Kardinal Wako appelliert an die westliche Welt, im Sudan endlich einzugreifen

Gewaltsame Islamisierung, eingeschränkte Redefreiheit und Gehirnwäschen trotz Friedensvertrag

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LONDON, 29. September 2005 (ZENIT.org).- Im Sudan herrscht offiziell Frieden, aber weite Teile der Bevölkerung leiden weiterhin an den Folgen großer Ungerechtigkeit und bitterer Armut. Diese Situation veranlasste Kardinal Gabriel Zubeir Wako, Erzbischof der sudanesischen Hauptstadt Khartum, am Samstag dazu, die westlichen Staaten zur aktiven Unterstützung des Friedensprozesses in seiner Heimat aufzurufen.



Wahre Worte können den Tod bedeuten

"Wenn ich sage, dass die Christen verfolgt werden und dass unser Leben schwieriger ist, wie lange braucht es dann noch, bis sich die Menschen veranlasst sehen, mir zu vertrauen?", fragte Kardinal Wako in einem Gespräch mit Vertretern der internationalen Hilfsorganisation "Kirche in Not" in London. "Wie viele Menschen merken eigentlich, dass ich mein Leben aufs Spiel setze, wenn ich die Dinge beim Namen nenne?"

Obwohl die sudanesische Bevölkerung immer noch in einem Klima leben müsse, in dem "Bürgerkrieg und Gewalt" keine Unbekannten sind, seien die Regierungen der westlichen Welt bisher untätig geblieben. Nach Ansicht Kardinal Wakos haben sie alle Warnungen in Bezug auf den mittlerweile 50 Jahre dauernden Bürgerkrieg überhört.

Gehirnwäschen für Kinder

Die Redefreiheit sei sogar heute noch eingeschränkt, trotz Unterzeichnung des Friedensabkommens im Januar dieses Jahres, bedauerte der Kardinal, der seiner Erzdiözese seit 24 Jahren vorsteht. Und die Kinder unterziehe man an den staatlichen Schulen regelmäßigen Gehirnwäschen. Das geschehe, seitdem die Polizei und die Sicherheitskräfte das Land kontrollierten und der Kirche keine Unabhängigkeit einräumten.

Der Bürgerkrieg im Sudan begann im Jahr 1955. Damals war das Land nach dem Ende der britisch-ägyptischen Kolonialherrschaft in die Unabhängigkeit entlassen worden. Islamistische Politiker im Nordsudan haben seit damals immer wieder versucht, ihre totalitären Überzeugungen auch dem christlichen Süden aufzudrängen.

Ursprünglich war auch der nördliche Teil des Landes eine Hochburg des Christentums in Afrika gewesen, wovon unter anderem die Ruinen der Kathedrale in Faras zeugen. Erst im 15. und 16. Jahrhundert wurde der Nordsudan islamisch.

Beim jahrzehntelangen Bürgerkrieg, bei dem es immer wieder kurze Unterbrechungen gegeben hat, sollen rund zwei Millionen Menschen umgekommen sein. Am 20. September 2005 wurde erstmals eine "Regierung der nationalen Einheit" gebildet, wie es der im Januar von den Konfliktparteien unterzeichnete Friedensvertrag vorsieht.

Regierung finanziert Islamisierung

Kardinal Wako, der 64-jährige Erzbischof von Khartum, beschuldigt die sudanesische Regierung, viele Gelder in die "Islamisierung" des größtenteils nichtmoslemischen Südens fließen zu lassen. Nichtmoslems seien generell einem großen Druck ausgesetzt. Und zu allem Übel drohe die weit verbreitete Korruption und die weitgehende Nichtbeachtung der Rechtsstaatlichkeit den neu gefundenen, zerbrechlichen Frieden zu zerstören.