Karneval

Impuls zum 5. Sonntag im Jahreskreis

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 1324 klicks

Vom derzeit virulenten Karneval ist der eine mehr, der andere weniger in Anspruch genommen. Mit ihm ist es wie mit allen guten Dingen dieser Welt: wenn man das richtige Maß einhält, ist es eine feine Sache. Wenn im Karneval wirkliche Freude aufkommt, also nicht nur „Spaß an der Freud“, dann ist er sinnvoll, denn die Freude ist mehr als nur eine Befindlichkeit. Und wenn die Freude dann noch eine Tendenz zum Übernatürlichen hat, ist sie geradezu eine Tugend. Freude steckt an, und wenn es sogar „Freude im Herrn“ ist, ist sie von unschätzbarem Wert. Verschlossene Gesichter gehen auf, schlechte Laune vergeht und die Herzen öffnen sich. Alles notwendige Voraussetzungen, damit die Menschen sich Christus zuwenden.

Dass die Freude in der Kirche zuhause ist, ist eine Tatsache, und wir sollten sie uns auch nicht verderben lassen. Wie würde man denn seit Jahrhunderten Karneval feiern können, wenn nicht die Liturgie der Kirche für die ernste Fastenzeit eine davor liegende Zeit der Freude gestattete, ja sogar plausibel machte (weshalb es auch keinen historisch gewachsenen Karneval ohne die katholische Kirche gibt)?

Aber lassen wir den Karneval beiseite. Er ist nicht Bestandteil unseres Glaubens.

In  unserem von den Medien trefflich geleiteten öffentlichen Leben hat man den Eindruck, dass kaum etwas unterlassen wird, um die Freude zu vertreiben. Katastrophenmeldungen waren natürlich immer schon sehr beliebt. Spannend muss es halt sein. Aber darüber hinaus ist unsere veröffentlichte Meinung oft von einem weltanschaulichen Furor durchdrungen, wenn es darum geht, Misstände aufzudecken, und vor allem immer den Schuldigen zu suchen und anzuklagen.

Ist das aber nicht eigentlich positiv? Trotzdem geraten die Medien selber trotz ihrer unbezweifelbaren Bedeutung immer wieder in die Kritik. Dabei meinen sie es ja eigentlich gut. Sie liefern exakte Berichte über alle Vorkommnisse in der Welt, sie decken Skandale auf, sie klären die Menschen auf über Dinge, die der Einzelne nicht so leicht erfahren kann. Was habt ihr denn gegen die Medien?

Was gegen einige – nicht alle – Medien einzuwenden ist, ist aber nicht das Berichten über Fakten. Vielmehr steht oft dahinter eine neue Ideologie, die bei der Berichterstattung mit transportiert wird. Die sieht vereinfacht gesagt so aus:

Wir sind grundsätzlich links, Sozialismus als Ersatz-Christentum, d.h. mit einem guten Schuss Nächstenliebe, aber ohne die lästigen Moralvorschriften der Christen. Ferner mögen wir die vom Papst repräsentierte Kirche nicht (eine andere, mehr dem Zeitgeist geöffnete Kirche würden wir akzeptieren). In Sachen Sexualmoral und Schutz des beginnenden und vergehenden Lebens wollen wir – im Rahmen des Vernünftigen – alle Schleusen öffnen. Da wir nämlich an ein Weiterleben des Menschen nach dem Tode nicht glauben, oder es wenigstens nicht thematisieren, gilt es, aus diesem Leben soviel wie möglich herauszuholen.

So repräsentieren die Medien (wohlgemerkt nicht alle, aber die führenden) die Entwicklung der europäischen Geistesgeschichte der Neuzeit, die sich in dem Dreischritt manifestiert:

Ablehnung der katholischen KircheAblehnung der Person und Lehre Jesu Christi und schließlichAblehnung Gottes selbst (besonders deutlich in der Gender-Mainstream-Ideologie)

Diese hier aufgezeigte Sicht der veröffentlichten Meinung ist ganz sicher überspitzt formuliert. Aber die Entwicklung der letzten sechzig Jahre zeigt, dass solche mit der Wucht der Medien vorgetragenen Tendenzen die Mentalität der Menschen nachhaltig beeinflusst haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als man sich von den Verirrungen der Nazi-Ideologie gerade erholt hatte, waren Abtreibung und Euthanasie für die große Mehrheit inakzeptabel, auch weitgehend die sog. Freie Liebe. Heute ist Zusammenleben vor der Ehe und – im Falle man ist verheiratet – auch der „Seitensprung“ längst weitgehend akzeptiert. Abtreibung und aktive Sterbehilfe sind ebenfalls salonfähig geworden, auch für viele Katholiken.

Und dennoch gibt es auch heute die sog. schweigende Mehrheit. Die Leute, die nicht mit dem mainstream mitschwimmen wollen, sind da, aber sie artikulieren sich nicht. Sie sind es, die Jesus Christus und sein Wort ernst nehmen. Und das auch dann noch, wenn scheinbar alles dagegen spricht.

So erging es Petrus – dem Urbild des Papsttums – als er, wie das heutige Evangelium berichtet, nach einer ganzen Nacht des erfolglosen Fischens, von Jesus die Aufforderung erhielt, die Netze auszuwerfen. Nach vernünftigem Ermessen war das sinnlos, denn die Fische ziehen sich am hellichten Tag in die Tiefe zurück. Aber Petrus glaubte an Jesus: „Wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen“ (Lk 5,5).

So manches größere und kleinere Problem ließe sich lösen, wenn die Menschen sich auf Gott verließen und auf das, was Er sagt.

Ganz sicher geht es so, dass dann die Freude zurückkehrt. Das meint der Apostel, wenn er sagt: „Freut euch im Herrn!“ (Phil 4,4)