Kardinäle diskutieren Thema der "wiederverheirateten Geschiedenen"

Kardinal Marx gibt Einblicke

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 446 klicks

Wie Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, in einem Mediengespräch am Dienstag berichtet, haben die in Rom anlässlich des Konsistoriums versammelten Kardinäle am Samstag und Sonntag hinter verschlossenen Türen breit und kontrovers über das Thema der „wiederverheirateten Geschiedenen“ diskutiert. Kardinal Marx betonte, dass die Tatsache, dass pastorale Fragen unter den Kardinälen in Anwesenheit des Papstes erörtert worden seien, etwas Neues sei.

Die Eröffnungsrede von Kardinal Walter Kasper habe die Anregung zu einer intensiven Diskussion geliefert, die nicht so schnell beendet sein werde, ohne dass eine Entscheidung vorweggenommen worden sei, so Marx. An der Diskussion müssten sich nun auch andere Theologen beteiligen. Er halte es nicht für sinnvoll, den Vortrag von Kardinal Kasper über Familienseelsorge geheim zu halten. Der Text Kaspers sei in 200 Exemplaren in Umlauf und werde sicher in wenigen Tagen seinen Weg in die Öffentlichkeit finden. Die Entscheidung über die Publikation des Textes habe Papst Franziskus getroffen, der den Text anschließend als „profunde Theologie“ gelobt habe. Marx sagte, die theologische Grundlegung in Kardinal Kaspers rund zweistündigem Vortrag sei unstrittig gewesen.

Im zweiten Teil des Vortrags habe Kasper vor allem Fragen an die Anwesenden gestellt. An dieser Debatte sei etwa die Hälfte der einhundert anwesenden Kardinäle beteiligt gewesen. Kardinal Kasper sei es während der Diskussion weder um ein Nein noch um ein Ja zum Kommunionempfang für „wiederverheirateten Geschiedene“ gegangen, da man zwischen diesen beiden Antworten vielmehr Wege für Lösungen einzelner Fälle suchen müsse. Kasper habe aus theologischer Sicht dafür plädiert, die bisherige Lehre der Kirche zur Familie weiterzuentwickeln, ohne mit ihr zu brechen. Das Zweite Vatikanische Konzil habe bewiesen, dass dies möglich sei.

Marx sagte, er unterstütze diesen Ansatz voll und ganz. Nach biblischem Zeugnis sei die Unauflöslichkeit der Ehe „keine moralische Leistung des Menschen, sondern eine Verheißung“. So dürfe man die Sakramente auch nicht als „Disziplinierungsmittel“ missverstehen. Menschen, die darum bitten würden, weil sie in einer zweiten Partnerschaft sittliche Verpflichtungen eingegangen seien, dürfe man diese „Medizin“ nicht verweigern. Im Vordergrund stehe nicht ein neues Reglement, sondern eine Hilfestellung für Pfarrer, in solchen Situation adäquat handeln zu können.