labor etwas zusammen, was nicht zusammen gehört. Manchmal ist das „Bauchgefühl“ ganz gesund. Es schützt den Menschen.

Ich wünsche Ihnen, liebe Hörerin, lieber Hörer, einen gesegneten Sonntag.

[Vom Erzbistum Berlin veröffentlichtes Original]