Kardinal Sterzinsky: Priestertum und Ordensleben bieten erfülltes Leben

40 Tage Gebet um geistliche Berufungen im Erzbistum Berlin

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BERLIN, 17. April 2008 (ZENIT.org).-Die Katholiken in Berlin, Brandenburg und Vorpommern haben am 13. April mit einem 40tägigen ununterbrochenen Gebet um geistliche Berufungen begonnen. Bis zum Fronleichnamstag am 22. Mai werden sie Gott ihr großes Anliegen anvertrauen, das der Berliner Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky mit folgenden Worten auf den Punkt brachte: „dass wieder mehr junge Menschen den Priesterberuf wählen oder sich für ein Leben im Kloster entscheiden“.



941 Stunden lang wird nach Worten des Kardinals rund um die Uhr, Tag und Nacht, „mindestens an einem Ort zwischen Rügen im Norden und Jüterbog im Süden, Frankfurt im Osten und Wittenberge im Westen unseres Erzbistums das Gebet um geistliche Berufe nicht verstummen“. Gemeinden, Ordenshäuser, Gruppen und Einzelpersonen beteiligen sich an der Gebetskette. Auskünfte über Orte und Termine bietet des Internet. „Jeder, der interessiert ist, kann mitmachen“, bekräftigte Kardinal Sterzinsky am 12. April auf „Radio Berlin“.

In seiner Radio-Ansprache erläuterte er den Sinn der Initiative: „Einige haben im Vorfeld dieser Aktion Bedenken geäußert. Hängt wirklich die Zukunft der Kirche an der Zahl der Priester und Ordensleute? Handelt es sich dabei womöglich um eine verzweifelte Werbe-Kampagne? Kommt so ein stürmisches Gebet nicht viel zu spät? Kann man ein solches Ziel überhaupt durch Gebet erreichen? Sollte man nicht lieber etwas Zielführendes tun, sich vor allem für die Aufhebung des Zölibats einsetzen? Solche Fragen standen im Raum. Sie verlangen nach Antwort, und sie erhalten eine, so unterschiedlich sie auch sind.

Aber unabhängig davon hat das Gebet seine Berechtigung. Es geht darum, dass durch das Gebet in Gemeinden und Familien junge Menschen überhaupt erst einmal ermutigt werden, über eine Berufung ernsthaft nachzudenken: Würde ich als Priester überhaupt gebraucht? Könnte ich derjenige sein, der anderen vom Glauben kündet und sie im Leben geistlich begleitet? Oder dass andere fragen: Wie kann ich einen, der nach Klarheit sucht oder bereits im Studium ist, unterstützen?“

Der Kardinal fügte hinzu, dass junge Menschen „große Sehnsucht nach Lebenssinn“ verspürten. „Viele wollen sich einbringen für eine bessere Welt. Ich kenne wenige Berufe, die so erfüllend sind und ein so großes Angebot der Persönlichkeitsentfaltung bieten wie das Leben als Priester oder Ordensangehöriger.“

Der Hirte von Berlin hatte die Gebetsaktion in seinem Hirtenbrief zur österlichen Bußzeit 2008 angekündigt (vgl. Herr, sende Arbeiter in deinen Weinberg). Es handelt sich nach seinen Worten um einen „sehr persönlichen Brief“, in dem er nicht alles habe sagen können, was ihn in der Frage nach dem Priester- und Ordensnachwuchs bewege.

„Soviel ist aber hoffentlich deutlich geworden“, schreibt Kardinal Sterzinsky: „dass gute Priester zwar vom Herrn erbeten sein müssen, dass aber auch der Boden bereitet sein muss; dass auch das beharrliche und gläubige Gebet, zu dem der Herr uns auffordert, allein nicht ausreicht, sondern dass uns allen die Sorge und Verantwortung für die geistlichen Berufe in einer viel umfassenderen Weise aufgetragen ist; und dass es zu allererst darauf ankommt, den Glauben an den dreieinigen Gott zu leben, in der eigenen Familie und in der Gemeinde: den Glauben, der sich Ihm bedingungslos anvertraut, sich Christus übereignet, das ganze Leben dem Willen Gottes unterstellt.“