Kardinal Wetter: 1000 Jahre Bistum Bamberg im bergenden Schatten des heiligen Petrus

Predigt des Päpstlichen Legaten während des Festgottesdienstes zum Bistumsjubiläum

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BAMBERG/MÜNCHEN, 9. Juli 2007 (ZENIT.org).- Papst Benedikt VI. hat sich beim Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten des Bistums Bamberg durch Kardinal Friedrich Wetter als Sondergesandten vertreten lassen. Der „bergende Schatten des Petrus“ liege schützend über der 1000-jährigen Geschichte der Kirche von Bamberg“, versicherte der Münchener Erzbischof am Sonntag während des Pontifikalhochamts zum traditionellen Heinrichsfest auf dem Bamberger Domplatz.



Der Münchener Oberhirte griff auch die Bitte des Heiligen Vaters für die Zukunft des Glaubens in dieser Region auf und bekräftigte: „Die Kirche kann nur missionarisch Kirche sein, und wir können nur missionarisch Christen sein. Wenn das Licht des Glaubens nicht mehr für andere leuchtet, erlischt es auch bei uns.“

Kaiser Heinrich habe mit der Gründung des Bistums Bamberg die Ostmission im Auge gehabt, die der heilige Bischof Otto von Bamberg im zwölften Jahrhundert mit der Gründung der Kirche in Pommern fortgesetzt habe, erklärte Kardinal Wetter.

Den „kostbaren Schatz des Evangeliums“, so legte er seinen Zuhörern ans Herz, dürfe niemand für sich zurückbehalten. „Er ist ein Geschenk zum Weiterschenken. Nur wenn wir ihn weiterschenken, ist und bleibt er unser Eigen.“

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Predigt des Erzbischofs Friedrich Kardinal Wetter
Sondergesandter des Heiligen Vaters Papst Benedikt XVI.
für die Jahrtausendfeier des Erzbistums Bamberg
am Heinrichsfest, 8. Juli 2007


Als unser Heiliger Vater Benedikt XVI. am Weißen Sonntag auf dem Petersplatz in Rom anlässlich seines 80. Geburtstages einen festlichen Gottesdienst feierte, hieß es in der Lesung aus der Apostelgeschichte, dass durch die Hände der Apostel viele Zeichen und Wunder geschahen. „Selbst die Kranken trug man auf die Straßen hinaus und legte sie auf Betten und Bahren, damit, wenn Petrus vorüber kam, wenigstens sein Schatten auf einen von ihnen fiel" (Apg 5,15). Dem Schatten des Petrus – so deutete der Heilige Vater diese Worte – „wurde heilende Kraft zugeschrieben. Denn dieser Schatten kam von Licht Christi und trug daher etwas von der Macht seiner göttlichen Güte in sich.“

In diesem Schatten Petri sieht der Heilige Vater sein 80-jähriges Leben geborgen und beschützt. Wörtlich sagte er: „Der Schatten Petri ist durch die Gemeinschaft der Katholischen Kirche von Anfang an auf mein Leben gefallen, und ich habe gelernt, dass es ein guter Schatten ist, ein heilender Schatten, eben weil er letztlich von Christus selber kommt.“

Der bergende Schatten des Petrus liegt auch schützend über der 1000-jährigen Geschichte der Kirche von Bamberg. Kaiser Heinrich II. gründete am 1. November 1007 das Bistum Bamberg „zu Ehren des hl. Petrus“ und übereignete es dem Papst, dem Nachfolger des hl. Petrus. Aus ihrem persönlichen Eigentum trug auch seine Gemahlin Kunigunde zur Stiftung des Bistums Bamberg bei.

Der Namensvorgänger unseres Heiligen Vater, Papst Benedikt VIII., verlieh sieben Jahre später 1014 Heinrich und Kunigunde in Rom die Kaiserwürde und 1020 kam er selbst nach Bamberg. Der zweite Bischof von Bamberg Suitger wurde 1042 Nachfolger des hl. Petrus und ist als Papst Clemens II. hier im Dom begraben – die einzige Grablege eines Papstes nördlich der Alpen.

So liegt von Anfang an über Bamberg in besonderer Weise der Schatten Petri. Und in den 1000 Jahren seiner wechselvollen Geschichte dürften die Gläubigen des Bistums immer wieder auch gespürt haben, „dass es ein guter Schatten ist, ein heilender Schatten, eben weil er letztlich von Christus selber kommt“.

Dieses kostbare Erbe gilt es lebendig zu halten. „Suchen wir auch heute den Schatten Petri, um im Licht Christi zu sein“, wie der Heilige Vater an seinem achtzigsten Geburtstag uns aufgerufen hat. Das ist auch der tiefere Sinn dieser Jahrtausendfeier der Kirche von Bamberg: den Schatten Petri zu suchen, um im Licht Christi zu sein.

In der 2. Lesung hat uns Petrus gesagt, wohin er uns unter seinem Schatten führen will: zu Jesus Christus. Sein ganzes Bemühen ist auf ein Ziel hingerichtet: „dass ihr Jesus Christus, unseren Herrn, immer tiefer erkennt“ (2 Petr 1,8). Dieses Erkennen ist nicht allein Sache des Verstandes. Im biblischen Sinn von Erkennen heißt dies: Jesus Christus immer inniger lieben, immer tiefer in seine Lebensgemeinschaft hineinwachsen.

Der Weg, den uns Petrus dorthin führt, ist die Nachfolge Jesu. Darum hat er uns in der Lesung aufgefordert: „Setzt allen Eifer daran, mit eurem Glauben die Tugend zu verbinden, mit der Tugend die Erkenntnis, mit der Erkenntnis die Selbstbeherrschung, mit der Selbstbeherrschung die Ausdauer, mit der Ausdauer die Frömmigkeit, mit der Frömmigkeit die Brüderlichkeit und mit der Brüderlichkeit die Liebe“ (2 Petr 1,5-7).

Ein Leben nach dem Vorbild Jesu, die Nachfolge Jesu, das ist der schattige Weg des Petrus, auf dem er uns ins Licht Jesu Christi führt. „Ich bin das Licht der Welt“, sagt Jesus. „Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis untergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben“ (Joh 8,12).

Worauf es dabei ankommt, wurde uns in der Lesung aus dem ersten Buch der Könige gesagt. Der junge König Salomo bittet Gott um ein hörendes Herz, damit er das Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht. Salomo wurde diese Bitte gewährt. Auch Kaiser Heinrich hatte ein Herz, mit dem er auf die Stimme Gottes hörte, um den rechten Weg zu finden. Wir alle brauchen ein hörendes Herz, um wahrzunehmen, worauf es im Leben ankommt und worauf es nicht ankommt. Die Kunst des Lebens beginnt damit, auf die Stimme dessen zu hören, der uns den rechten Weg führt, weil er selbst der Weg ist, der alleinige Weg, der ans Ziel führt. Das ist Jesus Christus. Seine Stimme ist Gottes Stimme.

Erinnern wir uns an ein Wort, das uns Papst Benedikt im vergangenen Jahr beim Gottesdienst in München-Riem gesagt hat: „Es gibt eine Schwerhörigkeit Gott gegenüber, an der wir gerade in dieser Zeit leiden. Wir können ihn einfach nicht mehr hören – zu viele andere Frequenzen haben wir im Ohr. Mit der Schwerhörigkeit oder gar Taubheit Gott gegenüber fehlt uns die entscheidende Wahrnehmung, die Wahrnehmung Gottes.“ Er ist der Herr und das Ziel unseres Lebens. Mit ihm steht und fällt unser Menschsein. Darum ist es lebensnotwendig, mit wachem Herzen auf ihn zu hören, damit wir das Gute vom Bösen zu unterscheiden verstehen und sich unser Leben in geordneten Bahnen bewegt und wir am Ende das Ziel unseres Lebens, Gott selbst erreichen.

Petrus hat mit dem Herzen auf Gott gehört; so erkannte er und bekannte, wer Jesus ist: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Das hatte er nicht aus sich. Jesus stellt dies ausdrücklich fest, wenn er sagt: „Nicht Fleisch und Blut haben dir das geoffenbart, sondern mein Vater im Himmel“ (Mt 16,17).

An Petrus sehen wir, was uns aufgeht, wenn wir mit dem Herzen hören. Wir erfahren, wer Jesus Christus ist: der Sohn des lebendigen Gottes; wer er für uns ist: der Weg, die Wahrheit und das Leben. Wir erfahren, wozu wir von Gott berufen sind: in Jesus Christus Anteil zu erhalten an der göttlichen Natur, wie es uns der hl. Petrus in der Lesung gesagt hat; und das heißt Teilhabe am Leben des dreifaltigen Gottes, hinein genommen werden in das Geheimnis seiner unbegreiflichen Liebe.

„Gott ist Licht, und keine Finsternis ist in ihm“ (1 Joh 1,5). In dieses Licht, das uns in Jesus Christus aufgestrahlt ist, führt uns der Schatten des Petrus.

Das Licht muss leuchten. So verband Kaiser Heinrich mit seiner Bistumsgründung die Aufgabe der Mission. Das Evangelium sollte von Bamberg aus in den Osten getragen werden. Ein leuchtendes Beispiel der Ostmission ist der hl. Bischof Otto von Bamberg in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Durch seine Missionstätigkeit begründete er die Kirche in Pommern.

Dieser Missionsauftrag gilt auch für unsere Zeit. Das Evangelium des heutigen Festes bringt ihn uns nachdrücklich zum Bewusstsein. Ein König verteilt sein Geld für die Zeit seiner Abwesenheit an seine Diener. Nach der Rückkehr fordert er Rechenschaft. Der eine hat das Geld durch seine Arbeit verzehnfacht; der andere verfünffacht. Der dritte jedoch bringt das Geld in einem Tuch eingebunden unangerührt zurück ohne Gewinn. Der König gibt Weisung, ihm das Geld zu nehmen und es dem zu geben, der am besten gewirtschaftet hat; und erläutert es: „Wer hat, dem wird gegeben werden; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat“ (Lk 19,26).

Mit großem Ernst sagt uns Jesus in diesem Gleichnis, dass wir den kostbaren Schatz des Evangeliums, den wir im Glauben empfangen haben, nicht für uns zurückbehalten dürfen. Er ist ein Geschenk zum Weiterschenken. Nur wenn wir ihn weiterschenken, ist und bleibt er unser eigen. Die Kirche kann nur missionarisch Kirche sein, und wir können nur missionarisch Christen sein. Wenn das Licht des Glaubens nicht mehr für andere leuchtet, erlöscht es auch bei uns.

Die Kirche von Bamberg ist diesem Auftrag ihres Gründerkaisers, bis heute treu geblieben und weiß sich der missionarischen Aufgabe verpflichtet. Das gereicht ihr zur Ehre und ist ein Zeichen ihrer Treue zu Jesus unter dem bergenden Schatten des hl. Petrus.

Lassen wir das Licht des Glaubens auch weiterhin für andere leuchten, wie es unzählige Christen in den vergangenen tausend Jahren im Bistum Bamberg getan haben. Bewahren wir uns ein hörendes Herz; dann werden wir auch Mut und Kraft finden, für Christus kraftvoll Zeugnis zu geben.

Liebe Schwestern und Brüder der Kirche von Bamberg!

„Suchen wir auch heute den Schatten Petri, um im Licht Christi zu sein", so ruft uns der Heilige Vater zu. Ja, bleiben wir auf dieser Suche; dann wird die Kirche von Bamberg auch in ihrem nun anbrechenden 2. Jahrtausend im Schatten Petri geborgen sein und darin im Lichte Christi stehen, das am Ende der Tage in vollem Glanz aufstrahlen wird. Dann werden wir die Macht seiner Güte erfahren, da er uns heimholt in die Arme des himmlischen Vaters, in das Leben in Fülle.

Für die Zukunft wünsche und erbitte ich Ihnen, was 40 Jahre nach der Bistumsgründung Ihr Bamberger Bischof und Papst Clemens II. seiner dulcissima sponsa, seiner überaus geliebten süßesten Braut, der Kirche von Bamberg, geschrieben hat: „In Gott, so wünschen wir, du süßeste Braut, wachse zu allen Zeiten, erstarke und gedeihe!“
Amen.

[Vom Erzbistum München-Freising veröffentlichtes Original]