Kardinal Tauran nennt drei Grundlagen für den Dialog mit Muslimen

Bewußtsein der eigenen Identität, Anerkennung der Verschiedenheit und Aufrichtigkeit

| 1964 klicks

VILLEURBANNE, 2. Dezember 2009 (ZENIT.org).- Kardinal Jean-Louis Tauran, Präsident des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog, möchte den Austausch mit dem Islam auf drei Grundlagen gestellt sehen: das Bewusstsein über die eigene Identität, die Anerkennung der Verschiedenheit und die Aufrichtigkeit, verbunden mit Achtung vor der Menschenwürde des anderen. Kardinal Tauran schlug kürzlich bei einer Konferenz in Frankreich vor, dass der interreligiöse Dialog auf einem Vertrauensverhältnis zwischen Gläubigen verschiedener Religionen beruhen solle, um sich gegenseitig zu kennen und zu bereichern sowie zusammen darüber nachzudenken, wie man auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten könne.

Dies bedeute nicht, den eigenen Glauben aufzugeben, sondern vielmehr, sich durch des anderen Überzeugung hinterfragen zu lassen und Argumente zu bedenken, die sich von den eigenen oder denen der eigenen Gemeinschaft unterscheiden. Der Kardinal bestätigte, dass es mehre Bedingungen für einen fruchtbaren interreligiösen Dialog gebe. Darunter sei die Klarheit in Bezug auf die eigenen religiösen Überzeugungen, Demut beim Einräumen der Irrtümer in Gegenwart und Vergangenheit und die Anerkennung von Werten in der anderen Überzeugung sowie das Teilen von gemeinsamen Werten.

Im interreligiösen Dialog gebe es keinen Bruch mit dem eigenen Glauben, was die Kenntnis der eigenen Tradition mit einbeziehe. Dialog dürfe keine Strategie und kein Mittel sein zur Konversion, obwohl Dialog den Religionswechsel fördern könnte, sagte der Kardinal. „Um sicher zu gehen muß der Dialog ohne anderweitige Motive geführt werden. Die Überlegungen, Begegnungen und Initiativen von Christen und Muslimen sind ein besonders positiver Beitrag für die Gesellschaften, die oftmals ohne Gott oder manchmal gegen ihn organisiert sind".

Gläubige könnten ihren Mitmenschen, besonders den gesellschaftlichen Führungskräften, Werte anbieten, die zur Harmonie der Geister, zur Begegnung der Kulturen sowie zur Bewahrung des Gemeinwohls beitragen. Das Klima des Dialogs, das sich zwischen religiösen Führern und Gelehrten verbessere, habe noch nicht die Basis der Gesellschaft durchdrungen. „Aber ich bin überzeugt, dass wir uns weiterhin treffen müssen, um uns zuzuhören, um einander zu verstehen und um konkrete und gemäßigte Mittel vorzuschlagen, konkreteren und grundlegenderen Debatten den Weg ebnen zu können." Die Geschichte der Religionen lehre, dass nur eine Zukunft möglich sei, und das sei eine gemeinsame. (mk)