Katharina von Siena - eine Frau der Kirche bleibt aktuell

Die Dominikanerin Nancy Murray reist mit ihrer Performance über die große Kirchenlehrerin um die Welt

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ROM, 29. April 2009 (ZENIT.org).- „Katharina von Siena war mir stets nahe: als große Schwester, treue Begleiterin und als Vorbild“, erklärte Chiara Lubich (1920-2008), Gründerin der Folkolar-Bewegung, über die Kirchenlehrerin und Dominikanerin, deren Gedenktag heute begangen wird. Lubich zitierte auch gerne das folgende Wort der Heiligen: „Lasst die Flamme eures Herzens nur zu Gott aufsteigen… Liebt einander! Ihr wisst doch, dass Christus dies seinen Jüngern als Erkennungszeichen hinterlassen hat.“

Im Osservatore Romano berichtet Silvia Guidi, wie aktuell Katharinas Gedanken sind, und wie die Dominikanerin Nancy Murray mit der Interpretation der Heiligen aus Siena in Form eines „Theater-Monologs“ unter dem Titel „St. Catherine of Siena: A Woman for our times“ (Die heilige Katharina von Siena - eine Frau für unsere Zeit) weltweiten Erfolg erntet. Beim Weltjugendtag stellte sie ihre Darbietung Jugendlichen aus aller Welt vor. Wir veröffentlichen eine eigene Übersetzung des Berichts aus der heutigen Ausgabe der italienischen Edition der Tageszeitung des Vatikans.

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„Als ich auf Tournee ging, nannten sie mich das weiße Schaf der Familie’ und ‚unsere Schwester, die Schwester’. In der Tat, auch wenn ich drei Brüder habe, die Schauspieler sind, so bin ich die einzige, die wirklich Rezitation studiert hat“, antwortet Schwester Nancy lachend auf die Frage, warum sie nach jeder Aufführung sofort darum gebeten werde, diese woanders zu wiederholen. In diesem Fall geht es nicht um Starkult, wie es nämlich beim amerikanischen Starschauspiler Bill Murray der Fall war, der als viertes von neun Kindern in einfachen Verhältnissen aufwuchs. Drei seiner Geschwister (John, Joel und Brian) sind ebenfalls Schauspieler. beim Dauphin von John Belushi in der legendären NBC-Show „Saturday Night Live", der Fall war, oder dem surrealen Dr. Venkmann der „Ghostbusters“, dem Gefangenenreporter in „Ricomincio da capo“, dem Schauspieler aus der bittersüßen Komödie, der für seine Mitarbeit in „Lost in translation“ einen Oskar bekam.

Sr. Nancy Murray ist 61 Jahre alt und gehört zur Kongregation der Schwestern der Dominikanerinnen von Adrian, in Michigan. Vor ein paar Jahren begann die Ordenfrau mit der Interpretation der Heiligen aus Siena im Format eines „Theater Monologs“: "St. Catharine of Siena: A Woman for our times“. Das Stück hat sie mit einer Mitschwester verfasst.

Aber die Wirksamkeit des Textes und des Vortrags von Schwester Nancy, die alleine rund 14 Persönlichkeiten, Mitgliedern der Familie von Katharina und führenden Persönlichkeiten aus dem Europa des vierzehnten Jahrhundert Leben einhaucht, ist zuerst auf großes Interesse in amerikanischen katholischen Schulen gestoßen, dann zum Teil in religiösen oder öffentlichen Einrichtungen und auf der ganzen Welt.

Ein Triumph geboren aus der Mund zu Mund Propaganda, die Schwester Murray dazu gebracht hat, nicht nur in allen Teilen der Vereinigten Staaten, sondern auch in Australien, Vietnam, Ost-Timor und in anderen Ländern aufzutreten. Sie geht überall hin, wo sie eingeladen wird, vor allem zui den katholischen Gemeinden in Asien.

Die Worte der jungen Mystikerin aus Siena, die es wagte Päpste und Könige zu beraten, hallen bei den Live-Auftritten wieder. Der Rahmen: eine einfache Inszenierung - ein Kreuz, eine Kerze, eine Vase mit Blumen, das sind die einzigen Objekte auf der Bühne - die jedoch in der Lage sind zu einem Publikum in allen Ländern zu sprechen: „Wenn Du das bist, was Du sein sollst, wirst Du ein Feuer in der ganzen Welt entzünden", wiederholte die hl. Katharina häufig den ihren.

Die Dominikanerinnen haben das Potenzial der pastoralen Arbeit der Schauspielerin und Ordensfrau erkannt und unterstützt, dass sie fast ununterbrochen auf Tournee sein kann.

Schwieriger war es für Sr. Nancy im Jahre 1966, dass der Murray-Clans ihre Berufung anzunehmen bereit war. Als erste von neun Geschwistern, kam Nancy mit 18 Jahren ins Kloster.

Während des Noviziates in Adrien blieben alle (außer dem Vater) skeptisch: „Unsere Schwester, eine Dominikanerin. Unmöglich. Die Regel sieht Schweigen vor, wie geht dir damit, wo du so gerne redest?" Aber nach Jahren von Druck, Drohungen und Bitten, haben die Geschwister Murray nachgegeben: „Sie ist richtig, da wo sie gerade ist. Aber nur, wenn sie nach wie vor unsere Nancy bleibt; Nancy, die fröhlich, begeistert und voller Leben ist; das ist die wir kennen“.

Von Silvia Guidi. Aus dem Italienischen übersetzt durch Angela Reddemann.