Katechese von Papst Benedikt XVI. während der Generalaudienz am 23. November

Rückblick auf die Pastoralreise nach Benin

| 591 klicks

VATIKANSTADT, 30. November 2011 (ZENIT.org). – Papst Benedikt XVI. widmete die Katechese traditionell seiner vergangenen Pastoralreise nach Benin. Er dankte nochmals allen Organisatoren, Priestern, Ordensleuten und Laien, die an seiner jüngsten Reise mitgewirkt hatten. Zudem erinnerte er sich mit großer Freude an den „apostolischen Eifer“ der Menschen, denen er im afrikanischen Land begegnet war .

[Wir dokumentieren den Wortlaut der Ansprache in einer eigenen Übersetzung:]

***

Liebe Schwestern und Brüder!

In mir sind noch immer die Eindrücke lebendig, die  durch die jüngste apostolische Reise nach Benin hervorgerufen wurden, über die ich heute sprechen möchte. In meinem Herzen steigt spontan Dankbarkeit gegenüber dem Herrn auf: Gemäß seiner Vorsehung wollte er, dass ich ein zweites Mal als Nachfolger Petri nach Afrika zurückkehre, anlässlich des hundertfünfzigsten Jahrestages des Beginns der Evangelisierung Benins und um das Nachsynodale Apostolische Schreiben „Africae munus“ offiziell zu unterschreiben und den kirchlichen Gemeinschaften in Afrika zu übergeben. Nachdem ich über die Analysen und Vorschläge nachgedacht hatte, die aus der im Oktober 2009 im Vatikan abgehaltenen Zweiten Sonderversammlung der Bischofssynode für Afrika hervorgegangen sind, wollte ich in diesem wichtigen Dokument einige Linien für die Seelsorgetätigkeit auf dem großen afrikanischen Kontinent aufzeigen. Zugleich wollte ich einem berühmten Sohn Benins und Afrikas und einem großen Mann der Kirche, dem unvergesslichen Kardinal Bernardin Gantin, meine Ehre erweisen und an seinem Grab beten. Das ehrende Gedenken an ihn ist in seiner Heimat, die ihn als Landesvater betrachtet, und auf dem ganzen Kontinent lebendiger denn je.

Ich möchte heute meinen lebhaftesten Dank denen gegenüber wiederholen, die zur Verwirklichung meiner Pilgerfahrt beigetragen haben. Sehr dankbar  bin ich  vor allem dem Herrn Präsidenten der Republik, der mir mit großer Höflichkeit seinen herzlichen Gruß  und den des ganzen Landes entrichtet hat, sowie dem Erzbischof von Cotonou und den anderen verehrten Brüdern im Bischofsamt, die mich mit Liebe aufgenommen haben. Ich danke außerdem den Priestern,  den Ordensmännern und Ordensfrauen, den Diakonen, den Katechisten und den ungezählten Schwestern und Brüdern, die mich mit großem Glauben und viel Wärme in diesen gnadenreichen Tagen begleitet haben. Wir haben - in Verbindung mit dem hundertfünfzigsten Jahrestag der Evangelisierung Benins - gemeinsam eine ergreifende Erfahrung des Glaubens und der erneuerten Begegnung mit dem lebendigen Jesus Christus erlebt.

Ich habe die Früchte der Zweiten Sonderversammlung der Bischofssynode für Afrika der heiligen Jungfrau zu Füßen gelegt, die in Benin besonders in der Basilika der Unbefleckten Empfängnis in Ouidah verehrt wird. Die Kirche in Afrika hat nach dem Vorbild Mariens die Frohe Botschaft des Evangeliums angenommen und viele Völker zum Glauben gebracht. Heute sind die christlichen Gemeinden Afrikas berufen - wie sowohl das Thema der Synode als auch das Motto meiner Apostolischen Reise betonen -, sich im Glauben zu erneuern, um immer mehr im Dienst der Versöhnung, der Gerechtigkeit und des Friedens zu stehen. Sie sind aufgefordert, sich in ihrem Inneren zu versöhnen, um frohe Werkzeuge der göttlichen Barmherzigkeit zu werden, indem jede von ihnen die eigenen geistlichen und materiellen Reichtümer zu dem gemeinsamen Engagement beisteuert.

Dieser Geist der Versöhnung ist unerlässlich, natürlich auch auf der zivilen Ebene, und braucht eine Offenheit für die Hoffnung, die auch das sozialpolitische und wirtschaftliche Leben des Kontinents beseelen muss, wie ich bei dem Treffen mit den politischen Institutionen, dem diplomatischen Korps und den Vertretern der Religionen darlegen konnte. Bei dieser Gelegenheit wollte ich gerade auf die Hoffnung einen Schwerpunkt legen, die den Weg des Kontinents beseelen muss, und habe den brennenden Wunsch nach Freiheit und Gerechtigkeit hervorgehoben, der besonders in den letzten Monaten die Herzen zahlreicher afrikanischer Völker bewegt. Ich habe außerdem die Notwendigkeit unterstrichen, eine Gesellschaft zu errichten, in der die Beziehungen zwischen den verschiedenen Ethnien und Religionen vom Dialog und von Harmonie gekennzeichnet sind. Ich habe alle aufgefordert, bei allen Gegebenheiten und in jedem Umfeld wahre Sämänner der Hoffnung zu sein.

Die Christen sind Menschen der Hoffnung, die kein mangelndes Interesse an den Brüdern und Schwestern haben können. An diese Wahrheit habe ich auch die riesige Menschenmenge erinnert, die zur sonntäglichen Eucharistiefeier im Stadion der Freundschaft in Cotonou zusammen gekommen war. Diese Sonntagsmesse war ein besonderer Moment des Gebetes und des Festes, an dem Tausende von Gläubigen aus Benin und anderen afrikanischen Ländern teilnahmen, von den ältesten bis hin zu den jüngsten: ein wunderbares Zeugnis dafür, wie der Glaube die Generationen vereinen und auf die Herausforderungen jedes Lebensalters Antwort geben kann.

Während dieser ergreifenden und festlichen Feier habe ich den Vorsitzenden der Bischofskonferenzen in Afrika das Nachsynodale Apostolische Schreiben „Africae munus“ übergeben, das ich am Vortag in Ouidah unterzeichnet hatte. Es ist an die Bischöfe, die Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen, an die Katechisten und an die Laien des ganzen afrikanischen Kontinents gerichtet. Ich vertraue ihnen die Früchte der Zweiten Sonderversammlung der Bischofssynode für Afrika an. Ich habe sie gebeten, sie aufmerksam zu meditieren und in Fülle zu leben, um der anspruchsvollen Sendung zur Evangelisation, welche die pilgernde Kirche in Afrika im dritten Jahrtausend hat, wirksam zu entsprechen. In diesem wichtigen Text wird jeder Gläubige die grundlegenden Linien finden, die auf dem Weg führen und ermutigen, den die Kirche in Afrika geht, die berufen ist, immer mehr das „Salz der Erde“ und das „Licht der Welt“ (Mt 5,13-14) zu sein.

Ich habe alle dazu aufgerufen, unermüdliche Baumeister der Gemeinschaft, des Friedens und der Solidarität zu sein, um dadurch an der Verwirklichung des Heilsplans Gottes für die Menschheit mitzuarbeiten. Die Afrikaner haben mit Begeisterung auf die Aufforderung des Papstes geantwortet. Ich habe auf ihren Gesichtern, an ihrem brennenden Glauben und an ihrer überzeugten Zugehörigkeit zum Evangelium des Lebens wiederum tröstliche Zeichen der Hoffnung für den großen afrikanischen Kontinent erkannt.

Ich habe diese Zeichen mit den Händen berührt, auch bei dem Treffen mit den Kindern und mit der Welt des Leidens. In der Pfarrkirche der heiligen Rita habe ich die Lebensfreude, die Fröhlichkeit und die Begeisterung der neuen Generationen verkostet, die die Zukunft Afrikas aufbauen. Der festlichen Schar der Kinder - eine der Quellen und Reichtümer des Kontinents - habe ich die Gestalt des heiligen Kizito gezeigt, eines ugandischen Jungen, der ermordet wurde, weil er nach dem Evangelium leben wollte. Ich habe alle ermahnt, Jesus vor den eigenen Altersgenossen zu bezeugen. Der Besuch im Foyer „Frieden und Freude“, das von den Missionarinnen der Nächstenliebe von Mutter Teresa geführt wird, hat mich einen Augenblick großer Bewegtheit erleben lassen, als ich die verlassenen und kranken Kinder traf. Ich konnte konkret sehen, wie Liebe und Solidarität in der Schwachheit die Kraft und die Liebe des auferstandenen Christus gegenwärtig setzen können.

Die Freude und das apostolische Feuer, denen ich bei den Priestern, Ordensmännern, Ordensfrauen, Seminaristen und Laien, die in großer Zahl zusammen gekommen waren, begegnet bin, bilden ein Zeichen der sicheren Hoffnung für die Zukunft der Kirche in Benin. Ich habe alle ermahnt zu einem authentischen und lebendigen Glauben und zu einem christlichen Leben, das von der Praxis der Tugenden gekennzeichnet ist. Ich habe alle ermutigt, die jeweilige Sendung in der Kirche in Treue zu den Unterweisungen des Lehramtes, in Gemeinschaft untereinander und mit den Hirten zu leben. Dabei habe ich besonders den Priestern den Weg der Heiligkeit aufgezeigt in dem Bewusstsein, dass ihr Dienst keine einfache soziale Aufgabe darstellt, sondern darin besteht, Gott zum Menschen und den Menschen zu Gott zu bringen.

Ein Moment der intensiven Gemeinschaft war das Treffen mit dem Episkopat von Benin, das zum Nachdenken diente - insbesondere über den Ursprung der Verkündigung des Evangeliums in ihrem Land, über das Werk der Missionare, die großmütig ihr Leben hingeben haben, manchmal in heroischer Weise, damit die Liebe Gottes allen verkündet wurde. Die Bischöfe habe ich dazu aufgefordert, geeignete pastorale Initiativen ins Leben zu rufen, um in den Familien, den Pfarrgemeinden, den Gemeinschaften und den kirchlichen Bewegungen eine ständige Wiederentdeckung der Heiligen Schrift zu bewirken, jener Quelle der geistlichen Erneuerung und Möglichkeit der Vertiefung des Glaubens. In einem solchen erneuerten Zugang zum Wort Gottes und in der Wiederentdeckung der eigene Taufe werden die gläubigen Laien die Kraft finden, ihren Glauben an Christus und an sein Evangelium in ihrem alltäglichen Leben zu bezeugen. In dieser für den ganzen Kontinent entscheidenden Phase kann die Kirche in Afrika durch ihren Einsatz im Dienst des Evangeliums und durch das mutige Zeugnis einer tätigen Solidarität Protagonist einer neuen Zeit der Hoffnung sein. Ich habe in Afrika die Frische der Bejahung des Lebens, die Frische der Religiosität und der Hoffnung gesehen, eine Wahrnehmung der Wirklichkeit in ihrer Gesamtheit mit Gott und nicht auf einen Positivismus reduziert, der am Ende die Hoffnung auslöscht. All das besagt, dass auf diesem Kontinent eine Reserve des Lebens und der Lebenskraft für die Zukunft existiert, auf die wir zählen können, auf die die Kirche zählen kann.

Meine Reise hat einen großen Appell an Afrika dargestellt, dass es alle Anstrengungen darauf richten möge, das Evangelium denen zu verkündigen, die es noch nicht kennen. Es handelt sich um eine erneuerte Verpflichtung zur Evangelisation, zu der jeder Getaufte berufen ist, indem er Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden fördert.

Maria, der Mutter der Kirche und Unserer Lieben Frau von Afrika, vertraue ich alle an, denen ich auf meiner unvergesslichen Apostolischen Reise begegnet bin. Ihr empfehle ich die Kirche in Afrika. Die mütterliche Fürsprache Mariens, „deren Herz immer auf den Willen Gottes ausgerichtet war, möge alles Bemühen um Umkehr unterstützen,  jede Initiative der Versöhnung stärken und  alle Anstrengungen für den Frieden wirksam werden lassen in einer Welt, die hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit“ (Africae munus, 175). Danke.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals von Dr. Edith Olk - © Libreria Editrice Vaticana]