Kardinalstaatssekretär schreibt an chinesische Priester

Aufruf zu Versöhnung bei gleichzeitiger Glaubenstreue

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Michaela Koller

ROM, 17. November 2009 (ZENIT.org).-Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone hat in einem Brief an die katholischen Priester in der Volksrepublik China aus Anlass des Priesterjahres zur Versöhnung innerhalb der Gemeinschaft der Katholiken aufgerufen. Zudem ermutigt der Kardinal zu einem „respektvollen und konstruktiven Dialog" mit den Behörden, „ohne dabei die Grundlagen des katholischen Glaubens zu verleugnen". Bertone betont auch die Bedeutung des Gebets sowie der Eucharistie und ermuntert dazu, den Glauben weiterzutragen. Der Brief erreicht die Geistlichen in einer gespannten Situation, von der zentral die Diözese Baoding (Hebei Provinz) durch den Übertritt des Koadjutors zur behördlich kontrollierten Patriotischen Vereinigung betroffen ist.

In dem Schreiben regt Kardinal Bertone die Priester dazu an, ihren Blick zu weiten, über ihre Situation als katholische Geistliche unter atheistischer Herrschaft hinaus. „Ihr lebt Seite an Seite mit Anhängern anderer Religionen und mit Personen, denen der Glaube gleichgültig ist, oder tatsächlich feindlich gesonnen sind, gegenüber Gott und gegenüber der Religion." Die Empfänger sollten nicht glauben, dass sie die einzigen seien, die mit einem derartigen Problem konfrontiert sind. „In Wirklichkeit lebt ihr in derselben Situation wie viele Eurer Brüder in anderen Teilen der Erde, die, mitten in Schwierigkeiten und dem Unbegreifbaren, treu zu ihrer Berufung als Freunde Christi stehen.

Der Kardinalstaatssekretär rät ganz konkret den Priestern, in die Familien und in die Dörfer zu gehen, zu katholischen und nicht-katholischen Landsleuten, um vor ihnen Zeugnis abzulegen und zu zeigen, dass sie deren Bedürfnisse ernst nehmen. Darüber hinaus empfiehlt er ihnen, noch größere Mühe auf die Ausbildung und Vorbereitung von guten Katechisten zu verwenden und zugleich noch stärker die karitativen Dienste anzubieten, für Kinder, für Kranke und Alte, „um die selbstlose Liebe der Kirche zu zeigen". Auch sollten besondere Zusammenkünfte organisiert werden, bei denen Katholiken ihre Freunde und Verwandten mit anderem oder ohne Bekenntnis mitbringen könnten, damit diese über den katholischen Glauben und die katholischen Kirche „besser unterrichtet" werden.

Der heilige Pfarrer von Ars lehre die unschätzbar wertvolle Bedeutung der Verehrung der Eucharistie auch außerhalb der Heiligen Messe für das Leben des einzelnen Priesters. Der Kardinal empfiehlt, dies persönlich zu leben oder auch eine wöchentliche eucharistische Anbetung eine Stunde lang anzubieten. Er betont zudem die Bedeutung der menschlichen Reifung und Glaubensbildung aller, der Geistlichen sowie der Gläubigen. „Weil der Mangel an menschlicher Reife, Selbstkontrolle und innerer Harmonie die häufigste Quelle von Missverständnissen, von mangelnder Kooperationsbereitschaft und Konflikten innerhalb der katholischen Gemeinschaften ist", schreibt der Kardinalsstaatssekretär unter anderem im Hinblick auf die noch andauernde Spaltung der Kirche Chinas.

Diese Trennung ist aus Sicht vor Beobachtern, Geistlichen und Gläubigen durch den Übertritt des Koadjutors von Baoding in der nordöstlichen Hebei-Provinz, Weihbischof Francis An Shuxin, zur staatlich kontrollierten Patriotischen Vereinigung verstärkt worden. Der örtliche Oberhirte, Bischof Su Zhimin, wird seit 1996 an unbekanntem Ort in Polizeigewahrsam gehalten. Sein Koadjutor, An Shuxin, war selbst zehn Jahre lang inhaftiert und kam 2006 frei. Die „Patriotische Vereinigung" strebt eine unabhängige Verwaltung der katholischen Kirche in China an. Papst Benedikt hatte sie in seinem Brief an die chinesischen Katholiken vom Mai 2007 als unvereinbar mit der kirchlichen Lehre bezeichnet. Bischof An glaubt jedoch, eine Versöhnung nur durch einen gemeinsamen Vollzug der Sakramente herbeiführen zu können. Aus diesem Grund hat er bereits kurz nach seiner Freilassung vor drei Jahren eine gemeinsame Sonntagsmesse mit dem örtlichen Bischof der vom Regime kontrollierten Kirche zelebriert. Das war das äußere Zeichen seines bereits damals erfolgten De-facto-Übertritts, den er nun formal vollzogen hat. Viele Priester und Gläubige reagierten nach dem jüngsten Schritt entsetzt.

Quelle: http://www.asianews.it