KATECHESE DES HEILIGEN VATERS IN DEUTSCHER SPRACHE

(ZENIT.org).- Wir entschuldigen uns bei unseren Lesern, dass aufgrund einer Panne die Katechese nicht wie gewohnt am gestrigen Mittwoch geschickt wurde.

| 320 klicks

1. Vor einer Woche ging meine Pilgerreise auf den Spuren des heiligen Paulus zu Ende, die mich nach Griechenland, Syrien und Malta führte. Es ist mir eine Freude, mich heute mit euch zusammen mit diesem Ereignis zu befassen, welches der letzte Teil der Jubiläumswallfahrt zu den wichtigsten Stätten der Heilsgeschichte ist. Ich bin allen dankbar, die mich im Gebet auf dieser unvergesslichen "Rückkehr zu den Quellen" begleitet haben, wo die Frische der christlichen Anfangshoffnung zu spüren ist.



Nochmals möchte ich dem Präsidenten der Republik Griechenland, Herrn Kostas Stephanopoulos, für die Einladung in sein Land danken. Auch will ich dem Präsidenten der arabischen Republik Syrien, Herrn Baschir Al-Assad, und dem Präsidenten der Republik Malta, Herrn Guido De Marco für den freundlichen Empfang in Damaskus und Valletta danken.

Überall wollte ich vor den Orthodoxen Kirchen die Zuneigung und Wertschätzung der Katholischen Kirche bezeugen mit dem Wunsch, die Erinnerung an die vergangene Schuld hinsichtlich der Gemeinschaft möge vollends gereinigt werden und der Versöhnung und Brüderlichkeit Raum schaffen. Auch hatte ich erneut Gelegenheit, die ehrliche Öffnung zu bezeugen, mit der sich die Kirche an die Gläubigen des Islam wendet, mit denen uns die Anbetung des einzigen Gottes verbindet.

Ich empfinde es als eine besondere Gnade, dass ich den katholischen Bischöfen von Griechenland, Syrien und Malta vor allem in ihrem Missionsumfeld begegnen durfte und zusammen mit ihnen auch ihren Priestern, Ordensleuten und zahlreichen Gläubigen. Auf den Spuren des heiligen Paulus konnte der Nachfolger Petri diese Gemeinschaften ermutigen und sie zur Treue und gleichzeitig zur Öffnung und brüderlichen Liebe aufrufen.

2. Auf dem Areopag in Athen erklangen die Worte des Paulus aus seiner berühmten Rede, die in der Apostelgeschichte überliefert wird. Sie wurden auf griechisch und englisch vorgetragen, was sehr beeindruckend war, denn Griechisch war ja die meist gesprochene Sprache im Mittelmeerraum zu Beginn des ersten Jahrtausends, so wie das heute weltweit Englisch ist. Die "Frohe Botschaft" Christi, des Offenbarers Gottes und Retters der Welt von gestern, heute und immerdar ist an alle Menschen der Erde gerichtet, wie es das ausdrückliche Gebot vorsieht.

Zu Beginn des dritten Jahrtausends ist der Areopag von Athen sozusagen zum "Weltareopag" geworden, von wo aus die christliche Heilsbotschaft erneut an alle gerichtet wird, die Gott suchen und ihn "ehrfürchtig" in seinem unergründlichen Mysterium der Wahrheit und Liebe aufnehmen. Besonders durch die "Gemeinsame Erklärung" die ich am Ende einer brüderlichen Begegnung zusammen mit Seiner Seligkeit Christodoulos, dem Erzbischof von Athen und ganz Griechenland unterzeichnen konnte, wurde ein Appell an die Völker des europäischen Kontinentes gerichtet, die christlichen Wurzeln nicht zu vergessen.

Die Rede des heiligen Paulus auf dem Areopag stellt ein Inkulturationsmodell dar und bleibt als solches stets aktuell. Daher habe ich es bei der Messe mit den Katholiken von Griechenland erneut benutzt und es mit dem verehrungswürdigen Beispiel der Brüder Kyrill und Methodos aus Thessaloniki in Verbindung gebracht. Sie haben sich von diesem Modell mit Treue und Kreativität inspirieren lassen, sie zögerten nicht, das Evangelium unter den slawischen Völkern zu verbreiten.

3. Nach Griechenland ging es weiter nach Syrien, wo auf dem Weg nach Damaskus der auferstandene Christus dem Saulus von Tarsus erschienen war und aus einem hartnäckigen Verfolger einen unermüdlichen Apostel des Evangeliums machte. Es war ein Zurückgehen zu den Ursprüngen - wie für Abraham - ein Zurückgehen zu dem Ruf, zur Berufung. Daran dachte ich, als ich die Gedächtnisstätte des heiligen Paulus besuchte. Die Geschichte Gottes mit den Menschen geht immer von einem Ruf aus, sich selbst und die eigenen Sicherheiten aufzugeben, um nach einem neuen Land zu streben im Vertrauen auf den, der ruft. So war es für Abraham, Moses, Maria, Petrus und die anderen Apostel, und so war es auch für Paulus.

In Syrien leben heute vorwiegend Muslime, die an den einen Gott glauben und versuchen, sich ihm nach dem Beispiel Abrahams unterzuordnen, auf den sie sich gerne berufen (vgl. Nostra aetate, 3). Der Dialog mit dem Islam wird zu Beginn des dritten Jahrtausends immer notwendiger und wichtiger. In diesem Sinne war der warmherzige Empfang seitens der Zivilbehörden und des Großmuftis, der mich bei dem historischen Besuch in der Großen Moschee der Omayyaden begleitet hat, wirklich ermutigend. Dort befindet sich die auch von den Muslimen hoch verehrte Gedenkstätte des heiligen Johannes des Täufers.

In Damaskus bekam meine Pilgerreise vor allem einen starken ökumenischen Charakter, denn ich hatte die Freude, die jeweiligen Kathedralen seiner Seligkeit Ignatius IV., des griechisch-orthodoxen Patriarchen, und Seiner Heiligkeit Mor Ignatius Zakka I., des syro-antiochenischen Patriarchen, zu besuchen. In der historischen griechisch-orthodoxen Kathedrale der Entschlafung der Jungfrau Maria hatten wir dann ein feierliches gemeinsames Gebet gesprochen. Tief bewegt sah ich, wie sich eines der Hauptzieles meiner Jubiläumspilgerreise verwirklichte, nämlich dass wir uns an den Stätten unseres gemeinsamen Ursprunges versammeln, um vor Christus unsere Einheit zu bezeugen (vgl. Ut unum sint, 23) und um das gegenseitige Engagement für die Wiederherstellung der vollen Einheit zu bestätigen" (Brief über die Pilgerreise zu den Heiligen Stätten der Heilsgeschichte, 11).

4. In Syrien kam ich nicht umhin, besonders für den Frieden in Nahost zu bitten, was leider auch bedingt war durch die derzeitige dramatische Situation, die immer besorgniserregender wird. Ich bin auf die Golanhöhen gegangen in die durch den Krieg halbzerstörte Kirche von Quneitra, um dort zu beten. In gewissem Sinne ist mein Geist dort geblieben, auch bete ich weiter und höre nicht auf, bis die Rache der Versöhnung und der Anerkennung der jeweiligen Rechte weicht.

Diese Hoffnung gründet auf dem Glauben, und es ist die Hoffnung, die ich den syrischen Jugendlichen anvertraut habe, denen ich am Abend vor meiner Abreise in Damaskus begegnen durfte. Ich trage ihre freudige Begrüßung im Herzen und bitte den Gott des Friedens, dass die christlichen, muslimischen und jüdischen Jugendlichen als Kinder des einen Gottes zusammenwachsen mögen.

5. Die letzte Etappe meiner Pilgerreise auf den Spuren des heiligen Paulus war die Insel Malta, wo der Apostel nach einem Schiffsbruch als Gefangener, der nach Rom gebracht werden sollte, drei Monate verbrachte (vgl. Offb 27,39-28,10). Auch dieses zweite Mal durfte ich diesen warmherzigen Empfang der Malteser erleben und hatte die Freude, zwei Söhne dieses Volkes selig zu sprechen, nämlich Don Giorgio Preca, den Gründer der Gesellschaft der christlichen Lehre und Ignazio Falzon, einen Laienkatecheten, sowie die benediktinische Ordensschwester Maria Adeodata Pisani.

Wiederum wollte ich den Weg der Heiligkeit aufzeigen, den lehrenden Weg der Gläubigen des dritten Jahrtausends. Im weiten Ozean der Geschichte fürchtet die Kirche nicht die Herausforderungen und Nachstellungen auf ihrer Fahrt, wenn sie nur fest Kurs hält auf die Heiligkeit zu, wohin sie das Große Jubiläum 2000 verwiesen hat (vgl. Novo millennio ineunte, 30).

So möge es für alle sein, dank auch der Fürsprache Mariens, an die wir uns in Monat Mai immerzu wenden, der ihr geweiht ist. Möge die Jungfrau allen Christen, allen Familien und allen Gemeinschaften helfen, mit neuem Elan ihre tägliche Aufgabe der Treue zum Evangelium weiterhin zu verwirklichen.

00780-01.001 [Originaltext: Italienisch]