Kardinal Wetter erklärt, warum es den "Monat der Weltmission" gibt

"Gottesdienst und Menschendienst gehören zusammen"

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MÜNCHEN, 28. September 2005 (ZENIT.org).- Beim "Monat der Weltmission", der im Monat Oktober in allen 27 deutschen Bistümern durchgeführt wird, gehe es vor allem darum, "die allen Menschen geltende Zuwendung Gottes in Wort und Tat zu bezeugen", erklärte Friedrich Kardinal Wetter, Erzbischof der Erzdiözese München und Freising, im Rahmen einer Pressekonferenz in München. Seine Erzdiözese ist in diesem Jahr erstmals Gastgeberin der landesweiten Initiative, an der sich Pfarreien, kirchliche Verbände sowie kirchliche Initiativen und Partnerschaften beteiligen werden. Gottesdienste und zahlreiche Veranstaltungen sollen im ganzen Monat Oktober das Bewusstsein für die Anliegen christlicher Mission schärfen und alle Gläubigen ermutigen, den Blick auf Christus und die Lebensgemeinschaft mit ihm zu öffnen und den Glauben glaubwürdig und solidarisch zu leben.



Befreiende Botschaft der Liebe Gottes

Anlässlich der Eröffnungs-Pressekonferenz zum "Monat der Weltmission" fasste Friedrich Kardinal Wetter, Erzbischof der Erzdiözese München und Freising, heute, Mittwoch, mit knappen Worten den Sinn der Initiative zusammen: "Die Menschen werden an etwas Wesentliches erinnert: Gottesdienst und Menschendienst gehören zusammen. Christliche Glaubensverkündigung und der tatkräftige Einsatz für den Aufbau einer gerechteren und menschlicheren Welt sind nicht voneinander zu trennen. Der Auftrag zur Glaubensverkündigung, den Jesus Christus selbst seiner Kirche gegeben hat, ist klar und unmissverständlich, mögen im geschichtlichen Rückblick auch manche Methoden der christlichen Mission vergangener Zeiten heute kritikwürdig erscheinen. Es geht darum, durch die befreiende Botschaft der Liebe Gottes erfahrbar werden zu lassen, dass die Menschen in freier Entscheidung das Evangelium annehmen und sich der Gemeinschaft der Kirche anschließen."

Schon in der Zeit des Urchristentums bis hinein in die Gegenwart "war und ist es entscheidend, dass die Zugehörigkeit zu dieser Gemeinschaft auch in konkreter Mitmenschlichkeit Gestalt annimmt", fuhr Kardinal Wetter fort. "Die deutschen Bischöfe haben in ihrem Aufruf zum diesjährigen 'Sonntag der Weltmission', der in allen Ländern der Erde am 23. Oktober begangen wird, noch einmal verdeutlicht, worum es dabei geht, nämlich darum, die allen Menschen geltende Zuwendung Gottes in Wort und Tat zu bezeugen, besonders denen, die durch Armut, Hunger, Krankheit und Ausgrenzung an den Rand gedrängt werden."

Konkretisierung des Glaubens

Zu einer solchen "Konkretisierung des christlichen Glaubens hat uns der unvergessene Papst Johannes Paul II. in einer im Februar verfassten Botschaft zum Weltmissionssonntag dieses Jahres aufgefordert. Der Papst appellierte an uns: Wenn wir in der kirchlichen Gemeinschaft die Eucharistie feiern, insbesondere an den Sonntagen, müsse im Licht des Glaubens die Begegnung mit dem auferstandenen Christus dazu anregen, den 'vielen Armutserscheinungen in unserer Welt mit brüderlicher Anstrengung zu begegnen'. Dabei verbieten sich jede Herablassung oder gar Hochmut gegenüber Verhältnissen und Zuständen, die sich in anderen Kulturen, möglicherweise auch religiös bedingt, entwickelt haben. Nicht gegen eine Kultur, sondern in Wertschätzung und unter Einschluss ihrer tragenden Elemente kann Einsicht gewonnen und Vertrauen vermittelt werden, die den christlichen Glauben reifen lassen."

Verteidigung der Würde jedes Menschen

Kardinal Wetter sprach in der Folge über die Darbietung einer Tanzgruppe, die zuvor "sichtbar und hörbar einen eindrucksvollen Einblick in die Kultur des indischen Subkontinents gegeben" hatte. Die Lebenssituation der Künstler, "die in ihrer Heimat von Herkunft und Geburt an als Kastenlose, als Unberührbare, als Parias angesehen werden", veranlasste den Kardinal dazu, näher auf diese Bevölkerungsgruppe der "Dalits" einzugehen. Diese Bezeichnung meine "'gebrochene Menschen', und sie nennen sich deswegen so, weil sie dazu entschlossen sind, diesen Bruch in ihrem Leben zu heilen, weil sie Diskriminierung, Ausgrenzung und die Hintansetzung ihrer Menschenwürde überwinden wollen. Die Kirche finden sie dabei an ihrer Seite. In dieser besonderen Form ist die Geschichte der Dalits sicher ein aktuelles Thema der Gesellschaft in Südasien. Aber auch uns in der westlichen Zivilisation ist das Thema nicht fremd, wenn wir an die Ausgegrenzten in unserer eigenen Gesellschaft denken. Darum führt uns das Thema hier wie dort in eine unteilbare Solidarität, zu der uns der Glaube verpflichtet."

Lebensgemeinschaft mit Christus

Kardinal Wetter wünscht sich, dass der "Monat der Weltmission" vor allem einen geistlichen Tiefgang haben werde, "der den Blick offen hält auf Christus und die Lebensgemeinschaft mit ihm", sowie "eine Tiefenwirkung, die viele erkennen lässt, welch schöne und große Aufgabe es ist, in einer großen katholischen Weltkirche die Lebensgemeinschaft mit Christus in ganz konkreten Lebenssituationen von Menschen glaubwürdig und solidarisch zu praktizieren."