Kardinal Tauran in Bangladesch: Modell friedlichen Zusammenlebens zwischen Gläubigen verschiedener Religionen

Heilige Bücher dürfen nicht zum Kampf zwischen Religionen missbraucht werden

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ROM, Donnerstag, 19. Mai 2011 (ZENIT.org) - Der Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog kehrte in den letzten Tagen aus Dhaka, Bangladesch, zurück, dessen gesamtem Volk er den Segen und die besten Wünsche von Papst Benedikt XVI. überbracht hatte.

Religion dürfe nie zur Rechtfertigung von Gewalt oder Diskriminierung missbraucht werden, wie Benedikt XVI. unzählige Male zu wiederholen pflege, indem er zur Förderung und Achtung der Freiheit und religiöser Praxis aufriefe. Daran erinnerte der Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, Kardinal Jean-Louis Tauran, bei seinem jüngsten Besuch in Bangladesch, einem Land, das der Kardinal als Modell für eine friedliche Koexistenz zwischen den Gläubigen verschiedener Religionen bezeichnete.

Nach seiner Rückkehr von den „vier intensiv verbrachten Tagen in einer gesammelten Atmosphäre“ – wie  in einem Artikel von L'Osservatore Romano zu lesen ist – hob Kardinal Tauran, der von der Bischofskonferenz von Bangladesch eingeladen worden war, hervor, dass die Begegnung mit der muslimischen Gemeinschaft ihm die Möglichkeit gegeben hätte, zu wiederholen, dass weder ein „Buch, welches als heilig gilt, noch ein Ort, der für heilig gehalten wird, noch irgendein Fest, welches respektiert werden sollte, zum Objekt der Beleidigung seitens Menschen verschiedener Glaubensrichtungen werden kann.“

„Noch viel mehr ist es ein Skandal“ - mahnte der Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog – „wenn zum Gebet versammelte Menschen angegriffen werden. Derartige Aktionen können nur als Beleidigung gegen Gott selbst betrachtet werden. Und sie haben nichts mit Religion zu tun.“

Indem er die Wichtigkeit der Konferenz über den Dialog zwischen den Religionen unterstrich, die von den Bischöfen von Bangladesch in Dhaka organisiert und während seines Aufenthaltes abgehalten wurde, hob der Kardinal hervor, dass rund 500 Führungskräfte und Repräsentanten der verschiedenen christlichen Religionen sowie die Minister für religiöse Angelegenheiten und Kultur dieses Volkes daran teilgenommen hätten.

Der Schwerpunkt der Diskussionen sei genau der Dialog zwischen den Religionen als Quelle der Harmonie, Einheit und sozialen Wohlfahrt gewesen. In seiner Rede legte Kardinal Tauran besonderen Nachdruck darauf, dass „der vorbildliche Impuls, wie in Bangladesch, für die ausgezeichneten Beziehungen zwischen den verschiedenen Religionen zeigt, dass es möglich ist, zusammenzuleben und gemeinsam für das Gemeinwohl zu arbeiten. Ebenso kann das in den verschiedenen Regionen dieses Landes aufgezeigt werden, wo die Religionszugehörigkeit nicht als Vorwand und Mittel der Diskriminierung oder als Anlass für Konflikte und noch viel weniger für die Gewalt verwendet wird.“

Mit Bedauern darüber, dass dies in anderen Situationen nicht so sei, und unter Hinweis auf die dramatische Zunahme der Gewalt in Ägypten äußerte der Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog erneut, man sollte „nicht der Versuchung nachgeben, die Religion für ein Problem zu halten“, wie das in einigen Gesellschaften geschehe, die „einfache“ Lösungen suchen würden. Auf der einen Seite neige man dazu, die Religion aus der Öffentlichkeit zu entfernen. Und auf der anderen Seite zwinge der Staat seine Religion auf und lasse keinen Raum für Minderheiten.

„Keine dieser Lösungen gibt einen richtigen Ansatz auf die Frage“, betonte Kardinal Tauran erneut und erklärte sodann, dass „diejenigen, die die Religion „unsichtbar“ machen wollen, sich gegen die Tatsache stellen, dass es sich um eine Realität handelt, die ihrem Wesen nach zum Menschen dazugehört. Deshalb hat sie eine öffentliche Dimension und muss in der Gesellschaft sichtbar sein“.

Nach der Feststellung, dass „die Gläubigen das Recht haben, ihren Glauben in ihren heiligen Stätten zu bekunden, haben sie auch das Recht, in Bezug auf das Zivilrecht, Werke der Nächstenliebe zu tun und an der nationalen Debatte über die Würde der menschlichen Person teilzunehmen, wesentliche Werte für den Aufbau einer besseren Gesellschaft vorzuschlagen und das nationale Bewusstsein moralisch zu wecken“, fügte Kardinal Tauran hinzu, dass denjenigen, die von oben versuchen würden, eine Religion aufzudrängen, mit dem geantwortet werden müsse, was der Papst ständig in Erinnerung rufe: „Es gibt ein Grundrecht auf Religionsfreiheit, das respektiert werden muss“.

Der Artikel im L´Osservatore Romano wies darauf hin, dass der Kardinal auch daran erinnert habe, dass der Heilige Stuhl durch den Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog, dessen Vorsitz er innehabe, mit Nachdruck die Nachrichten über das Projekt, die heiligen Bücher der muslimischen Brüder zu verbrennen, verurteile. Damit beziehe er sich auf die Tatsache, dass im vergangenen September Pastor Terry Jones aus den Vereinigten Staaten damit gedroht habe, am Jahrestag des Angriffs auf die Twin Towers in New York den Koran öffentlich zu verbrennen.

Gerade bei dieser Begegnung mit der muslimischen Gemeinde in Dhaka, habe sich eine Gelegenheit ergeben, an die sofortige, feste und klare Verurteilung durch Papst Benedikt XVI. und den Heiligen Stuhl bezüglich dieses beleidigenden und schwerwiegenden Projekts, den Koran verbrennen zu wollen, zu erinnern, kommentierte Kardinal Tauran, indem er Bangladesch erneut dazu aufforderte, „ mit dem begonnenen, faszinierenden Abenteuer fortzufahren, die Begegnung und Zusammenarbeit mit Menschen aus verschiedenen Religionen zu fördern“.

Während seines Aufenthalts in diesem Land, habe Kardinal Tauran begleitet vom päpstlichen Nuntius Giuseppe Marino, von Erzbischof Paulinus Costa von Dhaka und vom Steyler Missionar Markus Solo Kewuta, dem amtlichen Vertreter des Päpstlichen Rates der Fachgruppe für Asien, verschiedene Orte religiösen Interesses besucht, zum Beispiel das größte nationale Seminar in der Hauptstadt von Bangladesch und die nationale Moschee Baitul Mukarram, wo er das Oberhaupt der Muslime getroffen habe, der ihn dazu einlud, die Moschee zu betreten, die mit betenden Gläubigen gefüllt war, und ihm auch andere Führungskräfte vorgestellt hatte.

Einen wunderschönen Moment der Brüderlichkeit, bei dem er den muslimischen Führern die Hand geben konnte, habe Kardinal Tauran diese Begegnung genannt und habe sich mit tiefer Freude an die Begegnungen mit den Bischöfen der Bischofskonferenz von Bangladesch und mit anderen Geistlichen dieser kleinen, aber äußerst aktiven Gemeinde erinnert, die aus 320 000 Katholiken, 290 Priester, 95 Ordensbrüdern und 1300 Ordensschwestern besteht.

Bevor der Kardinal Dhaka verließ und seine Rückreise nach Rom antrat, habe er dem Präsidenten Zillur Rahman einen Besuch abgestattet. Bei dieser offiziellen Begegnung habe er seine tiefe Zufriedenheit ausdrücken wollen, indem er feststellte, dass dieses Land ein „einzigartiges Modell der Gemeinschaft und religiösen Harmonie“ sei, und den Segen und die besten Wünsche des Papstes für das ganze Volk von Bangladesch zum Ausdruck gebracht habe.

[Übersetzung aus dem Spanischen von Susanne Czupy]