Kardinal Tarcisio Bertone: Christen – die Avantgarde eines neuen Europas

Vortrag in Rom

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ROM, 31. Mai 2007 (ZENIT.org).- Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone SDB tritt der Säkularisierung des Alten Kontinents entgegen. Während eines internationalen Kongresses zum Thema „Christentum und Säkularisierung – Herausforderungen für die Kirche und für Europa“ wies der Kurienkardinal die Idee einer Kirche zurück, die gegenüber Säkularisierung und Laizismus eine Verteidigungshaltung einnehmen müsse. Vielmehr wies er auf die Christen als Avantgarde eines neuen, freieren und an Idealen reicheren Europas hin.



Der von der Europäischen Universität Rom und vom italienischen Nationalen Forschungsrat CNR organisierte Kongress hatte es sich zum Ziel gesetzt, kulturelle Wege zu bestimmen, die zu einer Umformung der Säkularisierung führen können – weg von einer Bedrohung und hin zu einer Chance für Kirche und europäische Zivilisation.

Vor dem Kongress erklärte Kardinal Bertone vor Journalisten, dass zwar seit dem Jahr 1968 die Säkularisierung im Fortschreiten begriffen sei; dies bedeute jedoch nicht, dass sie die Religion zerstört hätte. Es sei im Gegenteil ein Widererstarken der Religiosität festzustellen, vor allem bei den jungen Menschen und den jungen, dynamischen und aktiven Kräften der Gesellschaft.

Auf die von einigen vorgebrachten Vorwürfe, die Religion fördere nicht die Demokratie, antwortete der Kardinal-Staatssekretär mit dem einem Wort Tocquvilles: „Der Despotismus braucht die Religion nicht. Die Freiheit schon.“ „In einer christlichen Sicht“, so Bertone, „stammen die Grundwerte von Gott, der die Person und die Gemeinschaft der Menschen erfunden hat. Das heißt nicht, dass es den Nichtgläubigen nicht gelingt, Grundwerte vorzuschlagen oder zu leben. Der Papst aber hat in Brasilien gesagt, dass diese Werte ohne einen Gottesbezug ihre ganze Kraft verlieren.“

Zu den Kritiken gegen die Kirche seitens einer laizistischen Kultur erklärte Kardinal Bertone, dass der „Laizimus den Akzent auf die Apostasie von Gott setzt, auf das Fehlen eines Bezuges zu Gott. Die Kirche aber spricht mit jedem. Die Kirche versucht, mit allen eine auf der Gerechtigkeit und Solidarität gegründete Welt zu bauen, ja  mehr noch: Die Päpste sagen: auf der Liebe. Papst Benedikt XVI. sagt: auf der Liebe. Wir sprechen also mit allen, auch wenn das Fehlen des Bezuges auf Gott einer Ressource beraubt.“

Kardinal Bertone sprach dann vom Problem der Kommunikation und zeigte auf, wie die Massenmedien die Botschaften, die vom Heiligen Stuhl ausgehen, manchmal verkürzen oder manipulieren. „Ich verstehe einfach die Titel einiger Zeitungen nicht“, so der Kardinal mit Blick auf jene Berichte, die die Pastoralreise des Heiligen Vaters nach Brasilien als einen Misserfolg dargestellt hatten.

„Wer dort war, hat Millionen von Menschen gesehen, die den Papst erwarteten, die ihn bei all seinen Fahrten begleiteten.“ Man solle sich davor hüten, „Mittelchen“ zu benutzen, um die konkrete Wirklichkeit, die alle sehen können, zu verfälschen.