Kardinal Tong lobt den Mut des verhafteten Weihbischofs von Shanghai

Hongkonger Prälat drängt auf Dialog zwischen China und Heiligem Stuhl

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GUANGZHOU, Hong Kong, 18. Juli 2012 (Zenit.org).- Kardinal John Tong Hon, Erzbischof von Guangzhou in Hong Kong, kritisierte die chinesischen Behörden für ihre Einmischung in kirchliche Angelegenheiten, nachdem bekannt wurde, dass Weihbischof Ma Daqin von Shanghai nach seiner Ernennung unter Arrest gestellt wurde.

Verschiedene Nachrichtenagenturen meldeten, dass Bischof Daqin kurz nach seiner Ernennung verhaftet wurde, nachdem er in seiner Antrittspredigt seinen Austritt aus der staatlich kontrollierten „Patriotischen Katholischen Vereinigung“ bekanntgegeben hatte. Chinesische Polizeibeamte sollen Bischof Ma seither an der Ausübung seines Amtes gehindert haben.

In einem Interview mit der asiatischen katholischen Nachrichtenagentur UCA News klagte Kardinal Tong über die Einmischung der chinesischen Regierung in kirchliche Amtsernennungen und betonte, dass die Angelegenheiten der Kirche weder wirtschaftlicher noch politischer Natur seien. Er wies auch darauf hin, dass der Dialog zwischen der katholischen Kirche und China dringend wiederaufgenommen werden müsse.

„Ein Dialog zwischen China und dem Vatikan ist notwendig. Der dramatische Fall von Bischof Ma Daqin muss dringend gelöst werden“, erklärte Kardinal John Tong Hon. „Nur durch Dialog kann ein beide Seiten zufriedenstellendes Ergebnis erzielt werden.“

Der chinesische Prälat lobte „den Mut von Bischof Ma“, der es gewagt hatte, öffentlich aus der Staatskirche auszutreten, und fügte hinzu, die Weihe des Shanghaier Bischofs habe die Gläubigen der Staatskirche und der Untergrundkirche näher zusammengebracht.

Kardinal Tong kommentierte für UCA News auch die Ernennung von Pater Joseph Yue Fusheng, der ohne päpstliches Mandat zum Bischof von Harbin ernannt wurde. „Widerrechtlich ernannte Bischöfe stehen einsam da, weil die Katholiken sie meiden. Es ist sinnlos, an solchen widerrechtlichen Ernennungen festzuhalten“, so Kardinal Tong.

„Wir haben auch erfahren, dass bei diesen chinesischen Ernennungen manche teilnehmende Bischöfe mit Geld und anderen Geschenken belohnt wurden. Für mich ist das einfach nur Korruption.“

Dies ist das zweite Mal in nur einer Woche, dass von zwei verschiedenen Hongkonger Kardinälen Besorgnis über die Lage der Kirche in China zum Ausdruck gebracht wird.

Kardinal Joseph Zen Ze-kiun, emeritierter Bischof von Hongkong, hatte am Mittwoch gemeinsam mit der Gerechtigkeits- und Friedenskommission seiner Diözese vor dem Verbindungsbüro der Zentralregierung demonstriert, um für Bischof Ma und andere Kirchenmänner Bewegungsfreiheit zu fordern.

Die Kommission forderte alle ortsansässigen Katholiken auf, vor dem Verbindungsbüro den Rosenkranz zu beten und am Montag eine Messe für Religionsfreiheit in China zu feiern.

[Übersetzung des englischen Originals von Alexander Wagensommer]