Kardinal Tauran tritt für einen „Dialog der Kultur und der Liebe“ mit dem Islam ein

Interview des Präsidenten des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog in „Avvenire“

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ROM, 5. Dezember 2007 (ZENIT.org).- Zwischen dem Islam und der katholischen Kirche könne es zu einem „sehr fruchtbaren“ Dialog der Kultur, der Liebe und der Spiritualität kommen, erklärte Kardinal Jean-Louis Tauran, Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, einen Tag nach der Veröffentlichung der Antwort Papst Benedikts XVI. auf den Brief der 138 muslimischen Religionsführer vom vergangenen Oktober.

Tauran brachte gegenüber der italienischen Zeitung „Avvenire“ seine Zufriedenheit über das Fortschreiten des Dialogs zwischen der Kirche und der islamischen Welt zum Ausdruck. Gleichzeitig ging er auf einige Vorbehalte hinsichtlich der theologischen Debatte ein.

Der Kardinal hält es trotz aller Probleme für möglich, gemeinsam mit dem Islam für die Bewahrung einiger konkreter Werte einzutreten: die Heiligkeit des Lebens, die Würde der Familie und die Förderung des Friedens. Notwendig ist in seinen Augen ein gegenseitiges Verständnis, das einer beiderseitigen Bereicherung dient. „Wir können in den Muslimen die Dimension der Transzendenz Gottes, den Wert des Gebetes und Fastens, den Mut zum Zeugnis für den Glauben im öffentlichen Leben wertschätzen.“ Von den Christen hingegen könnten die Muslime den Wert einer „gesunden Laizität“ lernen.

Hinsichtlich der Frage der Religionsfreiheit stellt Kardinal Tauran fest, dass weiterhin wesentliche Unterschiede bestehen, auf die auch der Papst in seiner Antwort hingewiesen habe. Der Prozess, der mit diesem Briefwechsel begonnen, und das gegenseitige Vertrauen, das sich eingestellt hat, könne mit Sicherheit dazu beitragen, über dieses Thema wenigstens zu diskutieren.

„Die katholische Kirche hat mit dem Dokument des II. Vaticanums Dignitatis humanae das Prinzip wiederentdeckt, dass kein Mensch gezwungen oder daran gehindert werden darf, eine bestimmte Religion zu praktizieren“, erläuterte der Kurienkardinal. Er wünsche sich, dass auch der Islam dieses Prinzip entdecke.

Im Hinblick auf die Religionsfreiheit sei das Prinzip der Gegenseitigkeit von vorrangiger Bedeutung. „Wenn es also richtig ist, dass die Muslime in Rom eine große und schöne Moschee haben, so ist es ebenso richtig, dass die Christen die Möglichkeit haben, eine Kirche in Riad zu haben.“ Dieses Prinzip der Gegenseitigkeit könne dank der Mittel der Vatikandiplomatie gegenüber den Ländern muslimischer Mehrheit wirksam verteidigt werden.

Abschließend wies Kardinal Tauran darauf hin, dass es keinerlei Dialog mit jenem Islam gebe, der den Terrorismus predigt und praktiziert. Dabei handle es sich nicht um einen echten Islam, sondern um eine Pervertierung.