Karwoche: "Palästina will Gerechtigkeit"

Christen aus dem Heiligen Land und der ganzen Welt erinnerten an den Einzug Jesu nach Jerusalem - Nicht alle haben indes von Israel eine Einreisegenehmigung erhalten

Luzern, (KiN Schweiz/Fürstentum Liechtenstein) | 234 klicks

„Papst Franziskus, Palästina will Gerechtigkeit“: Auf grossen Plakaten haben palästinensische Christen den Ende Mai ins Heilige Land reisenden Papst auf ihre Lage in den besetzten Gebieten aufmerksam gemacht. Aus allen Teilen des Westjordanlandes waren sie in Bussen nach Jerusalem gekommen, um an der traditionellen Palmsonntagsprozession teilzunehmen, mit der des Einzugs Jesu nach Jerusalem gedacht wird. Tausende einheimische Christen und Pilger aus aller Welt zogen am Sonntagnachmittag deshalb von Bethphage, wo der Herr den Esel bestiegen haben soll, der ihn nach Jerusalem trug, bis zur Anna-Kirche in der Jerusalemer Altstadt.

Erlaubnis nötig

„Wir freuen uns wahnsinnig auf Papst Franziskus. Es ist so wichtig, dass er uns in Palästina besucht und die Welt auf unsere Lage hinter Mauer und Stacheldraht aufmerksam macht“: Suzanne, eine Katholikin aus Bethlehem, spricht aufgeregt. Ihrer Familie, Töchtern und Enkeln, scheint sie damit aus dem Herzen zu sprechen. Denn diese nicken zustimmend. „Es ist manchmal leichter nach Amerika zu reisen als nach Jerusalem, das zehn Kilometer entfernt liegt“, meint ihre Tochter Marcelle. „Dabei gehören Bethlehem und Jerusalem für uns Christen doch zusammen wie Geschwister. Es sollte überhaupt keiner Einreiseerlaubnis bedürfen, um an die Heiligen Stätten reisen zu können.“ Das sieht auch Rifat Kassis so. Er ist Mitarbeiter der überkonfessionellen christlichen Menschenrechtsorganisation „Kairos Palestine“. Gegenüber KIRCHE IN NOT sagte er am Montag: „Nur in Israel braucht man eine Erlaubnis, wenn man beten will. Unsere überkonfessionelle Organisation ruft die internationale Gemeinschaft deshalb seit Jahren auf, Druck auf Israel auszuüben, um diese Praxis zu ändern. Palästinensische Moslems und Christen sollten ohne Schwierigkeiten ihre Heiligen Stätten in Jerusalem zum Gebet aufsuchen können.“

Hinter den Mauern

Seit der Zweiten Intifada, dem Aufstand der Palästinenser gegen die israelische Besatzung zwischen 2000 und 2005, und dem Bau der Mauer hat Israel die Einreise für Palästinenser aus den besetzten Gebieten nach Israel enorm erschwert. Pendelten früher zehntausende palästinensische Arbeiter täglich zwischen ihren Wohnorten im Westjordanland und ihren Arbeitsstätten in Israel, ist dies heute praktisch zum Erliegen gekommen. Die Einreise nach Israel müssen Palästinenser aus dem Westjordanland und Gaza bei der sogenannten Zivilverwaltung beantragen. Dabei handelt es sich um die israelische Behörde, die sich um die Verwaltung der besetzten Gebiete kümmert. Sie vergibt auf Antrag Reise- und Arbeitsgenehmigungen für Israel. Immer wieder gibt es Klagen seitens der Christen, dass Einreiseanträge für die christlichen Osterfeiern in Jerusalem restriktiv gehandhabt würden. Yusef Daher etwa, Katholik und Mitarbeiter des in Jerusalem ansässigen „Jerusalem Interchurch Center“, sagte gegenüber KIRCHE IN NOT, dass die Vergabepraxis teilweise nicht nachvollziehbar sei: „Ein Teil der Familie bekommt die Erlaubnis, ein anderer muss aber hinter der Mauer bleiben.“

Aus Gaza 500 Gläubige

Auf Anfrage von KIRCHE IN NOT am Montag erklärte ein Sprecher der israelischen Zivilverwaltung, dass in diesem Jahr 16000 Anträge palästinensischer Christen aus dem Westjordanland auf Einreise nach Israel anlässlich der Feiertage eingegangen seien. „Davon haben wir bisher 14000 stattgegeben. An den restlichen arbeiten wir noch. Es sind ja schliesslich noch ein paar Tage bis zum christlichen Osterfest.“ Aus Gaza, so der Sprecher weiter, würden 500 Christen erwartet. Weihbischof William Shomali, im Lateinischen Patriarchat von Jerusalem, verfügt derweil über niedrigere Zahlen. Gegenüber KIRCHE IN NOT sagte der für die palästinensischen Gebiete zuständige Bischof, dass nach Auskunft des israelischen Innenministeriums bis Sonntag nur etwa 10000 Einreisegenehmigungen erteilt worden seien. „Das ist weniger als angefragt“, so Shomali.

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