Kardinal Tarcisio Bertone zur Ausstellung „Habemus Papam“

Ansprache im Lateran (7. Dezember 2006)

| 820 klicks

ROM, 13. Januar 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Habebmus Papam – Papstwahlen von Petrus bis Benedikt XVI.“ Anfang Dezember im Päpstlichen Lateranpalast gehalten hat



* * *



Meine Herren Kardinäle,
Exzellenzen,
Herr Präsident der Provinz Rom,
verehrte Obrigkeiten,
meine Damen und Herren!

Meinen aufrichtigen und herzlichen Dank möchte ich vor allem jenen aussprechen, die zur Verwirklichung der wichtigen Ausstellung beigetragen haben, die wir heute abend eröffnen. Thema der Ausstellung ist: »Habemus Papam – Papstwahlen von Petrus bis Benedikt XVI.« Im Namen Seiner Heiligkeit danke ich Kardinal Francesco Marchisano, dem Ehrenvorsitzenden des für dieses Projekt zuständigen wissenschaftlichen Komitees, das die Ausstellung ins Leben gerufen hat, dem Präsidenten der Provinz Rom, Dr. Enrico Gasbarra, dem Präsidenten des »Centro Europeo per il Turismo«, Dr. Giuseppe Lepore, dem Direktor der Vatikanischen Museen, Dr. Francesco Buranelli, und den Vertretern der zahlreichen vatikanischen und italienischen Institutionen, die zur Ausarbeitung und Gestaltung dieser eindrucksvollen Ausstellung beigetragen haben. Ehrerbietig grüße ich die anwesenden Kardinäle, die staatlichen und militärischen Autoritäten sowie die Persönlichkeiten, die diesem bedeutsamen Festakt beiwohnen. Einen besonderen Gruß richte ich an den Präsidenten des Governatorats, Erzbischof Giovanni Lajolo, und schließlich grüße ich an alle Anwesenden.

Nach den verehrten Rednern, die vor mir gesprochen haben, ergreife ich nun das Wort, um vor allem zu zeigen, daß diese Ausstellung in ihrer Art ein »Unikum« ist, insbesondere aufgrund des Ortes, an dem sie stattfindet, nämlich in den Repräsentationsräumen des Lateranpalastes, der bis zum Exil in Avignon offizieller Sitz der römischen Päpste war und in dem nach 1377 zahlreiche Konklaven stattgefunden haben. Wenn diese Säle sprechen könnten, würden sie uns von vielen Begebenheiten erzählen, die die Papstwahlen begleitet haben. Einzigartig ist die Ausstellung auch deshalb, weil sie der Aufmerksamkeit des Besuchers eine überaus reiche Auswahl an Kunstwerken aus bekannten vatikanischen und römischen Sammlungen bietet, die alle mit Sorgfalt ausgewählt wurden, um zu veranschaulichen, wie im Laufe der Jahrhunderte die Wahlen der Päpste von Petrus bis zu Benedikt XVI. stattgefunden haben. Eine derartige Initiative, die, wie man sich sehr wohl vorstellen kann, eingehende Forschungsarbeiten erfordert hat, möchte einerseits einen möglichst vollständigen Einblick in die historische Entwicklung des Konklaves bieten, andererseits aber auch nicht versäumen, das geheimnisvolle Wirken Gottes hervorzuheben, der in seiner Vorsehung den Weg der Kirche lenkt, die auf Petrus und seine rechtmäßigen Nachfolger gegründet ist.

Durch den ausdrücklichen und erklärten Willen des Erlösers ist nämlich der Papst jener »Felsen«, auf dem das geistliche Bauwerk der kirchlichen Gemeinschaft gründet. »Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen« (Mt 16,18). Kephas, Felsen. Von diesen Worten Christi müssen wir ausgehen, um die unverzichtbare Rolle des Papstes in der Kirche klar zu umreißen. Der große Wert dieser Ausstellung, die mit dem 500. Gründungsjubiläum der Petersbasilika und der Vatikanischen Museen zusammenfällt, besteht darin, uns verständlich zu machen, daß es – auch in bisweilen von menschlicher Schwäche und politischen Interessen gekennzeichneten Situationen – stets der Herr ist, der die Wahl der Päpste lenkt. Durch die Kraft seines Geistes leitet Christus die Kirche, indem er sie seinem Stellvertreter auf Erden, dem Papst, dem »Diener der Diener«, anvertraut. Und niemals hat der Papst seine Sendung nicht erfüllt, sondern er erfüllte sie auch dann, wenn Intrigen, Hinterlist und Streitigkeiten zu überwiegen schienen. In diesem Zusammenhang sagte Papst Benedikt XVI. zu Beginn des Jahres bei der Taufe einiger Kinder in der Sixtinischen Kapelle, wo eben die Konklaven stattfinden, daß wir nicht wissen, was in Zukunft – in 100 Jahren oder mehr – in der Welt geschehen wird. Eines wissen wir jedoch mit Sicherheit: daß es die Kirche geben wird, bis ans Ende der Zeiten. Als sicheres Fundament seiner Kirche hat der Herr den Papst eingesetzt.

Trotz ihrer Schatten ist die Geschichte der Kirche also Geschichte des Glaubens, der Liebe und des Eifers, was in den verschiedenen Abschnitten dieser Ausstellung deutlich erkennbar ist. Wenn man beispielsweise die mit dem Tod und der Begräbnisfeier des Papstes, mit dem Konklave, der Verkündung der erfolgten Wahl des neuen Papstes und den Zeremonien der »Inbesitznahme« der Kathedra zusammenhängenden Schritte verfolgt, dann wird einem bewußt, welch großen Beitrag zahlreiche Kleriker für das kirchliche Leben leisten. Spürbar ist auch die bewegte innere Anteilnahme des christlichen Volkes. Denken wir beispielsweise an die Zeit des Todes Johannes Pauls II., an das Konklave und die Wahl Benedikts XVI.: welch ein gewaltiges Zusammenströmen von Menschen im Scheinwerferlicht der Medien aus aller Welt! Wir können uns zu Recht vorstellen, daß Rom und die Welt mit gleicher Anteilnahme, wenn auch auf andere Weise, in der Vergangenheit die Aufeinanderfolge der Päpste und den Ablauf der Konklaven begleitet haben, deren im Laufe der Zeit ausgearbeiteten und verbesserten Regeln und Formen, Zeremonielle und Gebräuche die Ausstellung uns näherbringt.

Schließlich möchte ich einen weiteren Aspekt hervorheben: Diese interessante Initiative, für die ich noch einmal meine Anerkennung zum Ausdruck bringen und deren Initiatoren und Veranstaltern ich nochmals meine Glückwünsche aussprechen möchte, erläutert die Beweggründe, die durch eine Reihe von Reformen zur heutigen Struktur des Konklaves geführt haben, und hebt die Bedeutung hervor, die das Konklave für die Kirche und die Kontinuität ihrer Oberhirten hat. Zur ersten Regelung kam es infolge der Streitigkeiten, die mit dem Konklave verbunden waren, das 33 Monate andauerte und das am 1. September 1271 zur Wahl des sel. Gregors X. führte. Von der Konstitution Ubi periculum aus dem Jahre 1274 an bis heute trug man stets Sorge, die Wahl dessen, den Gott zur Führung seines Volkes auserwählt, von äußeren Einflüssen abzuschirmen. Fächer (Flabelli), Tiaren, Throne, Tragsessel (Sedia gestatoria), Zeremonien und Gebräuche, die Kulturen und Gewohnheiten von gestern entsprechen, sind heute verschwunden. Unverändert bleibt jedoch das, was wesentlich ist für das Amt des Nachfolgers Petri, und in dieser Hinsicht ist das Konklave eine bedeutsame Zeit. Die Trauer um den verstorbenen Papst verwandelt sich während des Konklaves in betende Erwartung und dann in Freude über die Wahl des neuen Papstes, wenn der Kardinal-Protodiakon von der Mittleren Loggia des Petersdoms aus »Urbi et Orbi« verkündet: »Habemus Papam«. Wir erinnern uns an das letzte Konklave, in dem Benedikt XVI. gewählt worden ist: ihm gilt meine und eure ehrerbietige Hochachtung.

Es stirbt ein Papst, aber nicht der Papst. Gerade aus dieser Perspektive heraus erhält das Konklave einen einzigartigen geistlichen Wert. Es ist der sichere Beweis, daß der Heilige Geist durch die menschliche Mitarbeit der Kardinäle die Kontinuität der päpstlichen Nachfolge gewährleistet. Und es gibt keine menschliche Kraft oder Macht, die sie unterbrechen kann; niemand wird das Papsttum je überwältigen können. In jedem Konklave bestätigt sich aufs neue die Wahrheit der Verheißung Christi an Petrus: »Auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen« (Mt 16,18).

[© Copyright 2006 – Libreria Editrice Vaticana]