Kardinalstaatssekretär Bertone in Weißrussland: Treffen mit Kirchenvertretern und Politikern

Auf dem Programm: Gespräche mit Regierungsvertretern und Rede an staatlicher Universität

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MINSK, Weißrussland, 19. Juni 2008 (ZENIT.org).- Der Staatsekretär von Papst Benedikt XVI. ist zu seinem angekündigten Besuch in Weißrussland eingetroffen, wo er die Diözesen Minsk, Pinsk und das Priesterseminar in Grodno besuchen wird.

Kardinal Tarcisio Bertone SDB wurde gestern von Erbischof Martin Vidovich, dem Apostolischen Nuntius in Weißrussland, mit mehreren Bischöfen willkommen geheißen. IM Rahmen seines Besuchs vom 18. bis zum 22. Juni wird Kardinal Bertone an der staatlichen Universität von Weißrussland einen Vortrag halten. Das Thema lautet: „Glaube und Vernunft: Wege der Gottesrede für den modernen Menschen“.

Kardinal Bertone äußerte sich „sehr zufrieden vom herzlichen Empfang“. Er werde im Zuge seiner Reise, so erklärte er gestern, mit Mitgliedern der katholischen und orthodoxen Kirche zusammenkommen, die rund 80 Prozent der Gläubigen in der ehemaligen Sowjetrepublik ausmachen, und den orthodoxen Metropoliten Filaret von Minsk und Sluzk treffen. Gerne würde er auch „Regierungsvertreter treffen und Formen der Zusammenarbeit klären, die die Rolle von Weißrussland in der internationalen Gemeinschaft betreffen“.

Am ersten Tag seiner Visite besuchte Kardinal Bertone das Caritas-Zentrum in Leskavets, wo er eine Gruppe von Kindern traf. In Weißrussland leben nach Angaben des Heiligen Stuhls etwas mehr als eine Million Katholiken. Sie stellen rund zehn Prozent der Gesamtbevölkerung.

Morgen, Freitag, wird der Gesandte des Heiligen Vaters den Außenminister des Landes, Sergei Martynov, und den weißrussischen Regierungsbevollmächtigten für religiöse Angelegenheiten, Leonid Gulaka, treffen. Dieser hatte einen Monat vor der Reise bestätigt, dass der Abschluss eines Konkordats mit dem Vatikan vorbereitet werde. Einzelheiten nannte er nicht. Gulaka hat die Initiative für das Konkordat nach eigenen Angaben mit dem Minsker Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz vereinbart. Bertone wird aller Voraussicht nach auch mit dem weißrussischen Präsidenten Alexander Lukashenko zusammenkommen.

Im September 2007 hatte der weißrussische Premierminister Aleksandr Kosinets die Bischöfe des Landes darauf aufmerksam gemacht, dass die katholische Kirche in den kommenden Jahren grundsätzlich auf den Einsatz von ausländischem Klerus verzichten solle. „Wir befürworten, dass religiöse Mitarbeiter in unserer Republik Einheimische aus Weißrussland sind", erklärte er bei einem Gespräch am Runden Tisch. „Niemand sollte religiöse Aktivitäten leiten, der weder Weißrussisch noch Russisch sprechen kann, noch die Mentalität und Bräuche von Weißrussen kennt."

Offizielle Maßnahmen zur Ausweisung von Priester hat es bisher nicht gegeben. Allerdings betonte der stellvertretende Premier, dass es „eine Auswechslung von ausländischen religiösen Personal durch Einheimische aus Weißrussland im Laufe der nächsten sieben Jahre" geben sollte.

Von den rund 350 katholischen Priestern in Weißrussland sind die meisten Ausländer; beinahe die Hälfte davon kommen aus Polen.