Karl Kardinal Lehmann fordert Debatte über Gewalt in den Medien

Verleihung des Katholischen Medienpreises 2007 in Bonn

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BONN, 11. September 2007 (ZENIT.org).- Kardinal Lehmann hat dazu aufgerufen, die aktuelle Debatte über mögliche schädliche Wirkungen von Gewaltdarstellungen in den Medien in eine breite Öffentlichkeit zu tragen.



Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz warnte am Montagabend anlässlich der Verleihung des Katholischen Medienpreises 2007 im Rheinischen Landesmuseum in Bonn vor höchst problematischen Dimensionen der Mediennutzung wie etwa den so genannten „Killerspielen“ oder audiovisuellen Darstellungen von Schlägereien, Folterszenen, Terrorakten oder Hinrichtungen. Solche Phänomene von Gewalt zu überwinden sei ein „Anliegen von gesamtgesellschaftlichem Interesse“, dem sich auch die Medien stellen müssten.

Kardinal Lehmann verwies unter anderem auf den Kinderpsychologen Wolfgang Bergmann, der betone, „dass das, was wir beispielsweise Computersucht nennen, nicht von den Computern oder den Spielen ausgeht. Es handele sich dabei um eine Lösung, die Kinder gefunden hätten, um ein Defizit überwinden, überdecken oder kompensieren zu können. Und diese Defizite liegen in den sozialen Beziehungen, in denen sie stehen: fehlende Anerkennung und Ermutigung, mangelnde Geborgenheit, das Fehlen von Aufgaben und Zielen.“

In diesem Zusammenhang würdigte er die Botschaft von Papst Benedikt XVI. zum diesjährigen Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel, der in Deutschland am 9. September begangen worden war: „‚Medienerziehung sollte positiv sein‘, ist sein Grundsatz“, erläuterte Kardinal Lehmann: „Sie sollte Kindern helfen, Wertschätzung, Klugheit und Urteilsvermögen zu entwickeln; so wird die eigentliche Aufgabe ‚eine Heranbildung zur Ausübung von Freiheit‘.“

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz kritisierte, dass die Gesellschaft – anders als etwa im Umwelt- oder Lebensmittelbereich – „noch zu wenig Sensibilität für die möglichen ,Schadstoffe‘ in den Medien entwickelt“ habe.

Karl Kardinal Lehmann zeichnete am Montag Angela Graas und Bastian Obermayer mit dem Katholischen Medienpreis 2007 aus. Bei der feierlichen Preisverleihung würdigte er die ausgezeichneten Beiträge als Beispiele dafür, wie Medien Anstöße geben, „sich mit den eigenen existentiellen Fragen zu beschäftigen“ und „bereichernde Zugänge zur Wirklichkeit“ zu eröffnen.

Angela Graas erhielt den Preis in der Kategorie elektronische Medien für ihre Dokumentation „Von wegen ewiger Ruhe. Geschichten auf dem Münchner Ostfriedhof“ (Bayerisches Fernsehen/Kirche und Welt). In der Kategorie Printmedien wurde die Auszeichnung an Bastian Obermayer verliehen für seinen Beitrag „Spiel mir das Lied vom Tod“ (Süddeutsche Zeitung Magazin). Der Katholische Medienpreis ist insgesamt mit 10.000 Euro dotiert.

Der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart), hob hervor, dass „Sinn- und Glaubensfragen heute nicht mehr nur im Kirchenraum oder im privaten Bereich diskutiert werden, sondern auf der öffentlichen Agenda stehen“. Deshalb müsse die Kirche ihre eigene Medienarbeit immer wieder kritisch überprüfen, wie sie es derzeit im Blick auf die Herausforderungen der Digitalisierung tue. Mit dem Katholischen Medienpreis wolle man Journalisten auszeichnen und ermutigen, „die Zusammenhänge erkennen und nicht nur Schlagzeilen produzieren, die den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Berichterstattung rücken und nicht sich selbst“.

Der Festakt mit rund 200 Gästen aus Kirche, Politik und Medien wurde von Johanna Holzhauer (WDR) moderiert. Die Laudatio auf Angela Graas in der Kategorie elektronische Medien hielt die ZDF-Moderatorin Gundula Gause. Laudator auf den Beitrag von Bastian Obermayer in der Kategorie Print war Professor Dr. Johannes Reiter, Moraltheologe der Universität Mainz.

Alle Ansprachen sind unter Medienpreis online abrufbar.