Kardinal Tauran in Tarsus, der Geburtsstadt des Völkerapostels

Feierlicher Abschluss des Paulusjahres in der Türkei

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ROM, 1. Juli 2009 (ZENIT.org).- „Unsere Kirchen sind keine Museen, und Christen sind nicht Überreste aus der Antike", erklärte Kardinal Jean-Louis Tauran vor zahlreichen türkischen Katholiken in der Kirche St. Paulus in Tarsus. Mit einem festlichen Gottesdienst wurde in Antiochien (Antakya) der Abschluss des Paulusjahres begangen.

Kardinal Tauran, Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, war als persönlicher Vertreter von Papst Benedikt XVI. in die heute türkische Metropole entsandt worden, um der Feier am Sonntagnachmittag vorzustehen. Tauran rief die Christen dazu auf, ihren Glauben furchtlos zu verkünden und sich nicht einschüchtern zu lassen. Den heiligen Paulus, Apostel der Heiden, sollten sie sich zum Vorbild nehmen. „Gott ging auf die Suche nach Paulus, er rief ihn beim Namen", so Kardinal Tauran.

Der päpstliche Sondergesandte verwies auf die Vergangenheit Antiochiens als antike Weltstadt und unterstrich, dass die Verkündigung des Glaubens Mut verlange und die Christen zu einem Zeichen des Widerspruchs werden lasse. Ausdrücklich erinnerte Tauran diesbezüglich an den 2006 in der Schwarzmeermetropole Trabzon ermordeten italienischen Priester Andrea Santoro, aber auch daran, dass Paulus jene Christengemeinde zunächst verfolgt habe, durch die er zuerst von Jesus Christus erfahren habe.

So habe jeder eine Berufung, folgerte der Kurienkardinal, der in der Folge auf die Kirche zu sprechen kam. Er betonte, dass sie als Raum der mitmenschlichen Gemeinschaft dienen könne. Allerdings gelinge das nicht, wenn man den Menschen nur zu Reichtum und Macht verhelfen wolle. „Es gelingt aber, wenn man sich helfend in den Dienst des Nächsten stellt und ihm  wohlwollend gesonnen ist.“

Das Paulusjahr hat die Christen in der Türkei nach Auffassung von Kurienkardinal Jean-Louis Tauran gestärkt. Es habe die Menschen dazu ermutigt, als Minderheit Position zu beziehen, so Tauran im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SIR der italienischen Bischofskonferenz in Antiochien (Antakya). Der gesellschaftliche Pluralismus müsse im Zeichen des Kreuzes Christi gelebt werden, betonte Kardinal Tauran ausdrücklich.

„Die Kirche Jesu ist keine absolutistische Monarchie und auch keine internationale Organisation, sondern eine Familie. Sie ist Kommunion und Dialog“, erklärte Kardinal Tauran. „Die Kirche zeigt uns das Antlitz Christi, und wir sind es, die es darstellen.“ Deshalb seien alle gerufen, „glaubwürdige Zeugen Jesu“ zu sein.

Von Marine Soreau. Aus dem Französischen übersetzt von Angela Reddemann.