Kardinal Woelki betont in Rom Würde jedes Menschen und eigenständiges Lebensrecht des ungeborenen Kindes

Als Kardinal sei er ein besonders enger Mitarbeiter des Nachfolgers Petri

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Von Jan Bentz

VATIKANSTADT, 19. Februar 2012 (ZENIT.org). - In seiner Dankesrede beim Empfang des deutschen Botschafters am Heiligen Stuhl, Dr. Schweppe, hat Rainer Maria Kardinal Woelki das entschiedene Eintreten der Kirche für das eigenständige Lebensrecht des ungeborenen Kindes, besonders auch des behinderten Kindes, und die Wertschätzung all derer, die sich ganz der Familie widmen, bekräftigt.

Nach der Erhebung in den Kardinalsstand durch Papst Benedikt XVI. am Samstag, den 18. Februar, nahm der Erzbischof von Berlin mit Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, dem regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, und zahlreichen mit nach Rom gereisten Verwandten und Freunden an dem Empfang teil.

Nachdem Woelki die Bedeutung des Papstbesuchs in seiner Diözese im vergangenen Jahr hervorgehoben hatte, von dem die Kirche in Deutschland sowie alle Menschen, die dem Heiligen Vater zugehört hätten, noch lange zehren würden, betonte der Kardinal, der sich als „Benjamin“ unter den Kardinälen bezeichnete, dass dieses neue Amt ihm die Bereitschaft abverlange, sich bis zum Vergießen seines Blutes für die Verkündung und Mehrung des Glaubens, den Frieden für das Volk Gottes und die Freiheit der Kirche einzusetzen.

Er zitierte den großen Sozialreformer Wilhelm von Ketteler mit den Worten: „Wie die Religion der Freiheit bedarf, so bedarf auch die Freiheit der Religion.“ Freiheit bedürfe der Rückbindung an eine höhere Instanz, könne nicht in Beziehungslosigkeit gelebt werden, sonst lebe jeder nur seinen eigenen Individualismus, darauf habe auch Benedikt XVI. bei seinem Berlinbesuch hingewiesen. Genau an diese neue, besonders enge Beziehung und Rückbindung an den Oberhirten der Universalkirche erinnere auch der Kardinalsring, den er heute aus den Händen des Heiligen Vaters in Empfang genommen habe.

Sein Kardinalat sei auch eine besondere Auszeichnung für die Berliner, die deutsche Hauptstadt und die Katholiken, die in der damaligen DDR ihren Glauben bekannt und für Christus Zeugnis gegeben hätten.

Zur pastoralen Sorge der Kirche gehöre neben der Herausforderung der Staatsschuldenkrise auch das soziale Engagement der Kirche; Caritas sei für die Kirche nicht eine Art Wohlfahrtsaktivität, die man auch anderen überlassen könne, sondern gehöre zu ihrem Wesen, sei unverzichtbarer Wesensausdruck ihrer selbst. Das gesellschaftliche und politische Eintreten für die Würde des Menschen sei und bliebe unverzichtbare Aufgabe von Kirche und Caritas/Diakonie.

Kardinal Woelki: „Wir müssen uns als Kirche dafür einsetzen, dass Achtung und Ehrfurcht vor der Würde des Menschen – sei er alt oder jung, gesund oder krank, im Arbeitsleben stehend oder seine ganze Energie der Familie widmend – trotz aller ökonomischen Zwänge gewahrt bleiben. Dazu gehört das entschiedene Eintreten für das eigenständige Lebensrecht des ungeborenen Kindes und besonders auch des Kindes mit einer Behinderung.“

Die Kirche leiste einen erheblichen Beitrag für die sozialen Belange der deutschen Gesellschaft durch ihre Einrichtungen der Caritas, die karitativen Orden und die katholischen Verbände, was ohne die Besonderheiten des deutschen Staatskirchenrechts nicht vorstellbar wäre. Trotz der Trennung von Kirche und Staat, die beide Sphären voneinander frei und unabhängig  belasse, gebe es ein Prinzip des partnerschaftlichen Zusammenwirkens. Dass die katholische Kirche und andere Religionsgemeinschaften bei ihrer Wahrnehmung gesellschaftlicher Aufgaben vom Staat unterstützt würden, zeige, ebenso wie das gerade stattfindende Treffen, die Wertschätzung dieses kirchlichen Grundauftrages.