Kardinal Zenon Grocholewski erklärt den Unterschied zwischen "kirchlichen" und "katholischen" Universitäten

Sieben kirchliche Universitäten in Rom, 1.300 katholische Universitäten in der ganzen Welt

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ROM, 31. März 2006 (ZENIT.org).- Der Präfekt der Kongregation für das Katholische Bildungswesen (für die Seminare und Studieneinrichtungen), Kardinal Zenon Grocholewski, erläuterte am Donnerstag während einer Pressekonferenz im Vatikan, dass das Kirchenrecht zwischen "kirchlichen" und "katholischen" Universitäten und Fakultäten unterscheidet.



Die kirchlichen Institute besitzen demnach eine eigene Regelung und unterstehen in besonderer Weise dem Heiligen Stuhl. Sie beschäftigen sich vor allem mit der christlichen Offenbarung und den mit ihr verbunden Disziplinen (Theologie, christliche Philosophie, kanonisches Recht, Kirchengeschichte, usw.). Kirchliche Universitäten "im strengen Sinn" gebe es nur in Rom, fuhr der Kardinal fort. Ihre Zahl sei im Moment auf sieben beschränkt. Autonomen beziehungsweise in katholische oder staatliche Universitäten eingegliederte kirchliche Fakultäten und Institute gebe es weltweit 260. Dazu kämen ungefähr 350 akademische Einrichtungen hinzu, die mit einer kirchlichen Fakultät institutionell verbunden sind.

Kardinal Grocholewski informierte anschließend, dass die "katholischen" Universitäten hingegen Einrichtungen seien, in denen verschiedene (humanistische und naturwissenschaftliche) Disziplinen gelehrt werden und der menschliche Erkenntnishorizont im Licht des Evangeliums durchmessen wird. Jede katholische Universität müsse die Zustimmung der jeweiligen kirchlichen Autorität erhalten, die in diesem Fall nicht nur auf die Kongregation beschränkt sei.

Weltweit gibt es ungefähr 1.300 katholische Universitäten, die in verschiedenen Bereichen und unter verschiedenen sozio-ökonomischen Verhältnissen arbeiten. Sie sind auch in Ländern vertreten, wo die Katholiken eine Minderheit darstellen. So gibt es in Taiwan drei katholische Universitäten, obwohl der Bevölkerungsanteil der Katholiken sich auf 1,3 Prozent beschränkt. Dabei zählt zum Beispiel allein die Universität von Taipei 25.000 Studenten.

Der Präfekt der Kongregation für das Katholische Bildungswesen berichtete, dass der Großteil der katholischen Universitäten im vergangenen Jahrhundert, insbesondere in der Zeit nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil errichtet worden sei. Allein während des Pontifikats Johannes Pauls II. wurden 250 neue Universitäten gegründet. Die Ausbildungsstruktur der päpstlichen Universitäten und Fakultäten ist in drei in sich geschlossene Ausbildungsstufen gegliedert: Bachalaureat, Lizentiat (Magister, "Master") und Doktorat.

Abschließend merkte der Kardinal an, dass das System der päpstlichen Institute nicht substantiell von der Reform der universitären Ausbildung im EU-Raum, wie es der so genannte Bologna-Prozess vorsieht, betroffen sei.